Tausende Vermisste nach Gletscherabbruch und Flutkatastrophe in Nepal und Tibet
Nach einer durch einen Gletscherabbruch ausgelösten Flut in Nepal und Tibet gibt es Tausende Vermisste. Rettungskräfte kämpfen sich in abgelegene Gebiete vor, während Experten vor Seuchen warnen.
Quick Look
- Nach einer verheerenden Flut durch einen Gletscherabbruch in Nepal und Tibet werden Tausende Menschen vermisst.
- Rettungskräfte erreichen schwer zugängliche Gebiete, während Hilfsorganisationen vor dem Ausbruch von Krankheiten warnen.
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Why It Matters
Eine Flut aus Wasser, Eis, Schlamm und Geröll nach einem Gletscherabbruch hat in Nepal und Tibet schwere Zerstörungen verursacht.
Der jüngsten Polizeistatistik zufolge gibt es allein in Nepal seit dem Unglück keinen Kontakt mehr zu fast 4600 Menschen. In Tibet gelten knapp 550 Menschen als vermisst. Eine durch einen Gletscherabbruch ausgelöste Flut aus Wasser, Eis, Schlamm und Geröll hatte am vergangenen Mittwoch in Nepal und Tibet massive Zerstörung angerichtet.
Auch Hunderte Ausländer werden seit der Katastrophe vermisst, darunter laut Auswärtigem Amt »einige Deutsche«. Einem Sprecher zufolge gibt es weiterhin keinen genauen Überblick. Die Behörden in Nepal sprechen von acht vermissten Deutschen. Eine vierköpfige Familie aus Bayern war hingegen in den Tagen nach der Flut gerettet und mit einem Hubschrauber in Sicherheit gebracht worden.
24 Leichen in einem einzelnen Gebäude entdeckt
In Betrawati, einer der am schwersten betroffenen Städte im nepalesischen Distrikt Nuwakot, wurden in einem einzigen Gebäude 24 Leichen gefunden. Das ist eine der höchsten Zahlen von Leichen, die im Rahmen der laufenden Bergungsaktionen in einem einzigen Gebäude entdeckt wurden. »Wir haben bereits acht geborgen, aber 16 weitere Tote müssen noch geborgen werden«, sagte der stellvertretende Polizeichef des Distrikts Nuwakot, Iqbal Hawari.
Derweil erreichen die Rettungskräfte zunehmend auch auf dem Boden stark betroffene Gebirgsgegenden. Bisher waren die Such- und Rettungsmannschaften hauptsächlich auf den Lufttransport angewiesen, wie Vertreter der Polizeizentrale in Kathmandu mitteilten. Schrittweise könnten nun auch abgelegene Gebiete erreicht werden.
Das Ausmaß der Katastrophe ist weiter unklar. Die genannten Zahlen der Vermissten seien immer noch vorläufig, sagte Polizeisprecher Abi Narayan Kafle der Nachrichtenagentur dpa. Es gebe keine vollständigen Namenslisten, da die meisten Informationen telefonisch von Angehörigen, Freunden und anderen stammten. Die Erstellung einer vollständigen Liste werde noch einige Zeit in Anspruch nehmen, sagte der Sprecher.
Von vielen der geborgenen Toten seien zudem nur Knochenfragmente oder Leichenteile gefunden worden. Alle geborgenen sterblichen Überreste könnten jedoch per DNA-Analyse identifiziert werden, was den Familien möglicherweise später bei ihren Bestattungsriten helfen könne.
Suche nach vermissten Kraftwerksarbeitern
Zuletzt wurde auch die Suche nach Hunderten vermissten Arbeitern verstärkt, von denen viele noch in den Tunnelsystemen verwüsteter Wasserkraftanlagen vermutet werden. Die Flutwelle traf nach Angaben des Verbands unabhängiger Stromerzeuger Nepals zwölf im Betrieb oder im Bau befindliche Wasserkraftprojekte. Fast 900 Beschäftige waren demnach nicht erreichbar. Die Zahl könnte jedoch noch deutlich höher liegen. Nepalesische Sicherheitskräfte arbeiten mit Spezialistenteams aus Indien und China zusammen, um mehrere Wasserkrafttunnel zu öffnen.
Experten warnen inzwischen vor dem Ausbruch gefährlicher Krankheiten. Mitarbeiter der Hilfsorganisation Save the Children berichteten von katastrophalen hygienischen Bedingungen im Unglücksgebiet – und zahlreichen Leichensäcken entlang der Straße, die von Kathmandu in die weitgehend zerstörte Stadt Trishuli-Bazar führt.
»Verwesende menschliche und tierische Überreste, nicht entsorgter Abfall und stehendes Wasser erhöhen zusätzlich das Gesundheitsrisiko für die Menschen in der Region«, hieß es in einer Mitteilung der Organisation. Dass es in einigen der besonders betroffenen Regionen weiter regne, mache die Situation noch schlimmer.
Überschwemmungen können Abwässer und Fäkalien in Trinkwasserquellen spülen, Latrinen können beschädigt, Kläranlagen überflutet sein. In den Notunterkünften werden nach Angaben der Organisation bereits Kinder mit Fieber und Atemwegsinfektionen behandelt. Besonders groß ist die Sorge vor Durchfallerkrankungen wie Cholera und Hautinfektionen. Stehendes Wasser bietet zudem ideale Brutstätten für Mücken und erhöht damit das Risiko für Dengue-Fieber.
Nur Chinas Staatsmedien berichten aus Tibet
Menschenrechtsorganisationen kritisierten die Informationslage rund um die Sturzflut-Katastrophe in Chinas autonomer Region Tibet. Die Organisation Human Rights Watch (HRW) verwies auf Berichte, wonach Journalisten in China der Zutritt zum Katastrophengebiet sowie Interviews mit den betroffenen Familien untersagt worden seien.
Open Questions
- Wie viele Menschen sind genau ums Leben gekommen?
- Werden die vermissten Arbeiter in den Tunnels noch lebend gefunden?






