Ölpreise steigen nach Trump-Äußerungen und Angriffen im Persischen Golf
Quick Look
- Der Ölpreis der Sorte Brent stieg über 80 Dollar, nachdem Trump das Iran-Abkommen für hinfällig erklärte.
- Der Verkehr durch die Straße von Hormus ist stark eingeschränkt.
- Händler, die auf fallende Preise gewettet hatten, könnten gezwungen sein, ihre Positionen zurückzukaufen, was den Preis weiter treibt.
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Why It Matters
Der Ölpreis der Sorte Brent stieg zeitweise über 80 Dollar pro Barrel, nachdem US-Präsident Donald Trump das Friedensabkommen zwischen den USA und dem Iran für hinfällig erklärt hatte. Der Verkehr durch die Straße von Hormus ist stark eingeschränkt.
Frankfurt. Am Ölmarkt bleibt die Lage angespannt. Der Preis der Rohölsorte Brent (Lieferung zu September) ist am Mittwoch zeitweise wieder über 80 Dollar pro Barrel gestiegen, nachdem US-Präsident Donald Trump das Friedensabkommen zwischen den USA und dem Iran für hinfällig erklärt hatte.
„Die Möglichkeit, dass der nächste Schritt eine Deeskalation sein könnte, verhindert derzeit, dass die Ölpreise deutlich weiter steigen“, sagt Tim Waterer, Chef-Marktanalyst bei KCM Trade, gegenüber Reuters.
Doch der Verkehr durch die Straße von Hormus ist bereits jetzt wieder nahezu zum Erliegen gekommen. Am Mittwoch passierten laut Bloomberg 14 Tanker die Meerenge in beide Richtungen, in den drei Wochen zuvor lag der Durchschnittswert bei 34. Am Donnerstagmorgen fuhren bisher nur zwei größere Schiffe durch die Seestraße.
Bevor der Iran in der Nacht zum Dienstag zwei Tanker in der Meerenge attackierte, hatte der Ölmarkt begonnen, sich zu erholen. Die Öltransporte durch die Straße von Hormus hatten wieder die Hälfte des Vorkriegsniveaus erreicht, etwa zehn Millionen Barrel Öl pro Tag. Analysten, etwa von Goldman Sachs und UBS, prognostizierten ein Überangebot spätestens zum Ende des Jahres.
Experten sprachen von einem Ketchup-Effekt: Große Mengen Öl, die zuvor in der Golfregion feststeckten, gelangten gleichzeitig auf den Markt, der diese gar nicht absorbieren konnte. Der Ölpreis gab stark nach, allein im Juni um mehr als ein Fünftel.
Viele Händler hatten sich in den vergangenen drei Wochen daher auf den Terminmärkten short positioniert, also auf fallende Preise gewettet. Bei solchen Short-Spekulationen leihen sich Investoren Vermögenswerte wie in diesem Fall Öl und verkaufen sie in der Erwartung, sie vor dem Rückgabetermin günstiger zurückkaufen zu können. Geht das Kalkül auf, ergibt die Differenz zwischen Verkaufs- und Kaufpreis den Gewinn – abzüglich einer kleinen Leihgebühr.
Doch das Kalkül könnte nicht aufgehen: Wenn der Ölpreis weiter steigt, könnten die Investoren gezwungen sein, ihre Positionen zurückzukaufen. Das würde den Preis weiter treiben.
Ebenfalls könnte der Ölpreis steigen, wenn er bestimmte Marken, etwa 80 oder 85 Dollar pro Barrel, überschreitet. Auf diesen Preisniveaus liegen besonders viele Optionen.
Eine Option ist vereinfacht gesagt eine Wette darauf, dass der Preis bis zu einem bestimmten Zeitpunkt über oder unter einem festgelegten Wert liegt. Call-Optionen geben Investoren das Recht, aber nicht die Pflicht, Öl zu einem festgelegten Preis in der Zukunft zu kaufen. Bei Put-Optionen ist es andersherum.
Laut Bloomberg liegen bei der Marke von 80 Dollar pro Barrel mehr als 50.000 Kauf- und Verkaufsoptionen, weitere 75.000 Kontrakte befinden sich bei einem Ausübungspreis von 85 US-Dollar. Diese ausstehenden Optionspositionen können Kursbewegungen verstärken.
Der Ölpreis könnte in den kommenden Tagen also stark schwanken. Zudem dürfte sich die Erholung, die vor einer Woche noch prognostiziert wurde, nun verzögern.
Davor warnen die Analysten von Goldman Sachs in einer Notiz: „Die Ölproduzenten im Nahen Osten haben im vergangenen Monat zwar damit begonnen, stillgelegte Förderquellen schrittweise wieder in Betrieb zu nehmen. Störungen in der Straße von Hormus könnten diese Erholung jedoch verlangsamen“, schreiben sie.
Sollten die Friedensverhandlungen fortgesetzt werden, könnten sich die Lieferungen zwar bis Ende Juli wieder normalisieren, so die Experten. Würden die Gespräche jedoch scheitern, könnten die Liefermengen weiter sinken.
Gerade hatten die Golfstaaten damit begonnen, ihre Produktion hochzufahren. So hatte Saudi-Arabien sein Exportterminal Ras Tanura wieder geöffnet, um seine Ölausfuhren zu steigern. Nun stößt das Königreich aber wegen der neuen Eskalation auf Zurückhaltung bei den Abnehmern, wie Bloomberg berichtet.
What to Watch
AI outlook — possibilities, not facts
Ölpreis könnte weiter steigen, wenn bestimmte Marken überschritten werden.
Possible · Within days
Lieferungen könnten sich bis Ende Juli normalisieren, wenn Friedensverhandlungen fortgesetzt werden.
Possible · Within weeks
Open Questions
- Wie werden die Iran-Verhandlungen weitergehen?
- Wird es weitere Angriffe auf Tanker geben?
- Wie reagieren die Ölproduzenten im Nahen Osten?





