Christine Wunnicke erhält den Büchner-Preis
Hızlı Bakış
- Christine Wunnicke, geboren 1966 in München, erhält den renommierten Büchner-Preis für ihr "unbekümmertes Eigensinn" und die "unbeirrbare Arbeit eines Vierteljahrhunderts".
- Die Jury lobt ihre faszinierenden Auseinandersetzungen zwischen Fakt und Fiktion, ihr Stilbewusstsein und ihre Vorreiterrolle bei Themen der sexuellen und gesellschaftlichen Diversität.
Yapay zekâ özeti
Neden Önemli?
Christine Wunnicke, geboren 1966 in München, ist eine Autorin, deren Werk sich durch historische Settings und die Auseinandersetzung mit Fakt und Fiktion auszeichnet. Sie hat sich über Jahrzehnte hinweg eine Nische in der Literaturwelt geschaffen.
Bis Christine Wunnicke in den Fokus der Literaturkritik und dann auch des Publikums gerückt ist, brauchte es Zeit. Zeit seit 1998, als „Fortescues Fabrik“ erschien, ein schmaler Roman über einen englischen Dichter des frühen neunzehnten Jahrhunderts, der seine Poesie in derart dichter Folge produziert, dass es nicht mit rechten Dingen zugehen kann. Tut es auch nicht, und zudem sind die Autoren, deren Einfällen sich der homosexuelle Fortescue bedient, oft seine Gespielen. Im Gewand eines historischen Romans erzählte Wunnicke in mehrfacher Hinsicht die Geschichte eines Außenseiters, der sich vom Rand ins Zentrum des Literaturbetriebs hineinarbeitet und von dort wieder ausgespuckt wird. Also das Gegenteil ihrer eigenen Schriftstellerinnenkarriere.
„Fortescues Fabrik“ blieb zunächst wenig beachtet, aber Wunnicke liebte den Stoff so sehr, dass sie ihn umarbeitete zur Erzählung „Missouri“ (dorthin verschlägt es ihren Helden), die 2006 erschien und dann noch einmal 2020, als Wunnicke schon eine erfolgreiche Autorin geworden war. Und beide Male publizierte sie den Text in Verlagen, die sich homosexueller Literatur widmen: Männerschwarm und Albino. In dieser Szene war Wunnicke schon lange ein Star. Spätestens jetzt ist sie es auch auf der großen Bücherbühne. Mehr als der Büchner-Preis, den die Akademie für Sprache und Dichtung vergibt, geht im deutschen literarischen Leben nicht.
Exotik als Verführungsmittel
Wunnicke, geboren 1966 in München, wo sie auch lebt, erhält die Auszeichnung für ihren „unbekümmerten Eigensinn“, wie die Jury mitteilt, „die unbeirrbare Arbeit eines Vierteljahrhunderts“ (etwas geizig gerechnet), „die mit jedem Buch in eine neue faszinierende Auseinandersetzung zwischen Fakt und Fiktion verwickelt“. Gut gesagt. Man könnte auch ihre Vorreiterrolle bei Themen der sexuellen und gesellschaftlichen Diversität preisen. Ihr immenses Stil- und Formbewusstsein. Oder die Treue, die Wunnicke ihren kleinen Verlagen hält. Der populärste Teil ihres Werks ist seit 2013 bei Berenberg erschienen, und ausgerechnet nach der kürzlich verkündeten Schließung dieses Unternehmens durch den Eigentümer Heinrich von Berenberg bekommt jetzt eine seiner Autorinnen den Büchnerpreis.
Damit werden Bücher wie „Der Fuchs und Dr. Shimamura“ (2015), „Die Dame mit der bemalten Hand“ (2020) und zuletzt „Wachs“ (2025) – um nur die drei besten zu nennen – endlich die gebührende Beachtung finden, obwohl sie auch jeweils für den Deutschen Buchpreis nominiert waren. Doch das virtuose Spiel mit Zeit und Form, das Wunnicke in ihren ausnahmslos historischen und meist in exotischen Handlungsräumen angesiedelten Geschichten betreibt, ist tatsächlich noch mehr für geduldige Leser (so kurz ihre Bücher auch sind) als für ein breites Publikum. Da ist sie beim Büchner-Preis genau richtig. Er versteht sich als elitär, was es für quantitativ erfolgreiche Qualitätsliteratur schwer macht. Das kann man schon daran ablesen, dass die drei derzeit international erfolgreichsten deutschsprachigen Autoren, Daniel Kehlmann, Jenny Erpenbeck und Saša Stanišić, den Büchner-Preis jeweils noch nicht bekommen haben.
Wunnickes Auftritt als Preisträgerin am 24. Oktober in Darmstadt wird einer der seltenen dieser Schriftsteller sein, die sich nicht für Lesungen gewinnen lässt, weil sie ihre Literatur selbst für sich sprechen lassen möchte. Aber seitdem sie 2020 den Wilhelm-Raabe-Preis verliehen bekam, ist sie zumindest an Dankesreden für Auszeichnungen gewöhnt: Es folgten unter anderen der Jean-Paul-Preis und erst jüngst der Jahrespreis der Darmstädter Jury „Buch des Monats“. Längst ist Christine Wunnicke akzeptiert und vielfach gefeiert. An ihrem Denken und Schreiben vom Rand her und über die Ränder dessen, was historisch unsere Kultur geformt hat, wird das nichts ändern.
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- Wie wird sich die Schließung des Berenberg Verlags auf Wunnickes zukünftige Publikationen auswirken?
- Wird Wunnicke ihre Zurückhaltung bei öffentlichen Auftritten beibehalten?



