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Versteigerung einer ehemaligen DDR-Marinestation: "Ostervilm" sucht neuen Besitzer
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FAZ·3 sa önce·🇩🇪Germany·Real_estate

Versteigerung einer ehemaligen DDR-Marinestation: "Ostervilm" sucht neuen Besitzer

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#Ostervilm#GerhardBenz#PeerWennmakers#DDR#NVA#Rügen#Hamburg#Auktion
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FAZ
Yayıncı
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Seit die Welt erfahren hat, dass Gerhard Benz seine Insel versteigern lässt, klingelt sein Telefon häufiger. Trotz des Medienrummels, der um die Geschichte tobt, handelt es sich bei der Mehrzahl aller Anrufer nicht um Journalisten. Die Leute auf der anderen Seite des Hörers wollen wissen, ob die ehemalige DDR-Marinestation, die südöstlich von Rügen im Meer liegt und am Donnerstag in Hamburg versteigert wird, tatsächlich nur 250 Quadratmeter groß ist. Die Nachricht über die Auktion verbreitete sich wie ein Lauffeuer, Falschinformationen wie diese sind eine lästige Begleiterscheinung. Das ist ungünstig, denn für potenzielle Käufer spielt die tatsächliche Größe des Objekts eine bedeutende Rolle.

Gut, dass unter den Anrufern auch Journalisten sind. Das Missverständnis ist schnell ausgeräumt: 250 Quadratmeter beträgt die reine Nutzfläche des heruntergekommenen Gebäudes, das auf der Insel steht, 710 Quadratmeter die gesamte Land- und Wasserfläche, die dem zukünftigen Besitzer zur Nutzung bereitsteht. „Von der Seite sieht das verdammt klein aus“, sagt Benz. „Wenn man von oben draufschaut, hat das eine ganz andere Dimension.“

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Ostervilm, wie ihre Noch-Besitzer die ovale Plattform getauft haben, ist eine ehemalige Entmagnetisierungsstation der Nationalen Volksarmee (NVA). 1954 wurde sie im Greifswalder Bodden auf 600 Holzpfählen errichtet. Während des Kalten Krieges diente sie dazu, Marineschiffe der DDR über eine Kabelschleife im Meer schwerer auffindbar für Magnetminen zu machen. Nach dem Mauerfall hatte die Bundeswehr keine Verwendung mehr für die künstliche Insel. Und so wurde sie sich selbst überlassen – bis zwei Freunde beschlossen, sie zu kaufen: Peer Wennmakers und Gerhard Benz.

Womit wir bei den wirklich wichtigen Fragen wären: Was Benz und Wennmakers vor 25 Jahren dazu brachte, eine Entmagnetisierungsstation zu kaufen. Und weshalb diese nun wieder versteigert werden soll.

Ein Lost Place, wie er im Buche steht

„Der Zustand ist durch Natur, Vogelkot und Vandalismus marode“, heißt es im Auktionskatalog des Auktionshauses, der Norddeutschen Grundstücksauktionen AG. Mitunter klingt die Beschreibung wie ein dystopischer Poetry-Slam: „Stahlteile verrostet. Zerstörte Fenster. Algen wachsen an den Mauern empor.“ Ostervilm ist ein „Lost Place“, wie er im Buche steht.

Genau das faszinierte den Architekten und Künstler Benz, als er zum ersten Mal von der heruntergekommenen Militärplattform hörte. „Wenn alle anderen irgendetwas nicht haben wollten, dachte ich immer: Nein, das ist doch wunderschön!“ Damals träumte der gebürtige Cuxhavener von einem Leuchtturm, in dem er sich ein Büro einrichten wollte. Er besuchte seinen Freund Wennmakers und dessen Partnerin auf Rügen und erkundigte sich bei ihnen nach verlassenen Leuchttürmen. Die gab es dort nicht, dafür aber die verlassene Entmagnetisierungsstation. Gemeinsam fuhren Wennmakers und Benz mit dem Boot hinaus zu der kleinen Insel. Als er hörte, dass niemand daran interessiert sei, war für Benz klar: „Ich würde sie sofort nehmen.“ So erzählt er es rückblickend.

Nach intensiver Recherche und einem langen Hin und Her mit dem damals zuständigen Bundesvermögensamt taten sich Benz und Wennmakers schließlich zusammen, um ein Angebot zu machen. Für einen fünfstelligen Betrag bekamen sie den Zuschlag. Benz beschloss, seinen damaligen Lebensmittelpunkt Düsseldorf hinter sich zu lassen und nach Rügen zu ziehen, um näher an seiner Insel zu sein. Das war im Jahr 2001.

Viele Ideen, aber kein Geld

Seine Idee: Ostervilm „spartanisch herrichten“ und ein Atelier in dem Gebäude installieren. Benz wollte dort Seminare veranstalten, anderen Künstlern ein Studio zur Miete anbieten, Kooperationen mit Universitäten, Museen oder Galeristen organisieren. Ein „Kleinst-Sanatorium für die Seele“ sollte die Insel sein, und ein „Begegnungsort für Kunst, Kultur, vielleicht sogar Geschichte“. Schließlich sei der Ort allein wegen seiner historischen Bedeutung erhaltenswert. „Die Ideen wurden immer mehr“, sagt Benz. „Aber die Möglichkeiten, das umzusetzen, waren gleich null.“

Schnell stellte er fest, wie viel Geld er in die Hand nehmen müsste. Geld, das ein Künstler für gewöhnlich nicht hat. Also machte er sich auf die Suche nach Investoren, fuhr mit ihnen zur Insel, stellte Förderanträge. Er habe darauf gehofft, jemanden zu finden, der nicht nur genügend Geld, sondern auch Spaß an der Sache und ausreichend Geduld mitbringt, sagt Benz. Doch in all den Jahren fand sich so jemand nicht.

Ohne Finanzierung kam das Projekt nur schleppend voran. Oft sei er da gewesen, habe sogar kleinere Feste veranstaltet. Weil man in dem baufälligen Gebäude nicht übernachten konnte, waren die Besuche stets von der Wetterlage abhängig. Zwischenzeitlich stand sogar ein Wohnwagen auf der Insel. „Viel Zeit und Geld“ habe er investiert, sagt Benz. Immer wieder seien andere Menschen unbeobachtet zur Insel gefahren und hätten neu angeschaffte Ausrüstung geklaut oder Fortschritte durch Vandalismus zunichtegemacht.

„Die Bieter lassen sich nicht in die Karten schauen“

Der Vorschlag, die Insel zu versteigern, kam laut Benz von Wennmakers. Doch die gemeinsame Hoffnung sei, dass sich durch die Auktion vielleicht doch noch eine Möglichkeit finde, mit dem Käufer zusammenzuarbeiten: „Ich habe große Projekte gemacht, im künstlerischen und im architektonischen Bereich. Ich wüsste natürlich, was man da alles zaubern könnte“, sagt Benz.

Dass Ostervilm erst durch die Versteigerung so viel öffentliche Aufmerksamkeit bekam, ärgert ihn. Es sei „wie mit den Walen, die auch nicht vorkommen in der Welt, bis sie einmal gestrandet sind“. Der Künstler beklagt eine fehlende Risikobereitschaft in Deutschland – die Angst, einer persönlichen Begeisterung nachzugehen, wenn sie nicht gleich von anderen geteilt wird.

Inwiefern schon Gespräche mit Interessenten stattgefunden haben, gibt er nicht preis. Auch Daniela Tiker, die als Auktionistin der Norddeutschen Grundstücksauktionen AG bei der Versteigerung anwesend sein wird, weiß im Vorfeld nichts über mögliche Bieter zu berichten. „Die lassen sich nicht in die Karten schauen“, sagt sie. „Natürlich haben wir Nachfragen, aber wie viele davon tatsächlich kommen und mitbieten werden, ist nicht vorhersehbar.“ Das Mindestgebot für die alte Entmagnetisierungsstation liegt bei 39.000 Euro. Bieter können persönlich vorbeikommen, telefonisch ein Gebot abgeben oder einen Mitarbeiter des Auktionshauses damit beauftragen.

Er sei froh, sich nach der Versteigerung nicht mehr in einer Situation zu befinden, in der er nicht agieren könne. Gleichzeitig sei er sehr traurig, die Insel eventuell ganz abgeben zu müssen. „Das ist ein Alleinstellungsmerkmal“, sagt Benz. „Demjenigen, der die Insel bekommt, kann ich nur sagen: Wenn du jetzt noch Kohle hast, dann hast du da das Megaprojekt.“

This article was originally published by FAZ.

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