Robo-Advisor übertreffen 2025 den breiten Aktienmarkt – Gold als Treiber
Quick Look
- Digitale Vermögensverwalter (Robo-Advisor) erzielten 2025 teils zweistellige Renditen und schlugen damit den globalen Aktienindex MSCI ACWI.
- Offensive Strategien erreichten durchschnittlich 10,2 Prozent, getrieben u.a. durch Goldinvestitionen.
- Die Lösungen eignen sich besonders für "Delegierer" und "Selbstdisziplinierer".
AI-generated summary
Why It Matters
Digitale Vermögensverwalter (Robo-Advisor) stellen automatisiert Portfolios zusammen. Eine Auswertung von Fondsconsult vergleicht deren Renditen 2025 mit dem breiten Aktienmarkt.
Digitale Vermögensverwalter haben im vergangenen Jahr mit ihren Produkten den breiten Aktienmarkt teils deutlich geschlagen. So kamen sogenannte Robo-Advisor mit offensiven Strategien, die vollständig in Aktien investieren dürfen und keinen Nachhaltigkeitsschwerpunkt setzen, 2025 vor Gebühren auf eine durchschnittliche Rendite von 10,2 Prozent.
Das zeigt eine jährliche Auswertung des Beraterhauses Fondsconsult, die dem Handelsblatt exklusiv vorab vorliegt. Zum Vergleich: Der globale Aktienindex MSCI All Country World (ACWI) erzielte 2025 – ebenfalls in Euro gerechnet – eine Rendite von 7,9 Prozent.
In einem insgesamt guten Aktienjahr haben viele Robo-Advisor 2025 unter anderem vom Goldanteil in ihren Portfolios profitiert. Das Handelsblatt zeigt, welche Angebote sich laut Fondsconsult in den vergangenen Jahren besonders gut entwickelt haben – und von welchem Markttrend Anlegerinnen und Anleger profitieren.
Robo-Advisor sind digitale Vermögensverwalter, die basierend auf Kundenwünschen automatisiert individuelle Portfolios zusammenstellen. Investiert wird etwa in börsengehandelte Fonds (ETFs), klassische Investmentfonds oder Einzeltitel. Die Plattform ExtraETF schätzt, dass Robo-Advisor in Deutschland zuletzt mehr als 128 Milliarden Euro verwalteten.
Geeignet für zwei Anlegertypen
Fondsconsult hat gut zwei Dutzend in Deutschland verfügbare Strategien von 17 Anbietern ausgewertet. Weil die Berater auf die Auskunft der Anbieter angewiesen sind, enthält die Auswertung nicht alle verfügbaren Robo-Advisor. Die Studie dürfte dennoch einen Großteil des Marktes abdecken: Mit Raisin, Scalable Capital, Growney und Visualvest sind die laut ExtraETF größten Anbieter auch bei Fondsconsult enthalten.
Geldanlage
KI soll die Rendite steigern – was schaffen die neuen Quant-Fonds wirklich?
Laut Andreas Hackethal, Professor für Finanzen an der Frankfurter Goethe-Universität, ist für Anleger entscheidend, ob sie den Preis der Angebote für gerechtfertigt halten. Die Verwaltungsgebühren von deutschen Robos betrugen laut Fondsconsult zuletzt durchschnittlich etwas mehr als 0,7 Prozent. Dazu kommen noch Produktkosten.
Hackethal saß einst im Aufsichtsrat des Robo-Anbieters Vaamo, der inzwischen nicht mehr auf dem deutschen Markt vertreten ist. Er nennt zwei Anlegergruppen, für die sich die Strategien prinzipiell eignen können.
Zum einen seien das „Delegierer“, die sich aus Zeitersparnis oder Bequemlichkeit nicht tiefer mit ihrem Portfolio beschäftigen wollten.
Zum anderen „Selbstdisziplinierer“, die nach einer einfachen Struktur suchten, die sie auch in Krisenphasen nicht zum Verkauf drängt.
Fondsconsult unterscheidet zwischen Strategien mit und ohne Nachhaltigkeitsschwerpunkt. Zudem werden die Ansätze in vier Risikoklassen unterteilt: von einem defensiven Portfolio mit maximal 40 Prozent Aktien und einem hohen Anleiheanteil bis hin zu offensiven Strategien, die vollständig in Aktien investieren können. Renditen werden vor Verwaltungsgebühren ausgewiesen.
Deutliche Renditeunterschiede
Welche Renditen mit Robos im vergangenen Jahr möglich waren, zeigen beispielhaft die Strategien mit maximaler Aktienquote.
Die höchste Jahresrendite unter den untersuchten offensiven Portfolios erzielte 2025 der Anbieter Ginmon. Die konventionelle Strategie des ETF-basierten Anbieters gewann im vergangenen Jahr 14,3 Prozent an Wert. Dahinter folgen eine offensive Strategie von Minveo und ein Portfolio mit Nachhaltigkeitsschwerpunkt des Commerzbank-Robos Cominvest.
Viele Robo-Strategien dürften im vergangenen Jahr unter anderem von ihrer Goldposition profitiert haben. Der Preis für das Edelmetall ist 2025 um 45 Prozent gestiegen. Fondsconsult-Analyst Maximilian Wellner sagt: „Manche Robo-Advisor hatten bis zu 20 Prozent ihres Portfolios in Gold investiert. Das hat im vergangenen Jahr natürlich die Performance getrieben.“
So nennt etwa Minveo auf Anfrage Gold als den stärksten einzelnen Renditetreiber für das offensive Portfolio. Zudem habe die Strategie von Momentum-Aktien und einer alternativen Ländergewichtung profitiert.
Die Renditen der einzelnen Strategien fallen aber sehr unterschiedlich aus. So kam etwa das schwächste offensive Portfolio 2025 auf eine Rendite von nur 0,7 Prozent.
Ranking 2026
Stabil in unruhigen Zeiten: Das sind die besten gemanagten Fondsangebote des Jahres
Über einen Zeitraum von drei Jahren gelang es laut der Auswertung zudem weder konventionellen noch nachhaltigen offensiven Strategien, im Durchschnitt den breiten Aktienmarkt zu schlagen. Nachhaltige Robo-Strategien erzielten im vergangenen Jahr in allen Risikostufen weniger Rendite als vergleichbare konventionelle Strategien.
Das sind die Robos mit der besten Bewertung
Für eine Gesamtbewertung hat Fondsconsult die Renditen der Robo-Strategien vor Verwaltungskosten in den Jahren 2023 bis 2025 ausgewertet. Zudem wurden Risikokennzahlen wie die Wertschwankung und die maximalen Verluste berücksichtigt. Ergänzt um qualitative Kriterien wie Kosten, Service und Produktangebot vergeben die Analysten eine Gesamtnote.
Demnach schnitt unter den konventionellen Strategien insgesamt Minveo am besten ab. Das Münchener Fintech setzt neben Portfoliomanagern auf Künstliche Intelligenz (KI), um Kundenportfolios kurzfristig zu steuern. KI ist laut dem Anbieter seit Langem „Kern des Risikomanagements“.
Fondsconsult-Analyst Lukas Welger-Merkel lobt die vergleichsweise niedrigen Portfolioschwankungen und die Rendite im vergangenen Jahr. Unter den konventionellen Strategien bewerten die Berater auch den digitalen Vermögensverwalter von Quirion, den Robo-Advisor der Quirin Bank, und Cominvest positiv.
Unter den Ansätzen mit Nachhaltigkeitsschwerpunkt hebt Fondsconsult ebenfalls Cominvest hervor. Der Robo-Advisor der Commerzbank-Marke Comdirect sei der einzige Anbieter, der mit nachhaltigen Strategien in fast allen Risikostufen besser abgeschnitten habe als mit konventionellen Strategien, sagt Wellner. Comdirect begründet die Unterschiede auf Anfrage unter anderem mit unterschiedlich großen Goldpositionen und Anleihestrategien.
Auch die nachhaltige Strategie von Ginmon schneidet bei Fondsconsult gut ab. Welger-Merkel begründet das mit einem „überdurchschnittlichen Rendite-Risiko-Profil“. Auch die Quirion-Strategie mit Nachhaltigkeitsschwerpunkt heben die Berater hervor.
Anleger profitieren von Kostendruck
Der deutsche Markt für Robo-Advisor gilt als gesättigt. Die Anbieter konkurrieren nicht nur untereinander, sondern auch mit Neobrokern wie Trade Republic. Für Anleger hat das wiederum einen positiven Effekt: Laut Welger-Merkel lässt der hohe Wettbewerbsdruck die Verwaltungsgebühren sinken. „Der Kostendruck hat zugenommen“, sagt er.
Verwandte Themen
ComdirectCommerzbankDeutschland
Das größte Potenzial für Robo-Advisor liegt in noch personalisierteren Portfolios. Andreas HackethalProfessor für Finanzen an der Goethe-Universität Frankfurt
Nach Angaben von Fondsconsult haben mit Bevestor, dem digitalen Vermögensverwalter der Sparkassen, und Cominvest im vergangenen Jahr zwei Anbieter ihre Verwaltungsgebühren um jeweils 0,2 Prozentpunkte gesenkt.
Wellner beobachtet zudem immer individuellere Produkte. Früher hätten Robo-Advisor oft nur Standardstrategien mit wenigen Risikostufen angeboten, sagt er. „Anleger wünschen sich aber immer individuellere Produkte, bei denen auch in Themenfonds oder alternative Anlagen wie Gold investiert wird.“
Finanzwissenschaftler Hackethal sieht hier noch mehr Möglichkeiten. „Das größte Potenzial für Robo-Advisor liegt in noch personalisierteren Portfolios“, sagt er. Hier könne KI „in Zukunft noch viel liefern“.
Mehr: Dieses ETF-Portfolio schüttet jeden Monat Geld aus
Mehr Qualität in Ihren Suchergebnissen
What to Watch
AI outlook — possibilities, not facts
KI wird zu stärker personalisierten Robo-Advisor-Portfolios führen.
Likely · Medium term
Open Questions
- Wie entwickeln sich Robo-Advisor langfristig?
- Welche Rolle spielt KI zukünftig bei der Personalisierung?






