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Walter Isaacson: Der wichtigste Satz der Geschichte
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Die Welt3d agoOpinion3 min readGermany

Walter Isaacson: Der wichtigste Satz der Geschichte

Wie die Unabhängigkeitserklärung der USA die Welt für immer verändert hat

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  • Walter Isaacsons Buch analysiert die Bedeutung der amerikanischen Unabhängigkeitserklärung.
  • Er hinterfragt das "Wir" der Unterzeichner und kritisiert die heutige US-Gesellschaft für den Verlust des sozialen Ausgleichs.

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Walter Isaacsons Buch untersucht die Bedeutung der amerikanischen Unabhängigkeitserklärung und kritisiert die heutige US-Gesellschaft für den Verlust des sozialen Ausgleichs.

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Der US-Autor Walter Isaacson meint, den wichtigsten Satz der Geschichte ausgemacht zu haben: „Wir halten diese Wahrheiten für offenkundig, dass alle Menschen gleich erschaffen wurden, dass sie von ihrem Schöpfer mit gewissen unveräußerlichen Rechten ausgestattet wurden, darunter Leben, Freiheit und das Streben nach dem Glück.“ Grammatiker könnten einwenden, dass dieser Abschnitt aus der amerikanischen Unabhängigkeitserklärung mindestens drei Sätze enthält, einen Hauptsatz und zweieinhalb Nebensätze. Skeptiker, dass die Passage damals schon verlogen war und notorisch missachtet wird.

Und doch wird man Isaacson, den die meisten als Biografen kennen (von Leonardo da Vinci, Albert Einstein, Steve Jobs, Elon Musk), zustimmen, dass „noch heute jedes Wort und die Anschauungen dahinter es verdienen, eingehend untersucht und gewürdigt zu werden“. Das tut Isaacson in einem Buch auf kompakten 93 Seiten.

Wer etwa ist dieses „Wir“? Es waren zunächst drei Männer: Thomas Jefferson, Benjamin Franklin und John Adams. Dann die 65 Delegierten vom „Kontinental-Kongress“ der 13 britischen Kolonien in Nordamerika, die das Dokument unterschrieben. Keiner von ihnen war direkt gewählt. Sie hatten kein Mandat, im Namen eines Volkes zu sprechen, das es noch gar nicht gab. Überdies besaßen 41 von ihnen Sklaven – Jefferson allein 600. Weder dachten sie daran, ihren Sklaven jene gottgegebenen Rechte einzuräumen, noch den Ureinwohnern Amerikas, noch auch nur ihren eigenen Frauen und Töchtern. Ja, zu den Klagen, die diese Antikolonialisten gegen den britischen König vorbrachten, gehörte, dass er die Schwarzen zum Aufstand ermutige und die „Indianer“ zum Kriegführen. (Und dass er die Einwanderung beschränke.) Sie beriefen sich zudem auf einen „Schöpfer“, dessen Existenz für nicht wenige unter ihnen fraglich war.

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Und doch wirkt die Passage bis heute nach. Wie der Pastor und Kämpfer gegen die Sklaverei Theodore Parker 1853 sagte: „Der Bogen des moralischen Universums ist weitgespannt, aber er biegt sich in Richtung Gerechtigkeit.“ Martin Luther King zitierte den Satz 1968, und Isaacson gehört der Generation an, die von dieser Hoffnung beseelt war und sich in Donald Trumps Amerika fragt, ob sie noch gilt.

Isaacsons Schrift ist daher keine bloß historische und philologisch-philosophische Analyse. Aus der Überlegung, dass „liberty“ und „the pursuit of happiness“ eng miteinander verbunden sind, und dass beide in der Vorstellung der Gründerväter gebunden waren an Eigentum – dem Eigentum an der eigenen Person, an den Früchten der eigenen Arbeit, am Besitz, aber auch an gemeinsamen Gütern, die auch den ärmeren Bürgern zugutekommen –, leitet Isaacson eine Kritik der heutigen USA ab: „Franklin und Jefferson verstanden etwas von sozialem Ausgleich. (…) Heutzutage ist diese Kunst verloren gegangen.“

Gemeingut verpflichtet

Das Gemeingut – von den Streitkräften und der Polizei bis hin zu Schulen, Bibliotheken und Wohlfahrtseinrichtungen – „bildet die Grundlage zur Gestaltung eines Landes unbegrenzter Möglichkeiten“, so Isaacson. Er hätte auch jenen Satz aus der Unabhängigkeitserklärung zitieren können, der auf jenen „wichtigsten Satz der Geschichte“ folgt: „Dass zur Sicherung dieser Rechte Regierungen unter den Menschen eingeführt werden …“

Im heutigen libertären Diskurs gilt der Staat nur als Gefahr für die Freiheitsrechte des Individuums; die Kettensäge avanciert zum Freiheitssymbol. Dass es aber keine Freiheit ohne Sicherheit gibt; dass diese Freiheit nicht nur von übergriffigen Behörden, sondern auch von mächtigen Sonderinteressen bedroht wird; dass Freiheit nicht nur die Freiheit von etwas – „freedom“ – bedeutet, sondern die Freiheit zu etwas – „liberty“; dass also der Staat, wie es Jefferson & Co. vor 250 Jahren formulierten, zur Förderung der Freiheit unerlässlich sei: Auch das ist eine in manchen Kreisen unbequeme Wahrheit. Kurzum: Lesen Sie Isaacsons Buch. Es ist an einem Nachmittag zu bewältigen und gibt einem lange zu denken.

Walter Isaacson: Der wichtigste Satz der Geschichte. Wie die Unabhängigkeitserklärung der USA die Welt für immer verändert hat. C. Bertelsmann, 96 Seiten, 15 Euro.

Open Questions

  • Gilt die Hoffnung der Unabhängigkeitserklärung noch heute?
  • Wie wird sich die heutige libertäre Ideologie auf die Freiheitsrechte auswirken?

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This article was originally published by Die Welt.

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