Richter beendet Prozess gegen Lindsay Clancy ergebnislos – Geschworener blockiert Freispruch
Quick Look
- Der Prozess gegen Lindsay Clancy, die die Tötung ihrer drei Kinder in Duxbury gestanden hat, endete ergebnislos, nachdem ein Geschworener die Zustimmung zum Freispruch verweigerte.
- Der Richter erklärte den Fall zum Mistrial.
- Clancy bleibt in psychiatrischer Behandlung, während der Staatsanwalt über einen neuen Prozess nachdenkt.
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Why It Matters
Lindsay Clancy gab zu, ihre drei Kinder im Keller ihres Hauses in Duxbury erwürgt zu haben, nachdem sie unter schweren postpartalen psychischen Problemen litt und sich die Adern aufgeschnitten hatte. Ihr Ehemann fand die Szene und wurde zum ersten Zeugen. Die Verteidigung argumentierte, sie sei aufgrund einer psychischen Störung nicht schuldfähig gewesen.
Am Freitag beendete der Richter William Sullivan den Prozess in Plymouth ergebnislos. Die Jury sei „deadlocked“, sie befinde sich in einer Pattsituation, sagte er und erklärte das Verfahren zum „mistrial“, also für ungültig. Es war der siebte und letzte Tag der finalen Beratungen. Fast 40 Stunden lang hatte das Gremium mit sich gerungen, nach Monaten von Ermittlungen, Gutachten, Zeugenbefragungen und Plädoyers. Doch ein einziger Geschworener war von der Unschuld der Angeklagten nicht überzeugt. Das genügte für den Abbruch.
Entlastet vom Ex-Mann und Vater der Kinder
So gibt es in diesem Fall bis auf Weiteres kein Urteil, dabei gab es an der Tat an sich nie einen Zweifel. Lindsay Clancy hat es zugegeben. Die damals 33-jährige Mutter tötete im Keller des Hauses der Familie in Duxbury ihre Tochter Cora und ihre zwei Söhne Dawson und Callan, fünf Jahre, drei Jahre und acht Monate alt. Danach schlitzte sie sich Adern auf und stürzte sich in einem Obergeschoss aus dem Fenster. Seitdem sitzt die Amerikanerin im Rollstuhl.
Ihr damaliger Mann fand die toten Kinder und seine verletzte Frau, als er von Besorgungen zurückkam. Patrick Clancy, inzwischen ist das Ehepaar geschieden, war auch der erste Zeuge. Er setzte sich für einen Freispruch der Angeklagten an. Lindsay Clancy, von Beruf Krankenschwester, hatte nach der Geburt ihres jüngsten Sohnes offenbar schwere psychische Probleme und ließ sich zwischenzeitlich ins Krankenhaus einweisen.
Die Psychopharmaka hätten ihren Zustand noch erheblich verschlechtert, heißt es. Von inneren Stimmen war die Rede. Lindsay Clancy hat Zivilklage gegen Gesundheitsversorger eingereicht, ihre Causa wurde auch zur Abrechnung mit dem amerikanischen Gesundheitssystem und dem Umgang mit dramatischen Begleitumständen von Geburten. Nach Ansicht ihrer Ankläger hat Lindsay Clancy trotzdem „absichtlich, rational und zügig“ gehandelt, als sie die Kinder während der kurzen Abwesenheit ihres Mannes mit einem Gymnastikband erwürgte. Psychiater kamen zu unterschiedlichen Einschätzungen.
Einer verweigert sich – trotz Zweifeln
Im Netz wurde live übertragen, der Fall geriet zum öffentlichen Spektakel. Das Internet ist voll von Kommentaren aller Art, tendenziell teilen sich die Lager in liberale Unterstützer und konservative Gegner von Lindsay Clancy auf. Für die einen ist sie Täterin, für die anderen Opfer. Elf Geschworene allerdings sind wie ihre Anwälte der Meinung, dass sie in jenen Momenten nicht Herrin ihrer Sinne war und deshalb einen Freispruch verdient hat. In Massachusetts darf niemand strafrechtlich zur Rechenschaft gezogen werden, wenn eine psychische Erkrankung oder Störung nachgewiesen wird.
Nur hätte die Entscheidung einstimmig sein müssen, es fehlte die Zustimmung des zwölften Geschworenen. Die Verteidigung forderte schließlich, den Verweigerer („holdout“) abzuziehen. Der Anwalt Kevin Reddington, wandte sich sogar mit einem Eilantrag an den Obersten Gerichtshof von Massachusetts. Er wies auch darauf hin, dass dieser Geschworene doch selbst Zweifel an der Schuld von Lindsay Clancy geäußert habe. Aber der Richter Sullivan entschied sich dafür, die Verhandlung abzubrechen.
Lindsay Clancy bleibt in der Psychatrie
Und jetzt? Der Staatsanwalt Timothy Cruz hatte den schwersten Vorwurf gewählt: dreifacher Mord. Das hätte für Lindsay Clancy lebenslange Haft bedeutet, Kritiker werfen den Strafverfolgern reflexartige Härte vor. „Unsere Priorität war es schon immer, für Cora, für Dawson und für Callan zu kämpfen“, sagte Cruz. Er muss sehen, ob er einen neuen Prozess anstrebt.
Lindsay Clancy wird in das Tewksbury Hospital zurückkehren, eine staatliche psychiatrische Klinik, wie US-Medien berichten. Sie wäre voraussichtlich auch in einem Hospital geblieben, wenn sie freigesprochen worden wäre. Laut New York Times geht es außer um die Behandlung möglicher Suizidgedanken oder einer bipolaren Störung, sondern auch darum, mit der Tötung ihrer Kinder fertig zu werden und eine Rückkehr in die Gesellschaft vorzubereiten.
„Viele dieser Frauen hätten keine nennenswerte psychiatrische Vorgeschichte und würden dann schnell und schwer erkranken“, zitiert die Zeitung die Psychiaterin Nicole H. Cirino von der gemeinnützigen Organisation „Postpartum Support International“, eine Spezialistin für postpartalen Psychosen. „Das zu verarbeiten und darüber nachzudenken, wie es weitergehen soll – insbesondere wenn rechtliche Schritte eingeleitet wurden –, ist wirklich eine sehr komplizierte Angelegenheit, die einige Zeit in Anspruch nimmt.“
Lindsay Clancys Helfer sind enttäuscht von der juristischen Unklarheit. Ein widerspenstiger Geschworener habe allen „sieben Wochen geraubt“, sagte der Anwalt Reddington. „Ich hoffe, dieser Typ kann nachts ruhig schlafen.“ Lindsay Clancy sei „sehr stark“ und „sehr intelligent“, aber „ihr Leben ist eine Tragödie.“
What to Watch
AI outlook — possibilities, not facts
Der Staatsanwalt Timothy Cruz wird einen neuen Prozess gegen Lindsay Clancy anstreben.
Likely · Within months
Lindsay Clancy wird weiterhin in der psychiatrischen Behandlung im Tewksbury Hospital bleiben.
Very likely · Within months
Open Questions
- Wird der Staatsanwalt einen neuen Prozess anstreben?
- Wie wird die psychiatrische Behandlung von Lindsay Clancy weitergehen?
- Welche rechtlichen Konsequenzen könnte ein neuer Prozess haben?
- Wie wird die öffentliche Debatte über postpartale Psychosen und Strafbarkeit weitergehen?

