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Proxima Fusion sammelt 411 Millionen Euro ein – größter Deal für Europas Fusionsbranche
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Handelsblatt5d agoBusiness6 min readGermany

Proxima Fusion sammelt 411 Millionen Euro ein – größter Deal für Europas Fusionsbranche

Quick Look

  • Das Münchner Start-up Proxima Fusion hat in seiner jüngsten Finanzierungsrunde 411 Millionen Euro eingesammelt und damit einen neuen Rekord für Europa aufgestellt.
  • Das Unternehmen wird damit zum ersten Einhorn der Fusionsbranche mit einer Bewertung von knapp 2,4 Milliarden Euro.
  • Auch der deutsche Energiekonzern RWE steigt als Investor ein.

AI-generated summary

Why It Matters

Proxima Fusion aus München hat in einer neuen Finanzierungsrunde 411 Millionen Euro eingesammelt, was die größte Summe für ein Fusionsenergie-Start-up in Europa darstellt. Das Unternehmen wird damit zum ersten Einhorn der Branche.

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Düsseldorf. Es ist die größte Summe, die ein Start-up für Fusionsenergie in Europa jemals eingesammelt hat: Proxima Fusion aus München verkündet am Dienstag eine neue Finanzierungsrunde über 411 Millionen Euro.

Damit wird die Firma das erste Einhorn der Fusions-Branche, ein Start-up mit Milliardenbewertung: Künftig ist Proxima knapp 2,4 Milliarden Euro wert. Gelingt das Vorhaben, könnte die Technologie des Unternehmens die Energiebranche revolutionieren.

Mitgründer und Chef Francesco Sciortino sagt dem Handelsblatt über die Finanzierungsrunde: „Damit ist klar: Für große Zukunftsprojekte lässt sich Kapital längst nicht mehr nur in den USA mobilisieren – auch Europa kann das.“ Die Investoren hätten ein starkes Signal gesetzt und gezeigt, dass sie nicht nur an die Forschung Europas glauben, „sondern auch an unsere Fähigkeit, daraus weltweit wettbewerbsfähige Industrieunternehmen aufzubauen“.

Insgesamt beteiligten sich an der Runde überdurchschnittlich viele Investoren, wohl auch, um das weiterhin mit der Technologie verbundene Risiko zu streuen.

Auch der deutsche Energiekonzern RWE steigt nach Handelsblatt-Informationen mit rund 25 Millionen Euro als Investor ein. Angeführt wird die Finanzierungsrunde vom Finanzarm des Londoner Handelsplatzes XTX Markets, XTX Ventures, sowie dem auf Rohstoffinvestitionen spezialisierten Risikokapitalgeber East X Ventures.

Neben dem hessischen Skion, der staatlichen KfW Capital und Burdas Finanzarm ist zudem auch die Bundesagentur für Sprunginnovationen, Sprind, beteiligt.

„Das jetzt in Proxima und andere deutsche Fusions-Start-ups investierte Kapital unterstreicht glaubwürdig die Ambition von Staat und Industrie, nicht nur das erste Fusionskraftwerk der Welt in Deutschland zu bauen, sondern dabei auch neuartige Spitzentechnologien zum Beispiel im Bereich von Magneten, Lasern und neuen Materialien zu entwickeln“, sagte Sprind-Direktor Rafael Laguna.

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Bestandsinvestoren wie Plural und der Londoner Investor Balderton beteiligten sich genauso an der Runde wie Cherry Ventures aus Berlin, DTCF aus Hamburg, Leitmotif sowie Redalpine.

Ebenfalls erneut dabei war UVC-Partners aus München, das bereits die erste Finanzierungsrunde von Proxima vor drei Jahren mitgestemmt hatte. Damals waren noch wenige Investoren bereit, Kapital in Fusionstechnologie zu stecken.

Das wandele sich nun. UVC-Partner Benjamin Erhart sagt: „Mit jedem weiteren Proofpoint – ob Magnetdemonstration oder Baufortschritt bei Alpha – wird für den Kapitalmarkt sichtbarer, was wir schon 2023 erkannt haben.“ Fusionstechnologie entwickle sich zu einer der größten industriellen Chancen. Proxima positioniere sich als das Unternehmen, das sie in Europa heben könne.

Investitionen in Fusionsenergie steigen rasant

Mit Google als strategischem Investor ist außerdem ein potenzieller Kunde an Bord. Bei Proximas Wettbewerber Commonwealth Fusion Systems (CFS) aus den USA unterzeichnete Google im vergangenen Jahr bereits einen Stromabnahmevertrag. Allerdings: Noch gibt es weltweit kein einziges Fusionskraftwerk.

Seit Jahrzehnten versuchen Wissenschaftler, das Prinzip der Sonnenenergie auf die Erde zu übertragen. Sprich: Atomkerne zum Verschmelzen zu bringen, um dabei enorme Mengen an Energie freizusetzen.

Gelingt die Kernfusion, bedeute das eine nahezu unerschöpfliche, saubere Energiequelle – ohne nennenswerten radioaktiven Abfall oder das Risiko einer Kernschmelze. Ein Durchbruch der Technologie würde die Debatte um Klimaschutz, Energiepreise und Versorgungssicherheit grundlegend verändern.

Vor vier Jahren verschafften Forscher der National Ignition Facility (NIF) aus den USA der Technologie einen ersten Durchbruch. Erstmals erzeugten eine Fusion mehr Energie, als sie verbrauchte. Seitdem ist der Wettbewerb um das erste Kraftwerk eröffnet. Und die Investitionen steigen rasant.

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Wann kommt der Durchbruch bei der Fusionsenergie?

10.02.2026 Abspielen 39:03

Laut der globalen Fusion Industry Association (FIA) hat sich die Summe der Investitionen innerhalb von vier Jahren fast vervierfacht. 2025 flossen insgesamt 2,6 Milliarden Dollar in mehr als 50 Kernfusionsunternehmen weltweit. Das meiste Geld geht zwar an Start-ups aus den USA. Aber Deutschland holt auf.

Die Regierung unter Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) hat es sich zur Aufgabe gemacht, das erste Fusionskraftwerk der Welt nach Deutschland zu holen.

Die deutsche Regierung hat in den vergangenen Jahren vieles richtig gemacht. Francesco SciortinoProxima-Mitgründer

Mit der Hightech-Agenda plant das Forschungsministerium die Förderung von drei Innovationszentren, sogenannten Hubs. Zwei dieser Hubs werden sich auf die Entwicklung der unterschiedlichen Antriebstechnologien – Magnet- und Laserfusion – konzentrieren. Ein drittes Cluster soll die Entwicklung des Brennstoffkreislaufs und neuer Materialien vorantreiben. Einer dieser Hubs ist in Garching bei München geplant, einer im hessischen Biblis, einer womöglich in Karlsruhe.

Proximas Mitgründer Sciortino sagt: „Die deutsche Regierung hat in den vergangenen Jahren vieles richtig gemacht. Das ist eine große Chance für das Land und für Europa.“

Die Fertigung für den Magneten ist schon in vollem Gange. Foto: Proxima Fusion

Für den Bau der Demonstrationsanlage „Alpha“ kalkuliert Proxima mit zwei Milliarden Euro. 400 Millionen kämen demnach vom Bundesland Bayern, in dem die Anlage gebaut werden könnte, weitere 400 Millionen über Investoren. „Wir haben unseren Part jetzt erfüllt“, sagt Sciortino.

Aus Berlin müssten die restlichen 1,2 Milliarden Euro kommen. Perspektivisch will das Bundesforschungsministerium 3,5 Milliarden Euro in Forschung und Infrastruktur für ein erstes Fusionskraftwerk investieren. Aufgeteilt auf die vier führenden Unternehmen in Deutschland wird das allerdings nicht reichen.

„Das Gießkannenprinzip können wir uns in der Fusion nicht leisten. Das wird so nicht funktionieren“, sagt Sciortino. Jetzt käme es darauf an, die verfügbaren Mittel auf die Projekte zu konzentrieren, die den größten Hebel für Deutschlands und Europas Technologieführerschaft haben. „Im internationalen Wettbewerb entscheidet nicht die Anzahl der geförderten Projekte, sondern ob es gelingt, globale Champions aufzubauen“, sagt der Physiker.

In Deutschland konkurrieren maßgeblich vier Fusionsunternehmen miteinander. Neben Gauss Fusion, das wie Proxima ebenfalls an der Magnetfusion arbeitet, haben sich Marvel Fusion und Focused Energy auf die Lasertechnologie spezialisiert.

Erst im Mai hatte Focused Energy unter Mitgründer und Chef Markus Roth in seiner jüngsten Finanzierungsrunde 240 Millionen US-Dollar eingesammelt. 60 Millionen stammten dabei von RWE. Insgesamt haben die Essener damit schon 70 Millionen in das Fusionsunternehmen investiert. Auch Focused Energy plant den Bau seines ersten Kraftwerks in Deutschland.

Visualisiertes Laserfusionskraftwerk: Focused Energy in Biblis. Foto: Focused Energy

Welche der beiden Technologien sich durchsetzt, ist offen. Sie fußen auf unterschiedlichen Ansätzen.

Die Laserfusion setzt auf das Erhitzen von Tritium und Deuterium durch Laser. Die Energie komprimiert das Material so stark, dass Temperaturen von mehreren Millionen Grad Celsius erreicht werden. Unter diesen Bedingungen überwinden die Wasserstoffkerne ihre gegenseitige Abstoßung (Coulomb-Barriere) und verschmelzen zu Helium. Dabei werden große Energiemengen in Form von Wärme und Neutronen freigesetzt. Allerdings fehlen bislang die nötigen Laser, um diese Pläne im industriellen Maßstab umzusetzen.

Bei der Magnetfusion werden Wasserstoffkerne so stark erhitzt, dass sie verschmelzen und dabei Energie freisetzen. Das extrem heiße Plasma wird dabei von Hochleistungsmagneten in der Schwebe gehalten, sodass es die Wände des Reaktors nicht berührt. Die würden aufgrund der Hitze sofort schmelzen. Hier ist die größte Herausforderung, Magnete im benötigten Maßstab zu bauen.

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Proxima will dies bis 2027 erreichen. „Der Stellarator Model Coil ist schon in der Fertigung. Es ist ein laufender Prozess, an dem wir ständig arbeiten. Und es ist einer der Schlüssel zu einem funktionierenden Fusionskraftwerk“, sagt Sciortino.

Ungewiss ist jedoch, wann ein erstes kommerzielles Fusionskraftwerk wirklich entstehen könnte. Manche rechnen, wenn überhaupt, nicht vor 2050 damit. Die Akademie für Technikwissenschaften (Acatech) weist auf besonders kritische Engpässe hin: unter anderem die Entwicklung von Hochtemperaturöfen, in denen das für die Fusion als Brennstoff erforderliche Tritium entsteht, sowie die Skalierung der Komponentenfertigung. Das Material muss einer Temperatur von mehr als 100 Millionen Grad Celsius standhalten.

Mehr: Der Traum vom ersten Fusionskraftwerk – Bayern will kräftig investieren

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What to Watch

AI outlook — possibilities, not facts

  • Proxima Fusion wird bis 2027 die Fertigung des Stellarator Model Coil abschließen.

    Likely · Within months

Open Questions

  • Wann wird das erste kommerzielle Fusionskraftwerk in Betrieb gehen?
  • Welche Technologie (Magnet- oder Laserfusion) wird sich durchsetzen?
  • Wie wird die staatliche Förderung auf die führenden Unternehmen verteilt?

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This article was originally published by Handelsblatt.

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