Trump führt neue Zölle auf Importe aus 60 Ländern ein
Auch bestimmte EU-Produkte betroffen; Kanada, Australien und Neuseeland kritisieren die Maßnahme scharf
Quick Look
- Die USA haben neue Zölle von bis zu 12,5 Prozent auf Importe aus 60 Ländern eingeführt, darunter auch bestimmte EU-Produkte.
- Mehrere Staaten reagierten mit Kritik und kündigten Gegenmaßnahmen an.
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Why It Matters
Die US-Regierung begründet die neuen Zölle damit, dass 60 Handelspartner Verbote von Waren aus Zwangsarbeit nicht ausreichend durchsetzten. Für EU-Waren galt bereits ein Handelsrahmen mit Zugeständnissen und einem Sicherheitsnetz für den Fall von Verstößen durch die USA.
US-Präsident Donald Trump hat neue Zölle von bis zu 12,5 Prozent auf Importe aus 60 Ländern eingeführt. Betroffen sind auch bestimmte Produkte aus der Europäischen Union, wie das Büro des US-Handelsbeauftragten Jamieson Greer mitteilte.
Die neuen US-Zölle traten am Freitagmorgen um 6.01 Uhr deutscher Zeit in Kraft. Damit liefen die bisherigen Sonderzölle aus, die Trump nach einer Niederlage vor dem Obersten Gerichtshof im Februar in Eile verhängt hatte. Sie galten 150 Tage. Die US-Regierung begründete die neuen Zölle damit, dass die 60 betroffenen Handelspartner Verbote von Waren, die unter Zwangsarbeit hergestellt wurden, nicht ausreichend durchgesetzt hätten.
»Die Vereinigten Staaten haben seit fast einem Jahrhundert ein Verbot von Waren aus Zwangsarbeit und setzen dieses konsequent durch. Es ist höchste Zeit, dass unsere Handelspartner dasselbe tun«, teilte Trumps Handelsbeauftragter mit.
Trump stützt sich bei den neuen Zöllen auf Paragraf 301 des Handelsgesetzes von 1974. Das Gesetz erlaubt dem Präsidenten, Einfuhrzölle und andere Sanktionen gegen Länder zu verhängen, denen »ungerechtfertigte, unangemessene oder diskriminierende« Handelspraktiken vorgeworfen werden. Trump hatte Paragraf 301 bereits in seiner ersten Amtszeit genutzt, um umfangreiche Zölle gegen China zu verhängen. Diese hielten später gerichtlichen Anfechtungen stand.
Bereits Anfang Juni hatte die US-Regierung mit weiteren Handelsschritten gedroht. Dass die wichtigsten Partner der USA nichts gegen Produkte aus Zwangsarbeit unternähmen, sei »inakzeptabel«, hatte Greer behauptet. US-amerikanische Arbeitnehmer seien so gezwungen, »weltweit unter ungleichen Wettbewerbsbedingungen zu konkurrieren«. Diese Ungleichheit werde man »nicht länger hinnehmen«.
Je nach Handelspartner hätten die Untersuchungen entweder Zölle in Höhe von 10 oder 12,5 Prozent als »angemessenen Satz« ergeben, heißt es in der Mitteilung. Die Europäische Union wird dort unter anderem mit Taiwan, Japan und der Schweiz als Handelspartner genannt, bei denen für die Importe bestimmter Produkte in die USA beide Zollsätze aufgeführt werden.
Ausgenommen von den neuen Zöllen seien Produkte, die sich zum Stichtag schon auf einem Schiff befänden, im letzten Transportabschnitt zum Zielort seien oder vor dem 28. Juli abgefertigt würden. Für Produkte etwa aus Stahl und Aluminium gelten weiter höhere sektorspezifische Zölle.
Voraussetzung für neue US-Zölle auf Basis des Paragrafen 301 ist, dass die US-Regierung zuvor Kommentare einholt und Anhörungen durchführt. Das hat die US-Regierung etwa im Fall von Brasilien schon getan. Eine entsprechende Untersuchung habe eine Vielzahl unfairer Handelspraktiken offenbart, teilte die US-Regierung Mitte Juli mit und belegte Brasilien mit neuen Importzöllen von 25 Prozent.
Zahlreiche Staaten reagieren mit Kritik
Kanada kündigte umgehend an, sich mit allen Mitteln zu wehren. »Wir intensivieren unsere Handelsverhandlungen mit den USA und werden nicht zögern, unsere Interessen zu verteidigen, wenn es sein muss«, sagte Premierminister Mark Carney. Er schloss Vergeltungsmaßnahmen nicht aus: »Alles ist auf dem Tisch, wenn es keine Einigung gibt«, sagte er. Trump hatte schon am Montag neue Zölle von 50 Prozent für eine Reihe kanadischer Waren angekündigt, darunter Hockeyschläger und Wein.
Auch Australien und Neuseeland übten Kritik. Die neuen US-Importzölle seien »völlig ungerechtfertigt«, sagte der australische Handelsminister Don Farrell am Freitag. Er werde die US-Handelsbeauftragten weiter dazu drängen, alle Zölle auf australische Waren wieder aufzuheben, kündigte er an. Neuseelands Regierungschef Christopher Luxon nannte die Nachricht aus Washington »äußerst enttäuschend« und zweifelte die Begründung an: »Die US-Untersuchung hat keine stichhaltigen Beweise für die Behauptungen im Zusammenhang mit Zwangsarbeit geliefert«, schrieb er auf X.
Die japanische Regierung brachte ihr »Bedauern« über die US-Entscheidung zum Ausdruck und betonte: »Japans Industrie und Handel richten sich nach internationalen Regeln.« Chile kritisierte die Entscheidung ebenfalls und verwies auf die nach eigenen Angaben strengen Arbeits- und Kontrollstandards gegen Zwangsarbeit.
EU hatte bereits Zugeständnisse gemacht
EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen und Trump hatten sich im August 2025 eigentlich auf ein Handelsabkommen geeinigt, um einen drohenden Handelskrieg abzuwenden. Für die meisten Importe aus der EU galt demnach ein Zoll von bis zu 15 Prozent. Brüssel machte auch Zugeständnisse, wie die Abschaffung von EU-Zöllen auf US-Industriegüter.
Angesichts der sprunghaften Politik unter Trump hatte die EU aber zusätzlich ein Sicherheitsnetz eingebaut: Sollten die USA ihre Zusagen nicht vollständig umsetzen oder Absprachen aussetzen, können die EU-Konzessionen ausgesetzt werden. Dazu gehören etwa erneute Zollerhöhungen.
What to Watch
AI outlook — possibilities, not facts
Mehrere betroffene Staaten werden öffentlich auf Verhandlungen drängen und Vergeltungsmaßnahmen offenhalten.
Likely · Within days
Die EU wird prüfen, ob das bestehende Sicherheitsnetz gegen die USA aktiviert werden kann, falls Zusagen aus dem Abkommen nicht eingehalten werden.
Possible · Within weeks
Es werden weitere juristische oder handelspolitische Auseinandersetzungen um die US-Zölle folgen.
Likely · Within weeks
Open Questions
- Welche konkreten Produkte aus der Europäischen Union sind von den Zöllen betroffen?
- Welche Staaten werden als die 60 betroffenen Handelspartner im Detail genannt?
- Ob und wann die betroffenen Länder mit Gegenzöllen reagieren werden?





