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Thyssenkrupp treibt Umbau voran: Materials Services wird KGaA
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Handelsblatt6/16/2026Business5 min readGermany

Thyssenkrupp treibt Umbau voran: Materials Services wird KGaA

Quick Look

  • Thyssenkrupp bereitet die Abspaltung des Geschäftsbereichs Materials Services vor, der als Kommanditgesellschaft auf Aktien (KGaA) firmieren soll.
  • Arbeitnehmervertreter stimmten nach umfangreichen Absicherungen für Mitbestimmung und Tarifbindung zu.

AI-generated summary

Why It Matters

Thyssenkrupp plant eine tiefgreifende Neuordnung, um einzelne Geschäftsbereiche zu verselbstständigen und kapitalmarktfähig zu machen. Materials Services ist nach der Marinesparte TKMS der nächste große Bereich, der umstrukturiert wird.

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Nach der außerordentlichen Sitzung des Kontrollgremiums am Dienstag beschloss das Unternehmen, die rechtlichen Voraussetzungen für die Abspaltung des Geschäftsbereichs zu schaffen und eine außerordentliche Hauptversammlung einzuberufen. Damit treibt der Industriekonzern seinen Umbau zu einer Holding mit eigenständig aufgestellten Geschäftsbereichen weiter voran.

Im Mittelpunkt der Beratungen stand dabei eine Frage, die Konzernführung und Arbeitnehmervertreter seit Monaten entzweit hatte: die künftige Rechtsform der Sparte. Nach Informationen aus Unternehmenskreisen wird Materials Services als Kommanditgesellschaft auf Aktien (KGaA) aufgestellt.

Die Rechtsform gilt als entscheidender Baustein, um Thyssenkrupp auch nach einer später möglichen Börsennotierung oder dem Einstieg externer Investoren maßgeblichen Einfluss auf das Geschäft zu sichern.

Nach langen Verhandlungen hat die Arbeitnehmerseite zudem weitreichende Absicherungen für Mitbestimmung und Tarifbindung durchgesetzt. Laut Konzernkreisen stimmten die Arbeitnehmervertreter den Plänen erst zu, nachdem entsprechende Schutzrechte verbindlich festgeschrieben worden waren.

Die Konzernmitbestimmung in Deutschland regelt das Recht der Arbeitnehmer, über den eigenen Betrieb hinaus auch auf Konzernebene bei strategischen Entscheidungen mitzuwirken.

Demnach wurden umfangreiche Sicherungsmechanismen vereinbart. So bleibt die Steuerung über die Führungsgesellschaft tkMX GmbH organisiert. Damit sollen auch künftig sämtliche deutschen Gesellschaften des Werkstoffhandels in die Mitbestimmungsstrukturen einbezogen werden. Selbst dann, wenn weitere Zukäufe oder interne Umstrukturierungen erfolgen.

Zudem wurde die Tarifbindung langfristig abgesichert. Die Mitgliedschaft in Arbeitgeberverbänden und die Anwendung der Tarifverträge sollen bis zum Ende des Geschäftsjahres 2032/33 garantiert bleiben. Auch die Rolle des Arbeitsdirektors wurde gestärkt. Die Arbeitnehmerseite erhält künftig das erste Vorschlagsrecht für die Besetzung der Position.

Als besonders wichtig bewerten Gewerkschaftsvertreter neue Zustimmungsvorbehalte für größere Eingriffe in die Unternehmensstruktur. Betriebsschließungen, Verkäufe oder größere Restrukturierungen mit mehr als 200 betroffenen Beschäftigten sollen künftig nur mit Zustimmung des Aufsichtsrats möglich sein.

Damit erhält die Arbeitnehmerseite zusätzliche Einflussmöglichkeiten, obwohl die neue Rechtsform ursprünglich als Einschränkung der Mitbestimmung kritisiert worden war.

Kritiker sehen in der KGaA eine Konstruktion, die den Einfluss von Arbeitnehmern und Aktionären begrenzen kann. Anders als bei einer klassischen Aktiengesellschaft liegt die operative Kontrolle bei einer persönlich haftenden Gesellschaftergesellschaft. Dadurch können wesentliche Entscheidungen langfristig in den Händen des bisherigen Eigentümers bleiben, selbst wenn Kapitalanteile verkauft oder neue Investoren aufgenommen werden.

Aus Sicht des Managements bietet das erhebliche Vorteile. Die Konzernzentrale kann strategischen Einfluss behalten und sich zugleich neue Finanzierungsmöglichkeiten erschließen. Arbeitnehmervertreter befürchteten dagegen, dass Mitbestimmungsrechte in den verselbstständigten Geschäften schrittweise ausgehöhlt werden könnten.

Die Entscheidung ist zugleich ein weiterer Schritt in der tiefgreifenden Neuordnung von Thyssenkrupp. Konzernchef Miguel López verfolgt das Ziel, die einzelnen Geschäfte stärker zu verselbstständigen und sie schrittweise kapitalmarktfähig zu machen. Den Anfang machte die Marinesparte TKMS. Nun folgt mit dem Werkstoffhandel Materials Services der nächste große Bereich.

Der Industriekonzern will sich schrittweise von einzelnen Geschäftseinheiten trennen oder diese verselbstständigen. Vom heutigen Industriekonzern soll schließlich nur noch eine Finanzholding übrig bleiben. Neben TKMS und Materials Services stehen demnach auch die restlichen Sparten des Konzerns – Automotive (Automobilzulieferung), Decarbon Technologies (Klimafreundliche Technologien) und Steel (Stahl) – auf der Liste für Verselbstständigungen und Teilverkäufe.

Materials Services, das künftig unter dem Namen TK Accelis auftreten soll, zählt mit rund 15.500 Beschäftigten zu den weltweit größten Werkstoffhändlern. Die Sparte beliefert Industriekunden mit Stahl, Metallen, Kunststoffen und Logistikdienstleistungen und gilt innerhalb des Konzerns als vergleichsweise stabiles Geschäft.

Die Sparte gehört trotz der schwachen Industriekonjunktur weiterhin zu den stabileren Geschäften im Thyssenkrupp-Konzern. Sie leidet zwar unter einer verhaltenen Nachfrage aus wichtigen Abnehmerbranchen wie dem Maschinenbau und der Automobilindustrie. Gleichzeitig profitiert das Geschäft von seiner breiten internationalen Aufstellung sowie dem Ausbau digitaler Handelsplattformen.

Auch am Kapitalmarkt wird die Abspaltung aufmerksam verfolgt. Branchenkreise rechnen damit, dass Materials Services als eigenständiges Unternehmen mit rund zwei Milliarden Euro bewertet werden könnte.

What to Watch

AI outlook — possibilities, not facts

  • Materials Services wird als eigenständiges Unternehmen an die Börse gehen.

    Possible · Medium term

Open Questions

  • Wie wird sich die KGaA-Struktur auf die operative Führung auswirken?
  • Welche weiteren strategischen Schritte sind für die verbleibenden Sparten geplant?

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This article was originally published by Handelsblatt.

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