Next Level Coffee: Revolutioniert die Espresso-Zubereitung mit KI
Das Start-up Next Level Coffee will Barista-Wissen automatisieren, ohne das Ritual zu zerstören. Die Geduld mancher Vorbesteller wird strapaziert.
Quick Look
- Das Start-up Next Level Coffee automatisiert die Espresso-Zubereitung mit einer KI-gesteuerten Maschine namens Nunc.
- Sie analysiert Bohnen und passt Parameter an, um perfekten Espresso zu garantieren.
- Trotz technischer Fortschritte und Investoren wie Vorwerk, verzögern sich Lieferungen an Vorbesteller.
AI-generated summary
Why It Matters
Next Level Coffee, founded in 2021, aims to revolutionize espresso preparation by integrating AI and data to automate the barista's knowledge. The company has grown significantly and relocated its headquarters to Konstanz. Their core product, the Nunc, is designed to ensure perfect espresso regardless of user experience.
Das Start-up Next Level Coffee will Barista-Wissen automatisieren, ohne das Ritual zu zerstören. Das Versprechen ist groß – und die Geduld mancher Vorbesteller bereits strapaziert. Thorsten Firlus 22.05.2026 - 04:00 Uhr Artikel anhören
Konstanz. Die Sackgasse im Ortsteil Wallhausen am Bodensee wirkt nicht wie der Ausgangspunkt einer Revolution. Nicht einmal wie der eines mittleren Wandels. Und doch sollen hier am Unternehmenssitz von Next Level Coffee Espresso und Cappuccino von Grund auf, ja, neu gedacht werden.
2021 in der Pandemie gegründet, sei es nach und nach nötig gewesen, die Standorte zu wechseln. „Wir sind gewachsen, erst zu dritt, dann zehn Mitarbeiter. Dann zwanzig, momentan sind wir mehr als vierzig“, sagt Dominik Maier, das wortreichste Drittel des Gründertrios. Irgendwann haben sie sich entschieden, den Sitz in diese Idylle am See zu verlegen, selbst wenn hier nichts passiert.
Im Industriegebiet von Konstanz-Petershausen, näher an der Stadt, wird geforscht, beraten, berechnet, gestaltet, gewartet, getestet und alles das getan, was Next Level Coffee tut, um das zu tun, was laut Maier bis heute niemand macht: Espresso von der Kaffeeplantage bis zur Tasse als Einheit zu sehen.
Alles, nur nicht Kaffeemaschinenbauer!
„Es gibt Röstereien, es gibt Hersteller von Maschinen, es gibt Hersteller von Mühlen, wir sind das alles in einem“, sagt Maier in der lichten Etage eines sorgsam gestalteten Bürogebäudes. Next Level Coffee sei vor allem aber eines nicht: ein weiterer Hersteller von Espressomaschinen.
„Wir bieten ein Ökosystem“, sagt Maier. Eines, in dem die digitale Dienstleistung mindestens auf Augenhöhe mit dem notwendigen physischen Produkt sei. Denn es sei egal, wie gut eine Maschine sei. „Hardware kannst du nachbauen“, sagt Marius Kütemeyer, unter den dreien verantwortlich für die Technologie.
Das gelte nicht für eine Datenplattform, die nicht ein Rezept, sondern eine Formel enthalte, die helfe, jede Röstung sofort mit den passenden Einstellungen zuzubereiten.
Zähler für Nutzungen: Daten sind der Kern des Geschäfts von Next Level Coffee. Foto: Firlus
Zur Anwendung bringt diese Formel die Nunc – das futuristisch anmutende Herzstück des Unternehmens. „Nunc“ ist Latein und heißt so viel wie: jetzt, gerade eben, von nun an. Von nun an, so der Gedanke der Gründer, soll der Espresso stets gelingen, egal wann, egal wo, egal wie und vor allem egal wem.
Oberhalb der Maschine, gleich hinter dem Eingang zu den Büros, befindet sich ein Zählboard. Darauf wird jede Nutzung der derzeit mehrere Hundert betriebenen Maschinen gezählt. Exakt 73.590 Bezüge sind es am 8. Mai um 9.26 Uhr seit Jahresbeginn. Und jeder Shot war ein Treffer, da geben sich Maier und seine Mitgründer Markus Unger und Marius Kütemeyer sicher. Dabei ist Perfektion beim Espresso für gewöhnlich das Resultat von glücklichen Umständen und Erfahrung.
Wir haben von der Zukunft aus gedacht. Und wenn du dir die Zukunft ausdenken kannst, dann kannst du sie auch bauen. Dominik MaierGründer von Next Level Coffee
Das Problem: Die Parameter sind mannigfaltig. Welche Sorte Bohnen wird verwendet, wie alt sind sie, wie ist die Umgebungstemperatur, wie hoch ist die Luftfeuchtigkeit, wie ist der Anpressdruck im Siebträger, wie heiß ist das Wasser, welchen pH-Wert hat es?
Hobbybarista verzweifeln ohne Handreichung schnell an der Komplexität, Wasser und Kaffeefette zu der Emulsion zusammenzufügen, die Aroma und Crema hervorzaubert. „Wir kennen das, dass jeder dritte Kaffee misslingt oder wir eine Aufheizzeit von 20 Minuten haben“, sagt Maier.
Das müsse besser gehen, da waren sich die drei Espressoliebhaber einig. In einem fast 100 Seiten umfassenden Buch hielten sie fest, was ihnen vorschwebte. „Wir haben von der Zukunft aus gedacht. Und wenn du dir die Zukunft ausdenken kannst, dann kannst du sie auch bauen“, sagt Maier.
Zumal bei aller Komplexität der Espressozubereitung stets auch Naturgesetze walten. Britische Wissenschaftler wollen gar die Formel für perfekten Espresso ermittelt haben. Marius Kütelmeyer hat am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) mit der Arbeit „Development of Ultra High Temperature Matrix Composites using a Reactive Melt Infiltration Process“ promoviert.
Formel für perfekten Espresso: Naturwissenschaft, die in der Anwendung Erfahrung und Übung erfordert. Foto: Screenshot Quelle
Er schaut auf die Formel und sortiert sie in seinem Kopf. Sie handelt von der Permeabilität, also der Durchlässigkeit des Pucks, so nennt sich der Kaffeemehlrest, der nach dem Bezug unter Druck kompakt und fest aus dem Siebträger fallen sollte.
Damit das passiert, müssen die zahlreichen wechselnden Parameter, die den Espresso in der Herstellung so vergleichsweise kompliziert machen, miteinander in Einklang gebracht werden. Dazu hat Next Level Coffee Daten über Daten gesammelt. Und so steckt in der Nunc neben Ingenieurwissen auch ein hohes Maß an Mathematik.
Prototypen und Entwicklungsmuster der Nunc: Tischtennis hat Tischfußball den Rang abgelaufen im Start-up. Foto: Firlus
Alles wird gemessen, alles wird kontrolliert und noch während des Kaffeebezugs angepasst. Inzwischen sind es viele Daten. „Wir brauchen eigentlich keine weiteren Sorten mehr zu messen“, sagt Maier. Künftige Kunden werden mit all diesen Daten nicht konfrontiert. Denn auch jemandem, der noch nie eine Siebträgermaschine bedient hat, soll die Nunc nach wenigen Handgriffen einen perfekten Kaffee bereiten.
Dabei sind die wenigen Handgriffe nicht einmal zwingend nötig, sie sind gewollt. Die Maschine ist zweiteilig, Siebträger und Mühle sind getrennt. Gestaltet von der Stuttgarter Designagentur Phönix.
„Wir wollen ein Ritual bieten“, sagt Dominik Maier. Eines, das kulturell den Prozess des Mahlens, Andrückens, Einspannens und Auslösens aufgreift, den Menschen an den Punkten jedoch aus der Gleichung nimmt, an denen er Schaden anrichten könnte. Weil er das Kaffeemehl nicht in der richtigen Menge einfüllt. Weil er es zu fest oder zu lasch festdrückt. Weil er überhaupt alte Bohnen genommen hat, die dann auch noch zu grob oder zu fein gemahlen sind.
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Die Nunc haben Kütelmeier, Maier und Unger deshalb in verteilten Rollen so den Investoren schmackhaft gemacht. Das Wuppertaler Unternehmen Vorwerk, bekannt für Kobold und Thermomix, ist über seinen Investmentarm Ventures dabei, ebenso Investoren wie der Privatinvestor Bernd Kußmaul. Es seien Investoren, die nicht nur Geld, sondern vor allem Know-how mitbrächten in den Gebieten, in denen Next Level Coffee sie braucht.
Röstungen aus aller Welt
Das gilt zum Beispiel für die Produktion der Nunc. Den Zusammenbau erledigt der Automobilzulieferer Marquardt in Rietheim-Weilheim. „Zusammenbau ist bewusst nicht unsere Kernkompetenz“, sagt Maier.
Die Nunc hat mit dem an Sanitärbedarf erinnernden Innenleben von Siebträgern der italienischen Schule mit Kesseln und Ventilen so viel zu tun wie ein Tesla mit einem VW Käfer. Elektronische Bauteile heizen das Wasser, messen die Mengen, Sensoren überprüfen Flussmenge, Widerstand und Profil des Brühdrucks, der mittendrin noch geändert werden kann.
Community ist das Ziel. Dominik MaierGründer von Next Level Coffee
Ein Ionisator verhindert am Auswurf der Mühle die statische Aufladung des Kaffeemehls. So werden Klumpen vermieden. Die Zahl der Parameter lässt sich nicht ändern, aber jeder einzelne lässt sich messen und bearbeiten, damit der Faktor Mensch keiner mehr ist.
Welche Bohnen die Maschine verarbeiten soll, weiß sie, da in jeder der runden Bohnenverpackungen mit 120 Gramm Bohnen, ein RFID-Chip die entsprechenden nötigen Informationen liefert. Die Bohnen röstet Next Level Coffee selbst, ein weiterer Raum in Konstanz ist dafür vorgesehen. Markus Unger ist unter anderem verantwortlich für Auswahl, Einkauf, Sorten und Verarbeitung. Ein Kaffeenerd mit einem Hintergrund in der Medizintechnik.
Markus Unger (v.l.), Marius Kütemeyer und Dominik Maier von Next Level Coffee: 2700 Euro sollen Kaffeetrinker für die Maschine ausgeben. Foto: PR
Die Welt des Kaffees ist jedoch bunt, und nicht wenige Menschen schätzen es, aus dem Urlaub oder schlicht, weil sie eine Marke mögen, ihre Sorte zuzubereiten. Seit April nun ist das Programm „anybeans“ freigeschaltet.
„Nutzer scannen ihre Tüte Bohnen mit dem Smartphone, das lädt verfügbare Informationen in die App“, sagt Unger. Von dort wiederum erhält die Maschine die notwendigen Informationen, um aus Herkunft, Mischung und Varietät ein wahrscheinliches Profil zu errechnen. Spätestens beim zweiten Versuch sollten die Sensoren erkannt haben, wie diese Bohne zuzubereiten ist.
Gleiches gilt für die Milch. Sensoren analysieren während des Schäumens Parameter wie Viskosität und Temperatur. Der Nutzer wählt gerade noch zwischen der Art der Milch, ob Kuh oder vielleicht Hafer. Das Ergebnis soll samtiger Schaum sein, ohne dass Nutzer sich mit literweise verschwendeter Milch am perfekten Ziehen und Rollen im Kännchen verausgabt haben.
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2700 Euro sollen Kaffeetrinker für die Maschine ausgeben. Die hauseigenen Röstungen mit blumigen Namen wie Glowing Beach, Roaring Volcano oder Calm Lake kosten zwischen 34 und 57 Euro pro Kilo. Wer vollständig die Fähigkeiten der Software für seine eigenen Bohnen nutzen möchte, kann dazu ein Abo abschließen und Röstprofile für die Lieblingsbohnen speichern.
„Community ist das Ziel“, sagt Maier. Jede Nutzung zahlt ein auf das Schwarmwissen der Next Level Coffee GmbH. „Die Maschine muss wirtschaftlich verkauft werden“, sagt Maier. Ein Modell, wie es andere Maschinen oder ganz andere Produkte verfolgen, bei dem das physische Ding günstig, die Nutzung aber einem geschlossenen Kreis vorbehalten bleibt, soll es nicht sein.
Warten auf die Serienreife
Wer den einzigen Knopf an der Maschine drückt, bekommt Kaffee, immer, ob mit Anbindung an die Cloud oder nicht. Nicht einmal die Steuerung per App erfordere zwingend die Verbindung zum Internet in jedem Moment.
Eigentlich, das ist den drei Gründern klar, wäre ein Vollautomat, der nichts weiter als einen Knopfdruck erfordere, die logische Konsequenz. Der Ruf der Vollautomaten sei jedoch nicht gut, die allerbeste Espressoqualität lieferten sie nicht, dafür fehlten einige Voraussetzungen, wie der Siebträger, den der Barista mit Erfahrung und die Nunc mit Nachrechnen richtig bedienten.
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Nicht umsonst verzichtet der Siebträger der Nunc auch auf die typischen Auslaufhähne. Das Sieb ist sichtbar, um die Bildung der Emulsion optisch verfolgen zu können.
Ist die Extraktion nicht perfekt, spritzt der Kaffee herum, etwas, das kaschiert wird, wenn der Auslauf montiert ist. Allgegenwärtigen Fehlern wie etwa Channelling, bei dem sich das Wasser die schwächste Stelle im Puck sucht und nicht alle Aromastoffe löst, kommt man mit offenem Siebträger schneller auf die Schliche.
Es ist ein Paket, das Kütemeyer, Maier und Unger mithilfe von Finanzinvestoren geschnürt haben. Bis zur Serienreife ist viel Zeit vergangen, noch immer warten Besteller der ersten Phase vor gut zwei Jahren auf ihre bereits angezahlten Maschinen.
In einem der längsten Threads auf kaffee-netz.de tauchen die ersten Berichte über Lieferverzögerungen 2024 auf. Erst Anfang 2026 postete ein Nutzer ein Foto aus seiner Küche, es dauerte bis Mai, bis das nächste Bild in einer heimischen Küche zu sehen ist.
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Der Zählstand steigt kontinuierlich: Aus jeder Nutzung lernt die Datenplattform dazu. Foto: Firlus
Und je mehr Nutzer es weltweit sind, je mehr Tassen Espresso zubereitet werden, desto mehr hat die Next Level Coffee GmbH aus Konstanz die Welt des Kaffees vermessen. Um 11.56 Uhr zeigt das Display 207 Bezüge mehr als um 9.26 Uhr.
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Next Level Coffee will likely face continued scrutiny regarding delivery timelines and customer satisfaction.
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Successful resolution of production and delivery issues could lead to significant market adoption due to the unique technology.
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Open Questions
- How will Next Level Coffee address the ongoing delivery delays and satisfy pre-order customers?
- What is the long-term strategy for scaling production and meeting demand?
- How will the company compete with established coffee machine manufacturers and the broader smart home appliance market?
- What are the specific details of the 'anybeans' program and its data privacy implications?





