Russland und Ukraine melden nächtliche Drohnenangriffe und Evakuierungen
Gegenseitige Luftangriffe, Evakuierungen in der Ostukraine sowie Ermittlungen nach einem Drohnenfund am Flughafen Leipzig prägen das Kriegsgeschehen.
Quick Look
- Russland und die Ukraine haben sich in der Nacht gegenseitige Drohnenangriffe geliefert.
- Während in der Ostukraine Tausende Menschen evakuiert wurden und Angriffe Schäden verursachten, ermittelt in Deutschland die Bundesanwaltschaft zu einer Sprengstoff-Drohne am Leipziger Flughafen.
AI-generated summary
Why It Matters
Der russisch-ukrainische Krieg dauert an, wobei beide Seiten zunehmend Drohnen und Luftangriffe gegen militärische wie zivile und wirtschaftliche Infrastruktur einsetzen.
Russland und die Ukraine haben in der Nacht gegenseitige Drohnenangriffe gemeldet. Die russische Luftabwehr fing bis Freitagmorgen nach Angaben des Verteidigungsministeriums 203 ukrainische Drohnen ab. Die ukrainische Luftwaffe meldete Angriffe von 147 russischen Langstreckendrohnen. In der nordukrainischen Region Sumy schlug nach Behördenangaben eine russische Drohne auf einem belebten Markt ein. Zehn Menschen wurden demnach verletzt.
Russland setzte zudem Gleitbomben und mehrere Drohnentypen gegen die Regionalhauptstadt Sumy ein, wie der Leiter der Regionalverwaltung, Oleh Hryhorow, mitteilte. Dabei seien Wohngebäude sowie Verkehrs- und Infrastruktureinrichtungen getroffen worden. Zwei Menschen wurden nach seinen Angaben verletzt.
Russland hat in dieser Woche 34 Schiffe angegriffen, die nach seiner Darstellung vom ukrainischen Militär genutzt wurden. Zudem hätten die russischen Streitkräfte die Kontrolle über die Siedlung Anyschtyschne in der ukrainischen Region Charkiw übernommen, teilt das Verteidigungsministerium in Moskau der staatlichen russischen Nachrichtenagentur RIA zufolge mit.
Die Ukraine hat Hunderte Menschen aus der Stadt Kramatorsk in der Region Donezk im Osten des Landes evakuiert. Der Leiter der Militärverwaltung der Region, Wadym Filaschkin, teilte am Freitag mit, innerhalb von 24 Stunden seien mehr als 800 Menschen, darunter 91 Kinder, aus der Stadt gebracht worden.
Kramatorsk ist eine von vier Städten in Donezk, die den sogenannten Festungsgürtel der Ostukraine bilden. Diese rund 50 Kilometer lange Kette aus vier großen und stark befestigten Städten war entscheidend dafür, die russischen Angriffstruppen daran zu hindern, das industrielle Kernland der Ukraine einzunehmen.
Ukrainische Drohnenangriffe auf den größten russischen Online-Händler Wildberries treffen zehntausende Kleinunternehmer empfindlich und bringen den Krieg für viele Russen direkt in den Alltag. Nicht only die Betreiber von Abholstationen haben mit den Folgen zu kämpfen, sondern auch Händler, die darauf angewiesen sind, ihre Produkte über Wildberries zu verkaufen. Die Auswirkungen der Angriffe auf die Wirtschaft sind enorm. Wildberries wickelt zusammen mit anderen E-Commerce-Plattformen Waren und Dienstleistungen ab, die 8,5 Prozent der russischen Wirtschaftsleistung entsprechen.
Der Nationale Sicherheitsrat hat zu dem Drohnen-Vorfall am Leipziger Flughafen getagt. Das Gremium kam unter dem Vorsitz von Kanzler Friedrich Merz (CDU) telefonisch zusammen, wie Regierungssprecher Stefan Kornelius mitteilte. Merz stehe in fortwährendem Austausch mit Innenminister Alexander Dobrindt (CSU) und anderen Regierungsmitgliedern.
Der Nationale Sicherheitsrat wurde im vergangenen Jahr eingerichtet und soll die Kompetenzen bei innerer und äußerer Sicherheit innerhalb der Bundesregierung bündeln.
Der Brand im Wildberries-Verteilzentrum in Jekaterinburg infolge eines Drohnenangriffes konnte dem russischen Online-Händler zufolge eingedämmt werden. Die meisten Waren seien unbeschädigt geblieben, teilt der Konzern auf Telegram mit. Dem örtlichen Gouverneur zufolge wurden in der Nacht acht Drohnen über der Region abgeschossen. Drei davon seien auf das Dach eines Verteilzentrums gestürzt.
Wildberries ist seit drei Wochen fast jede Nacht Ziel ukrainischer Drohnenangriffe. Seit dem 18. Juli wurden mindestens 20 Lagerhäuser des Unternehmens attackiert. Die Ukraine will so den Krieg für die russische Zivilbevölkerung spürbar machen und die Kosten für die Fortsetzung der russischen Angriffe in die Höhe treiben. Jekaterinburg liegt rund 1400 Kilometer östlich von Moskau.
Russland hat nach eigenen Angaben erneut Frachtschiffe mit Rüstungsgütern für das ukrainische Militär angegriffen. Drei Schiffe seien im Schwarzen Meer getroffen worden, teilt das Verteidigungsministerium in Moskau mit. Die russischen Streitkräfte greifen verstärkt Frachter an, die nach Darstellung Russlands militärische Güter in die Ukraine bringen. Unabhängig überprüfen lassen sich solche Angaben nicht.
Der russische Online-Händler Wildberries teilt mit, dass sein Logistikzentrum in Jekaterinburg nach einem Angriff in Brand geraten ist. Details zu der Attacke nennt der Online-Händler in seiner Mitteilung auf Telegram nicht. Wildberries ist der Marktführer in Russland. Die Ukraine hat bereits etliche seiner Lager angegriffen und begründet dies damit, dass Wildberries auch vom russischen Militär genutzt wird. Die Millionenstadt Jekaterinburg liegt weit im russischen Hinterland am Ural.
Nach dem Fund einer Sprengstoff-Drohne am Leipziger Flughafen hat die Bundesanwaltschaft die Ermittlungen wegen der besonderen Bedeutung des Falls übernommen. Es bestehe der Verdacht des versuchten Herbeiführens einer Sprengstoffexplosion und des gefährlichen Eingriffs in den Luftverkehr, teilte die Karlsruher Behörde mit.
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat bei einer Sitzung der militärischen und politischen Führung seines Landes spezielle Einsätze gegen Russlands Rüstungsindustrie angeordnet. Dabei gehe es um „bestimmte Unternehmen, die wir bereits identifiziert haben“, teilte Selenskyj auf Facebook mit. Alle Anwesenden bei der Sitzung hätten klare Aufgaben erhalten. „Ich erwarte, dass sie vollständig erfüllt werden.“ Russlands Militärindustrie müsse „spürbar eingeschränkt“ werden.
Details zu den bevorstehenden Einsätzen nannte Selenskyj nicht. Er beklagte, dass Moskau weiterhin Unterstützung sowie wichtige Komponenten für seine Kriegsführung aus dem Ausland erhalte. „Wir sehen, dass jede russische Rakete, jede Drohne und andere Waffen kritische Komponenten aus anderen Ländern enthalten, ohne die solche Waffen einfach nicht existieren könnten.“
Der CDU-Obmann für den Innenausschuss des Bundestages, Detlef Seif, hat Berichten widersprochen, wonach eines der bei dem mutmaßlichen Anschlagsversuch am Flughafen Leipzig/Halle betroffenen Flugzeuge mit Munition beladen war. Aus allen Gesprächen, die er bisher gehabt habe, sei ohne Ausnahme die Information gekommen, „dass die Flugzeuge nicht beladen waren mit Munition oder Waffenmaterial“, sagte der Unionspolitiker der Nachrichtenagentur Reuters. Zuvor hatten Medien unter Berufung auf einen Polizeibericht gemeldet, eine der Antonow-Frachtmaschinen sei mit militärischer Munition beladen gewesen.
Die Ukraine hat weitere Ölanlagen tief im Inneren Russlands angegriffen. Dabei sei unter anderem eine Raffinerie in Baschkortostan, mehr als 1.300 Kilometer jenseits der Front in der Ostukraine, getroffen worden sowie eine Raffinerie in der Region Jaroslawl, fast 700 Kilometer von der ukrainischen Grenze entfernt, teilte Präsident Wolodymyr Selenskyj am Donnerstag mit.
Außerdem griffen ukrainische Streitkräfte laut Selenskyj zwei russische Militärpatrouillenboote im Schwarzen Meer an sowie Schiffe der sogenannten Schattenflotte Moskaus, die Russland einsetzt, um westliche Beschränkungen seiner Ölexporte zu umgehen.
Nach der Entdeckung einer Sprengstoff-Drohne auf dem Leipziger Flughafen hat das Bundesinnenministerium intern Berichte dementiert, wonach eines der ukrainischen Antonow-Flugzeuge in der Nähe mit Munition beladen gewesen sei. Spezialisten der Bundespolizei entschärften die Sprengvorrichtung.
Die Ukraine macht nach den Worten von Präsident Wolodymyr Selenskyj Fortschritte bei der Entwicklung ihres eigenen Systems zur Abwehr ballistischer Raketen. „Wir können feststellen, dass auch unsere Waffenhersteller bereits das erforderliche Niveau erreicht haben“, teilte Selenskyj mit. „Wir gehen davon aus, dass die Ukraine im Zeitraum 2026-2027 die angestrebten Ergebnisse erzielen wird.“
Durch russische Angriffe sind in den ukrainischen Gebieten Dnipropetrowsk und Charkiw mindestens acht Menschen getötet worden. Mindestens drei Tote habe es bei einer Attacke auf die Industriestadt Pawlohrad gegeben, teilte der Militärgouverneur Olexander Hanscha mit.
Der mutmaßliche Anschlagsversuch mit einer Sprengstoff-Drohne auf dem Flughafen Leipzig/Halle galt womöglich einer mit Munition beladenen Frachtmaschine, berichteten Medien unter Berufung auf einen vertraulichen Polizeibericht. An der Drohne sei ein faustgroßes Paket mit hochexplosivem Sprengstoff befestigt gewesen, bei dem es sich wahrscheinlich um Semtex handele.
Litauen schätzt ein, dass Russland erwägt, mit erbeuteten ukrainischen Drohnen Provokationen gegen die baltischen Staaten zu inszenieren. „Es geht um eine Operation unter falscher Flagge“, erklärte Verteidigungsminister Robertas Kaunas.
In der russischen Region Brjansk sind nach Angaben des Gouverneurs zwei Zivilisten durch ukrainische Kamikaze-Drohnen ums Leben gekommen. Fünf weitere seien verletzt worden.
What to Watch
AI outlook — possibilities, not facts
Die Ukraine wird im Zeitraum 2026-2027 Ergebnisse bei der Entwicklung ihres eigenen Raketenabwehrsytems Freyja erzielen.
Possible · Within months
Open Questions
- Welche konkreten Ziele verfolgt Russland mit möglichen Provokationen im Baltikum?
- Wer steckt hinter dem Drohnenvorfall am Flughafen Leipzig/Halle?





