Werner Enke, Drehbuchautor von „Zur Sache, Schätzchen“, stirbt mit 85 Jahren
Quick Look
- Der deutsche Drehbuchautor, Schauspieler und Maler Werner Enke ist im Alter von 85 Jahren in einem Münchner Krankenhaus verstorben.
- Er wurde bekannt durch den Film „Zur Sache, Schätzchen“ (1968), dessen Drehbuch er verfasste und in dem er die Hauptrolle spielte, und prägte einen lakonischen, selbstironischen Stil.
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Why It Matters
Werner Enke, geboren 1941 in Berlin, war ein deutscher Drehbuchautor, Schauspieler und Maler, der für seinen lakonischen und selbstironischen Stil bekannt war. Er verstarb im Alter von 85 Jahren nach schwerer Krankheit in München.
Der Drehbuchautor, Schauspieler und Maler Werner Enke ist am Montag nach Angaben aus dem Freundeskreis in einem Münchner Krankenhaus gestorben. Er wurde 85 Jahre alt und starb nach schwerer Krankheit.
Dass der Tod die Lakonie am Ende bezwingt: Das ist bei aller Tragik und bei aller Trauer längst nicht ausgemacht. Aber für alle Fälle hatte Werner Enke schon zu Lebzeiten vorgesorgt mit seinen charakteristischen Strichmännchen-Zeichnungen, in denen das Leben zwischen Komödie und Tragödie herumblättert wie in jenen Daumenkino-Cartoons, die schon der Zehnjährige gezeichnet hat in seiner Göttinger Kindheit. Geboren wurde er allerdings in Berlin, 1941. Abgelehnt von den Schauspielschulen in Berlin und München studierte er Theaterwissenschaften, Französisch und Germanistik. Die Sprache liebte er. Weil Worte nicht aus Buchstaben, sondern aus Geheimnissen bestünden.
„Sterben kann nicht so schlimm sein“, mutmaßt in Werner Enkes Comic-Buch „Es wird böse enden“ eines jener Strichmännchen, die „nach Formulierungen zwischen den Ritzen der Sprache suchen, wo eigentlich nichts mehr ist“. In diesem Fall auf einem Friedhof. Und warum kann das Sterben nicht so schlimm sein? „Sonst würden’s nicht so viele tun.“ An einer anderen Stelle sitzt ein Strichmännchen trotzig an der Bar und sinniert darüber, dass man nicht sterben will, solange man sterben muss. Wäre das Sterben etwas, was man kann, „würde man sich vielleicht dafür entscheiden“.
Es ist die valentineske Ambivalenz, die Enke feiert, das Hellheitere im Dunklen, das Saloppe im Förmlichen, das Dadaistische im Logischen, das Widerständige im Glatten und das Besondere im Alltäglichen. Jedenfalls: „Es wird böse enden.“ Der Titel von Werner Enkes Comic-Buch, das kein Buch, sondern ein Ritzen-Biotop der angewandten Philosophie ist, möglicherweise aber auch eine Buchstaben-und-Strichmännchen-Variante vom „Hobbyismus“, wie ihn Werner Enke als Maler zuletzt betrieb, taucht früh auf in jenem Film, der zur deutschen Kino-Überraschung im Jahr 1968 wurde.
May Spils, Drehbuchautorin, Regisseurin und langjährige Lebensgefährtin von Werner Enke, führte zum Drehbuch ihres Partners Regie: „Zur Sache, Schätzchen“ wurde als Filmkomödie in einer Zeit, da die Komödien deutscher Prägung noch immer etwas verkrampft Knödelhaftes hatten, zum Kassenerfolg des „Jungen Deutschen Films“. Drehbuch von ihm, Regie von ihr – und eine Komödie, in der sich das Wort Schätzchen auf Mätzchen und das Wort Bettchen auf Zigarettchen reimt … normalerweise könnte man dazu nur sagen: Das wird böse enden.
Noch dazu, wenn man bedenkt, dass das Ganze als Hommage an Godards Nouvelle-Vague-Film „Außer Atem“ angelegt war. Werner Enke als deutscher Jean-Paul Belmondo? Das wird böse enden. Es wurde aber eben drum eine Sensation, die später sogar in den USA lief unter dem Titel „Go for it, Baby“. Zum Erfolg wurde das Projekt, weil es dem Film gelingt, auf eine sehr ernst zu nehmende Weise gar nichts ernst zu nehmen. Am wenigsten sich selbst. So zauberhaft leichtfüßig, zugleich hintersinnig zeitkritisch, selbstironisch, lakonisch und heiter-melancholisch konnte einmal das deutsche Filmschaffen sein.
Hommage ans Nichtswollen im Leben
Wie aus solchem Talent und Kunstsinn so etwas wie die Degeto und der deutsche Medienmarkt werden konnte, ist ein Rätsel. Uschi Glas, die die weibliche Hauptrolle neben Werner Enke spielt als Schätzchen auf dem Polizeirevier, war Jean Seberg aus Godards Vorlage wohl auch nie wieder so nah wie damals, als die 68er nach politischer Ästhetik verlangten, aber aus Schwabing eine sagenhafte Slacker-Komödie geliefert bekamen. Spils’ Regie und Enkes Drehbuch, dazu sein entwaffnendes Schauspiel als Hommage ans Nichtswollen im Leben, das ein Alleskönnen sein kann: Deutschland war später nur noch selten so angenehm gaga und heiter dem Leben zugewandt.
Enkes „Zur Sache, Schätzchen“ wurde zum One-Hit-Wonder einer Bohème-Sehnsucht, in der auch schon das spätere Dietl-Monaco der Achtzigerjahre angelegt war. Was von all dem blieb? Die Mia-san-mia-Bubble einer Saturiertheit, die weder lustig noch tragisch, sondern einfach nur langweilig und banal ist.
„Dumpfbacke“, „tüllich“, „fummeln“: Die Sprache aus Enkes Antihelden-Spiel und Spils’ Anti-Heroik-Regie wurde zum Vokabular einer Lebenslust, in der der schlaffe Haro mit all seiner Gammelei und all seiner Nichtsnutzigkeit nicht für das Komödiantische steht. Auch nicht für das Tragische. Nicht für das Siegen, nicht für das Verlieren. Sondern für ein Leben, das nicht immer böse enden muss, weil es ja auch erfüllt und einfach so enden kann.



