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Öffnung der Straße von Hormus: Konjunkturbelebung möglich, aber Schäden bleiben
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Handelsblatt6/18/2026Business6 min readGermany

Öffnung der Straße von Hormus: Konjunkturbelebung möglich, aber Schäden bleiben

Quick Look

  • Die Öffnung der Straße von Hormus nach einem Friedensabkommen zwischen den USA und Iran könnte die Weltwirtschaft beleben.
  • Konjunkturprognosen deuten auf sinkende Energiepreise und leicht höheres Wachstum hin, doch die wirtschaftlichen Schäden der vergangenen Monate und "klebrige" Inflationserwartungen dämpfen die Aussichten.

AI-generated summary

Why It Matters

Ein Friedensabkommen zwischen den USA und Iran hat zur Öffnung der Straße von Hormus geführt, die monatelang die Weltwirtschaft belastete. Konjunkturprognosen bewerten die Auswirkungen.

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Die Öffnung der Straße von Hormus dürfte die Konjunktur beleben. Allerdings wiegen die wirtschaftlichen Schäden durch die vergangenen Monate schwer – und deren ärgste Folge steht noch aus. Julian Olk 18.06.2026 - 10:30 Uhr Artikel anhören

Containerschiffe in der Straße von Hormus: Der größte Stau der Weltwirtschaft könnte sich langsam auflösen. Foto: Uncredited/AP/dpa

Berlin. US-Präsident Donald Trump hat schon einmal die Richtung vorgegeben. „Schiffe in aller Welt, startet eure Motoren“, sagte er diese Woche anlässlich der Friedensgespräche zwischen den USA und Iran. In Versailles unterschrieb er in der Nacht zu Donnerstag das Rahmenabkommen zur Beendigung des Krieges. Verbunden mit der Einigung ist vor allem die Öffnung der Straße von Hormus.

Seit Monaten ist die wichtige Meerenge vor dem Iran kaum zu durchfahren, was erhebliche Schäden für die Weltwirtschaft bedeutet hat. Denn die Straße ist eine wichtige Schifffahrtsroute für Frachter, die Gas und vor allem Öl transportieren. Wenn die nun wieder problemlos durch die Straße von Hormus kommen, stellt sich die Frage: Ist damit auch der große Wirtschaftsaufschwung verbunden?

Die Antwort lautet: teilweise. Das zeigt der Blick in verschiedene Konjunkturprognosen. Die frischeste Ausgabe ist die des Ifo-Instituts, die am Donnerstag erschienen ist.

Der Ausgangspunkt: Langsame Entspannung

Die jüngsten Entwicklungen sind nur in Ansätzen in der Prognose enthalten. Darin gehen die Ökonominnen und Ökonomen davon aus, dass die Straße von Hormus „in den kommenden Wochen“ geöffnet wird. Das soll die Weltmarktpreise für Energie allmählich wieder sinken lassen.

Konjunkturprognosen arbeiten üblicherweise mit Notierungen auf Terminmärkten, um den weiteren Verlauf der Energiepreise abzuschätzen. Das Ifo-Institut geht anhand dessen davon aus, dass der Rohölpreis ab dem dritten Quartal 2026 wieder sinken und Ende 2027 bei etwas weniger als 80 US-Dollar liegen soll.

Konjunktur

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Für das Wirtschaftswachstum würde das bedeuten, dass das globale Bruttoinlandsprodukt (BIP) im laufenden Jahr um 2,2 Prozent und im kommenden Jahr um 2,4 Prozent wächst.

Für die deutsche Wirtschaft taxiert das Ifo das BIP-Plus auf 0,8 Prozent sowohl im laufenden als auch im kommenden Jahr. Das ist besser als bei der vorherigen Konjunkturprognose im Frühjahr – allerdings nur um 0,2 Prozentpunkte für das Jahr 2026. Für 2027 ist die Prognose gleich geblieben.

Die Hoffnung: Stärker sinkende Energiepreise

Darin sind aber eben nicht die jüngsten Entwicklungen berücksichtigt. Die haben dafür gesorgt, dass die Entwicklung der Energiepreise laut den Terminmärkten noch positiver ausfällt als die Daten, mit denen das Ifo-Institut seine Prognose gemacht hatte.

Iran-USA-Abkommen

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Die Ökonominnen und Ökonomen schrieben jedoch, dass die Märkte auf ein „schnelleres Sinken der Energiepreise“ hindeuten würden. Daraus folgt: „Dann dürfte auch die Inflationsrate schneller zurückgehen und das Wachstum höher ausfallen.“ In der Ifo-Prognose ist das aber keine Annahme, die der Berechnung zugrunde liegen kann.

Das Problem: Inflation kommt leichter, als sie geht

Es ist aber auch nicht damit zu rechnen, dass sich daraus ein erheblicher Aufschwung ergibt. Denn die Folgen des Irankriegs werden auch bei einer Beilegung in den nächsten Monaten noch spürbar bleiben. Das hat vor allem mit der Entwicklung der Inflation zu tun.

Das Ifo-Institut geht davon aus, dass die globale Inflationsrate bei 3,5 Prozent im laufenden Jahr und bei 2,9 Prozent im kommenden Jahr liegt. Für Deutschland gehen die Forscherinnen und Forscher von 3,1 Prozent und 2,9 Prozent aus.

Die Öffnung der Straße von Hormus würde sicherlich dafür sorgen, dass diese Zahlen noch etwas niedriger ausfallen und dadurch das Wachstum etwas höher. Aber dass das Inflationsproblem gebannt wäre, wird mit ziemlicher Sicherheit nicht der Fall sein. Dafür gibt es drei Gründe:

Zeitverzug: Bis höhere Energiepreise tatsächlich bei den Verbrauchern ankommen, dauert es. Sie werden oft erst schrittweise weitergegeben, weil viele Energieanbieter Strom, Gas oder Brennstoffe über langfristige Verträge und zu vorher festgelegten Preisen einkaufen. Außerdem passen Unternehmen ihre Verkaufspreise meist nur in bestimmten Abständen an, um Preisschwankungen zu mindern und Aufwand zu sparen. Das betrifft dann auch die Wirtschaft selbst, indem sich Vorprodukte auch noch über längere Zeit verteuern.

Geldpolitik: Die Europäische Zentralbank (EZB) hat gerade erst den Leitzins angehoben, um der aufkommenden Inflation Einhalt zu gebieten. Ein höherer Leitzins allerdings schränkt das Kreditgeschäft und damit die Investitionstätigkeit von Unternehmen ein. Und die Folgen höherer Zinsen zeigen sich oft erst mit Monaten Verzug.

„Klebrige“ Inflationserwartungen: Dass die privaten Haushalte mit ihrem Konsum den großen Aufschwung erzeugen, ist außerdem deshalb unwahrscheinlich, weil ihre Inflationserwartungen „klebrig“ sind. Das heißt: Während die Menschen bei steigenden Preisen ihre Inflationserwartungen schnell nach oben anpassen, tun sie das bei sinkenden Preisen umgekehrt nicht so schnell.

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IranEZBUSAInflationKonjunkturEuropäische Union

Die Gefahr: Ungewissheit

Die Forschung zeigt, dass die Haushalte Sorge haben, die Inflation geht schwächer zurück als erhofft. Daher fahren sie ihren Konsum erst gar nicht so sehr hoch, um der Gefahr zu entgehen, ihn wieder einschränken zu müssen.

Die „klebrigen“ Inflationserwartungen sind besonders dann ein Problem, wenn die politische Lage besonders unklar ist. Der Iran und die USA mögen grundsätzlich eine Friedensübereinkunft beschlossen haben.

Ob diese tatsächlich zur dauerhaften Öffnung der Straße von Hormus führt, ist nicht final abzusehen – genauso wenig, ob und wie lang der Frieden hält.

Mehr: Diese Nadelöhre des Handels bleiben für Deutschland kritisch

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What to Watch

AI outlook — possibilities, not facts

  • Rohölpreis sinkt bis Ende 2027 auf unter 80 USD.

    Likely · Within years

  • Globale Inflation sinkt schneller als bisher angenommen.

    Possible · Within months

Open Questions

  • Hält der Frieden zwischen USA und Iran dauerhaft?
  • Wie schnell sinkt die Inflation tatsächlich?
  • Wie stark beeinflusst die EZB-Zinspolitik das Wachstum?

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This article was originally published by Handelsblatt.

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