NRW arbeitet an Waldbrandschutz: Infrastruktur, Spezialfahrzeuge und klimaresiliente Wälder
Quick Look
- Nach kleineren Waldbränden in Nordrhein-Westfalen arbeitet der Landesbetrieb "Wald und Holz" an einem Brandschutzkonzept, das Infrastruktur wie Wege und Löschteiche, Spezialfahrzeuge wie den Firefighter und den Umbau zu klimaresilienten Mischwäldern umfasst.
- Dabei wird die Zusammenarbeit zwischen Forst und Feuerwehr verbessert, während Privatwaldbesitzer auf wirtschaftliche Nachteile des Umbaus hinweisen.
AI-generated summary
Why It Matters
Im Jahr 2020 brannten bei Gummersbach 24 Hektar Wald, was als Weckruf für die Verbesserung des Waldbrandschutzes in Nordrhein-Westfalen diente. Daraufhin wurde ein Konzept erstellt, das Infrastruktur, Spezialfahrzeuge und den Umbau zu klimaresilienten Wäldern vorsieht.
Den Anstoß, ein NRW-Waldbrandkonzept zu erstellen, gab aber ein anderes, kleineres Feuer. 2020 brannten bei Gummersbach im Bergischen Land 24 Hektar Wald, nicht einmal ein Zehntel der jetzigen Brandfläche. „Das war damals ein Weckruf für uns“, sagt Hartwig Dolgner, der beim Landesbetrieb „Wald und Holz“ für die Waldbrand-Prävention zuständig ist. Wichtigste Erkenntnis, so Dolgner: „Dass wir eine Infrastruktur für den Ernstfall brauchen.“ Dazu gehörten einfache Dinge wie etwa ein Wegenetz, das von Löschfahrzeugen genutzt werden kann. Bäume müssten zurückgeschnitten, Löschteiche ertüchtigt und Plätze eingerichtet werden, an denen Wasser in große Bassins umgefüllt werden kann.
In Deutschland, so sagt Dolgner, könne man für eine solche Infrastruktur auf die jahrhundertealte Tradition einer intensiven Forstwirtschaft aufbauen. Man könne Wege nutzen, die für den Holztransport eingerichtet worden seien. „Und wir haben Kartenmaterial, in dem solche Transportschneisen eingezeichnet sind. Das ist im Fall eines Brandes Gold wert.“ Insgesamt sei diese Infrastruktur vier Jahre nach Erstellen des Konzepts in einem guten Zustand.
Doch damit sei es nicht getan. Wenn der Wald brenne, komme es auch darauf an, dass die Kommunikation zwischen Forstexperten und Feuerwehr funktioniere, sagt Dolgner. Er formuliert es so: „In der Krise muss man Köpfe kennen.“ Deswegen schule man sich gegenseitig. Wichtig seien dabei selbst scheinbar banale Details: „Wenn wir in einer Alarmsituation durchgeben, dass der Löschteich 800 Meter hinter einem Polter liegt, dann sollte die Feuerwehr wissen, dass wir einen Holzstapel als Polter bezeichnen.“
Doch auch in diesen Punkten sei man bereits weit fortgeschritten. Als Beispiel dafür, wie gut Feuerwehr und Forstleute zusammenarbeiten, nennt Dolgner den aktuellen Brand in Hürtgenwald. Kollegen des Landesbetriebs „Wald und Holz“ seien zur Beratung der Feuerwehr vor Ort gewesen.
Löschfahrzeug mit der Geländegängigkeit eines Rückezugs
Einer von ihnen war Maximilian Halbe, er leitet bei „Wald und Holz“ den für die Region Rureifel und Jülicher Börde bereitgestellten Maschinenbetrieb. Erst seit zwei Monaten gehört zu Halbes Fuhrpark auch ein Firefighter. Das ist eine Art Löschfahrzeug, das weniger einem Feuerwehrauto ähnlich sieht als vielmehr einem Rückezug – jenem monströsen Fahrzeug, mit dem Forstarbeiter normalerweise ganze Baumstämme abtransportieren. Doch der Firefighter schleppt kein Holz, sondern einen 10.000-Liter-Tank.
Gesteuert wird er von Forstpersonal, „denn wir Förster kennen uns mit den Rückegassen aus“, sagt Halbe. Rückegassen, das sind die Schneisen abseits der Wege, durch die kein Feuerwehrfahrzeug durchkommt. Bereits Anfang August habe der Firefighter seinen ersten Einsatz im Nationalpark Eifel gehabt. Und schon da habe man sehen können, „dass das eine sinnvolle Investition ist“, sagt Halbe. Nun im Hürtgenwald, wo das Gelände stark zerklüftet ist, habe sich das bestätigt. „Dieses Fahrzeug kam mit steilsten Abhängen klar.“
Zu diesem Einsatz wurde auch der erste NRW-Firefighter hinzugezogen, der bereits 2022 angeschafft wurde und normalerweise im Sauerland stationiert ist. Die Anschaffung weiterer Firefighter, Kosten: 130.000 Euro, sei derzeit zwar nicht geplant, teilt das NRW-Landwirtschaftsministerium auf Nachfrage von WELT AM SONNTAG mit. Denkbar sei aber, „Vereinbarungen mit selbstständigen Forst-Unternehmen zu treffen, ihre Rückefahrzeuge so auszustatten, dass auch diese die großen Wassertanks zum Einsatzgebiet fahren können“. Dies werde derzeit geprüft.
Kameraüberwachung, Infrastruktur, Spezialfahrzeuge – das ist das eine. Die andere Aufgabe, so sagt Forstexperte Hartwig Dolgner, sei es, „klimaresiliente Wälder“ zu schaffen. Weg von den Nadelbäumen, hin zu mehr Misch- und Laubwäldern. „Auch damit beugen wir Waldbränden vor. Laubwälder brennen nicht so schnell wie Nadelwälder.“ An diesem Thema arbeite der Landesbetrieb „Wald und Holz“ ohnehin schon seit Jahren. Denn Sturmschäden und das durch Hitzesommer und Borkenkäfer ausgelöste Fichtenwaldsterben der letzten Jahre machten ein Umdenken in der Forstwirtschaft notwendig.
Im Prinzip, sagt Eberhard Freiherr von Wrede, sei dagegen nichts einzuwenden. Von Wrede ist der Vorsitzende des Waldbauernverbandes NRW, er vertritt die Interessen von rund 150.000 privaten Waldbesitzern, denen rund 63 Prozent des NRW-Waldes gehören, fast zwei Drittel also. So viel wie in keinem anderen Bundesland. Wer also in NRW über Brandschutz und Waldumbau rede, der müsse über die Probleme der Privatwaldbesitzer reden, sagt von Wrede. Die Schäden der letzten Jahre hätten dazu geführt, „dass vielen der Spaß vergangen ist“. Wenn er nun höre, dass die Infrastruktur für den Brandschutz verbessert werden müsse, dann fragt er zurück: „Wie soll ich Wege pflegen, wenn ich im Wald nichts mehr verdiene?“ Und Geld bringen vor allem Nadelhölzer.
Von Wrede beklagt zudem eine „Diskontinuität“ in der Förderpolitik des Landes. Mal gebe es Zuschüsse für die Ertüchtigung von Wegen, mal nicht. In der jetzt so aufgeheizten Diskussion fehlen ihm außerdem die Hinweise darauf, dass der Umbau zu einem naturnahen Wald auch Risiken birgt. Totholz, das man im Hinblick auf die Artenvielfalt im Wald liegen lassen soll, erhöhe die Brandlast. Und verkrautete Kahlflächen, die man nach Borkenkäferbefall sich selbst überlassen habe, seien der beste Nährboden für die Ausbreitung von Feuer.
Von Wrede nennt noch einen Aspekt. „Wir wissen“, sagt er, „dass Waldbrände zu 99 Prozent durch Menschen verursacht werden.“ Die weggeworfene Zigarette, ein Feuerkorb hinterm Wohnmobil, mutwillige Brandstiftung – das seien meist die Ursachen. „Doch warum zieht die Politik nicht in Betracht, ab bestimmten Stufen der Waldbrandgefahr die Wege zu sperren?“ Das Landesforstgesetz mache ein solches Betretungsverbot möglich. „Doch die Politiker sprechen nicht darüber.“ Aus Sorge, sich unbeliebt zu machen.
What to Watch
AI outlook — possibilities, not facts
Die Zusammenarbeit zwischen Forst und Feuerwehr wird durch regelmäßige Schulungen weiter verbessert.
Very likely · Within months
Es wird geprüft, ob Vereinbarungen mit selbstständigen Forst-Unternehmen getroffen werden können, um deren Rückefahrzeuge für den Transport von Wassertanks auszurüsten.
Possible · Within months
Open Questions
- Wie hoch sind die Gesamtkosten für die vollständige Umsetzung des Waldbrandschutzkonzepts in NRW?
- Wann wird eine Entscheidung über die Anschaffung weiterer Firefighter-Fahrzeuge erwartet?
- Wie sollen die wirtschaftlichen Bedenken der Privatwaldbesitzer gegenüber dem Umbau zu Laubwäldern adressiert werden?

