Sparkasse Gelsenkirchen: Erste Schadenersatzklagen nach Einbruch verhandelt
Quick Look
- Sechs Monate nach dem Einbruch in die Sparkasse Gelsenkirchen, bei dem über 3000 Schließfächer geplündert wurden, haben die ersten Schadenersatzklagen begonnen.
- Kläger fordern Millionen von der Sparkasse, die mangelnde Sicherheitsmaßnahmen vorwirft.
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Why It Matters
Six months after a large-scale burglary at Sparkasse Gelsenkirchen, where over 3000 safe deposit boxes were plundered, the first civil lawsuits for damages have begun. The perpetrators gained access by drilling a large hole from an adjacent parking garage, and initial damage is estimated to exceed 100 million euros.
Beim Einbruch in die Sparkasse Gelsenkirchen plünderten die Täter mehr als 3000 Schließfächer. Erste Schadenersatzklagen wurden jetzt verhandelt. Die Prozesse dürften sich hinziehen. Elisabeth Atzler, Sophia Ulrich 11.06.2026 - 21:11 Uhr Artikel anhören
Bohrloch in die Sparkasse: So hatten sich die Täter Zutritt zur Sparkasse und zum Tresorraum verschafft. Foto: -/Polizei Gelsenkirchen/dpa
Essen, Frankfurt. Knapp sechs Monate nach dem spektakulären Schließfacheinbruch bei der Sparkasse Gelsenkirchen haben am Donnerstag die ersten Schadenersatzprozesse vor dem Landgericht Essen begonnen (Az. 6 O 36/26 und 6 O 37/26). Im ersten Fall fordert die Klägerin Rita M. 391.000 Euro von der Sparkasse.
Diese Summe hatte die 83-Jährige nach eigenen Angaben neben Schmuck im Schließfach gelagert. Die Nachricht vom Einbruch kurz nach Weihnachten war ein Schock für sie. „Ich habe gedacht, ich muss sterben. Ich lag die ersten drei bis vier Tage nur im Bett und war nicht fähig aufzustehen“, sagte Rita M. vor Verhandlungsbeginn.
Aus Sicht ihres Anwalts, Daniel Kuhlmann, ist offensichtlich, dass die Sicherheitsmaßnahmen der Sparkasse unzureichend waren. Er verwies darauf, dass die Täter ein großes Loch für den Zugang zur Sparkasse gebohrt hätten und auf einen Feueralarm zunächst nicht reagiert worden sei. „Da sagt ja schon der Menschenverstand, dass das so nicht richtig gewesen sein kann“, kritisierte Kuhlmann die Sparkasse.
Die bisher unbekannten Täter hatten etwa 3000 Schließfächer aufgebrochen und geplündert. Sie hatten sich mit einem großen Bohrer vom angrenzenden Parkhaus aus Zugang zu den Schließfächern der Sparkasse verschafft und den Tresorraum nach dem Diebstahl völlig verwüstet hinterlassen.
Es wird geschätzt, dass die noch unbekannten Täter mehr als 100 Millionen Euro erbeuten. Es wäre einer der größten Coups der bundesdeutschen Kriminalgeschichte. Über die pauschale Versicherung je Schließfach sind in Gelsenkirchen lediglich 10.300 Euro gedeckt. Nur wenige Betroffene hatten eine weitere Versicherung für höhere Summen abgeschlossen.
Daniel Kuhlmann (zweiter von rechts): Der Anwalt hält die Sicherungsmaßnahmen der Sparkasse für unzureichend. Foto: Handelsblatt / Sophia Ulrich
Kuhlmann wirft dem Geldhaus vor, dass die vorhandenen Sicherheitsvorkehrungen weder vom Umfang her noch mit Blick auf den Stand der Technik ausreichend gewesen seien. Er sieht eine Pflichtverletzung der Sparkasse. Die Sparkasse weist das zurück. „Unsere Sicherheitstechnik entspricht dem anerkannten Stand der Technik“, erklärte das Kreditinstitut.
Sparkassen-Einbruch
Zehn Kläger fordern mehr als eine Million Euro Schadensersatz
Entsprechend ging es am ersten Verhandlungstag auch um Sicherheitstechnik, Alarmanlagen und Vorschriften im Fall eines Feueralarms. Ein Vergleich war zuvor nicht zustande gekommen. Der Vorsitzende Richter, Stefan Ostheide, bezeichnete die Ausführungen von Klägerseite und Sparkasse als „Extrempositionen“.
Zudem wird darüber gestritten, was sich in den Schließfächern befunden hat und ob die jeweiligen Wertsachen beim Einbruch gestohlen wurden. Die Täter hatten einige Gegenstände im Tresorraum zurückgelassen.
Angesichts der komplexen technischen Fragen verwies Ostheide darauf, dass das Gericht möglicherweise einen Sachverständigen beauftragt. Details wird es wahrscheinlich in einem für den 9. Juli anberaumten Termin mitteilen.
Allein zwei Kanzleien vertreten 1000 Betroffene
Sollte ein Gutachter eingeschaltet werden, dürfte das dem Verfahren von Rita M. noch mehr Bedeutung geben. So signalisierte das Gericht, dass es weitere Verfahren aussetzen könnte, um die Einschätzung des Sachverständigen und die Entscheidung im ersten Prozess abzuwarten.
Allein Kuhlmann vertritt nach eigenen Angaben rund 650 Kundinnen und Kunden mit einem Gesamtschaden von fast 51,5 Millionen Euro.
Presse vor dem Landgericht Essen: An diesem Donnerstag war der Andrang besonders groß. Foto: Handelsblatt / Sophia Ulrich
In einem zweiten Verfahren, das am Donnerstag erstmals verhandelt wurde, verlangt der Kläger knapp 49.000 Euro Schadensersatz. Er habe neben Schmuck, der aus Erbstücken der Eltern und Großeltern bestanden habe, auch Gold und Silber im Schließfach gelagert. „Das ist meine Altersvorsorge“, sagte der 63-jährige Joachim W.
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Weil es viele Betroffene gibt und die Schadenssumme hoch ist, gilt es als naheliegend, dass zahlreiche weitere Klagen folgen. Guido Lenné, der die Anwaltskanzlei Lenné aus Leverkusen führt, hat wie Kuhlmann bereits mehrere Klagen beim Landgericht Essen eingereicht und hat weitere Klagen avisiert.
Zuletzt waren zehn Schadensersatzklagen beim Landgericht Essen rechtsanhängig, die Kläger fordern insgesamt 1,2 Millionen Euro Schadensersatz.
Dennoch rechnet Lenné damit, dass die Fälle erst in der zweiten oder dritten Instanz endgültig entschieden werden, also durch das Oberlandesgericht Hamm oder den Bundesgerichtshof (BGH). Daher könnten erste Verhandlungstermine allenfalls als Indikator weiterhelfen.
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Zudem zählen andere Anwaltskanzleien ebenfalls etliche Mandanten. „Wir beraten oder vertreten mehr als zwei Dutzend durch den Einbruch bei der Sparkasse Gelsenkirchen Betroffene“, sagte Jürgen Hennemann. Der Anwalt ist auf Haftungsrecht spezialisiert und vertritt in weiteren Fällen zahlreiche Mandanten, die von Einbrüchen in Tresorräume anderer Banken betroffen sind.
Auch Burkhard Benecken und Michael Plassmann vertreten mit ihren Anwaltskanzleien jeweils Mandanten, Benecken sogar mehrere hundert. „Aktuell haben wir 500 bis 600 Mandate. Von elf Anwälten in der Kanzlei bearbeiten vier Anwälte im Team dieses Thema“, sagt Benecken. Sie hätten jedoch bewusst noch nicht Klage eingereicht und würden erst die Ergebnisse der Staatsanwaltschaft abwarten.
Plassmann hält Klagen aktuell ebenfalls für nicht zielführend, unter anderem weil der Einblick in die Ermittlungsakten fehle. „Die Erkenntnisse aus den Ermittlungskaten – das haben alle erfolgreich bearbeiteten Schließfacheinbrüche untermauert – sind die Grundlage für den ersten Schritt, den Nachweis einer Pflichtverletzung.“
Mehr: Schließfach-Diebstahl in Gelsenkirchen: Zehn Kläger fordern mehr als eine Million Euro Schadensersatz
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What to Watch
AI outlook — possibilities, not facts
The legal proceedings will likely extend to higher courts (Oberlandesgericht Hamm or Bundesgerichtshof).
Very likely · Within months
The court may appoint an expert witness to assess the technical aspects of the security measures.
Likely · Within weeks
Numerous additional lawsuits will be filed by affected individuals.
Very likely · Within weeks
Open Questions
- Who are the perpetrators and have they been identified?
- What specific security failures allowed the extensive damage?
- Will the court appoint an expert witness, and what will their findings be?
- How many more lawsuits are expected to be filed?




