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GeriDompteurin Carmen Zander: „Ich werde für meine Tiger kämpfen. Wie eine Löwin.“
Dompteurin Carmen Zander: „Ich werde für meine Tiger kämpfen. Wie eine Löwin.“
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Dompteurin Carmen Zander: „Ich werde für meine Tiger kämpfen. Wie eine Löwin.“

Hızlı Bakış

  • Carmen Zander, eine Dompteurin, kämpft gegen die Wegnahme von sechs ihrer acht Tiger durch Behörden.
  • Sie hält die Aktion für gesetzeswidrig und traumatisch für die Tiere, während sie die Haltungsbedingungen verteidigt.

Yapay zekâ özeti

Neden Önemli?

Die Dompteurin Carmen Zander verliert sechs ihrer acht Tiger an die Behörden, die eine Verbesserung der Haltungsbedingungen gefordert hatten. Sie hält die Maßnahme für rechtswidrig und traumatisch für die Tiere.

Yazı boyutu

Dompteurin Carmen Zander :

„Ich werde für meine Tiger kämpfen. Wie eine Löwin.“

Von

Eva Schläfer

09.07.2026, 13:08Lesezeit: 8 Min.

Ende Juni: Carmen Zander sieht zwei ihren Tigern beim Baden in ihrem Gehege zu.Jens Gyarmaty

Vor einer Woche wurden der früheren Dompteurin Carmen Zander sechs ihrer acht Tiger weggenommen. Hier erzählt sie, wie sie den Tag erlebt hat, warum sie die Aktion für gesetzeswidrig hält und wie es den verbliebenen Tieren geht.

Frau Zander, wie haben Sie am Mittwoch vor einer Woche von dem Einsatz am „Tigerplatz“ im sächsischen Dölzig, auf dem Sie Ihre Tiger halten, erfahren?

Ich war an dem Tag nicht zu Hause. Mein Nachbar rief mich gegen 7 Uhr an und sagte, dass bei mir an der Tür Polizeibeamte und weitere Beamte stehen. Ich habe dann am Telefon mit einem Veterinär gesprochen. Ich wurde immer wieder gefragt, wann ich wieder zuhause bin, ich habe immer wieder gefragt, worum es bitte geht. Irgendwann wurde mir dann gesagt: Wir nehmen Ihnen heute die Tiere weg. Den genauen Wortlaut weiß ich nicht mehr. Ich habe gesagt: „Um Gottes willen, das können Sie nicht machen. Bitte tun Sie das nicht. Ich muss erst meinen Anwalt kontaktieren.“ Mit ihm war ich gegen 10 Uhr vor Ort am Tigerplatz. Da musste ich von Weitem hören, wie meine armen Tiger im absoluten Stress waren. Von der Polizei sind wir aber weit entfernt vom Ort des Geschehens aufgehalten worden.

Bei den sechs Tigern, die mitgenommen worden sind, handelt es sich um Saphira, ein zwölf Jahre altes weibliches Tier, und ihre fünf Kinder. Wann sind diese auf die Welt gekommen?

Am 3. Dezember 2024. Ich war bei der Geburt dabei und habe das fünfte Tigerbaby erstversorgt. Ich habe alle Fünflinge durchgebracht. Fünf Tigergeschwister sind etwas Einzigartiges, die normale Wurfgröße liegt bei zwei bis vier.

Der Vater ist Sandokan: Der Tiger, der im Mai auf noch unbekanntem Wege seinen Käfig verlassen hat, einen Helfer von Ihnen schwer verletzte und dann von der Polizei erschossen wurde.

Ja. Für mich ist es wichtig zu betonen, dass mehrere Schieber und Türen vom Tigergehege geöffnet wurden und es zu keinem Zeitpunkt Sicherheitsmängel gab. Ich trage keine Schuld für diesen tragischen Unfall. Eine Sabotage ist nicht auszuschließen.

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Konnten Sie die sechs Tiere am Mittwoch vor dem Abtransport noch einmal sehen?

Nein. Ich habe sie nur schreien hören. Die sind durchgedreht. Sie waren schon vom ersten Einsatz mit Sandokan im Mai traumatisiert. Das war ein Rieseneinsatz von 13 Uhr bis 22 Uhr. Da lief das SEK schwer bewaffnet und mit schwarzen Anzügen herum. Auch da durfte ich schon nicht zu meinen Tieren, um sie zu beruhigen und zu versorgen. Vergangene Woche habe ich meine geliebten Tiger trotz Bitten und Betteln nicht noch einmal sehen und mich verabschieden dürfen. Ich fuhr dann mit meinem Anwalt in die Kanzlei, um eine einstweilige Verfügung zu erstellen. Ich wollte das rechtswidrige Geschehen stoppen und meine Tiger retten. Mein Team hat vor Ort Aufnahmen gemacht und mich laufend unterrichtet. Kurz vor 16 Uhr sind die Lkw dann losgefahren.

Vom Landkreis Nordsachsen hatten Sie mit Bescheid vom 1. April 2026 die Vorgabe erhalten, die Haltungsbedingungen so zu verbessern, dass sie den Platzvorgaben für Tierart und Gruppengröße gemäß Säugetiergutachten entsprechen – und das bis zum 30. Juni. Haben Sie das ignoriert?

Das ist diese große, verleumderische Angelegenheit, die da kursiert. Die Frist war nur bis zum 31. Mai, nicht bis 30. Juni. In zwei Monaten ist solch eine aufwendige Auflage, entweder den Tierbestand zu reduzieren oder die Richtlinien des Säugetiergutachtens einzuhalten, nicht umsetzbar. Im Januar hatte das Veterinäramt Nordsachsen mit einem Messdienst alle Innen- und Außenanlagen ausgemessen. Die Anlage hat 915 Quadratmeter Außenfläche und knapp 70 Quadratmeter Innenfläche auf zwei wirklich modern ausgebauten Sattelaufliegern. Meinen Tigern fehlte es an nichts, sie hatten eine artgemäße Unterbringung. Die Behörde aber sagt, dass ich gegen das Säugetiergutachten verstoße. Das muss ich dementieren! Und ich muss aufklären.

Inwiefern?

Das Säugetiergutachten ist zum einen nur eine Richtlinie, kein Gesetz. Und zum anderen ist das Säugetiergutachten für die Haltung einzelner Tiger angesetzt. Ich aber habe eine sozial strukturierte Gruppenhaltung. Deshalb ist bei mir eine Einzelfallprüfung notwendig. Darauf dringe ich seit Jahren. Für eine solche Gruppe ist eine Außenfläche von 900 Quadratmetern ausreichend. Ich habe also alle Auflagen erfüllt. Die Veterinärin des Landkreises Nordsachsen geht aber eiskalt über diese tatsächliche Gruppenhaltung hinweg.

Sie haben nach dem 1. April also keine konkreten Veränderungen an dem Gehege vorgenommen?

Musste ich ja nicht, ich war mir sicher, alle Vorgaben zu erfüllen. Weil ich die Gründe für den Änderungsbescheid mit sofortigem Vollzug nicht verstanden habe, habe ich eine extrem lange Gegendarstellung verfasst, die Begründung des Widerspruchs sozusagen. Die Veterinärin hat im Juni einfach geantwortet, das überzeuge sie nicht. Ich hatte ihr auch gesagt, dass ich es für absolut notwendig halte, dass die zuständigen Behörden, die die Anordnungen ausstellen, mal vor Ort kommen, um sich endlich ein Bild meiner Tigerhaltung zu machen: wie gesund und agil die Tiere sind, wie sie gehalten werden, dass sie Beschäftigungs- und Reizangebot haben. Die Veterinärin aber macht Tierleid davon abhängig, wie viele Quadratmeter die Tiere zur Verfügung haben, und das ist absoluter Schwachsinn. Für die Beurteilung der Tierpsyche gibt es Fachspezialisten, ich habe ein aufwendiges Gutachten über meine Tiger. Prädikat: sehr gut. Aber das wird einfach nicht akzeptiert. Ich bin nun mal ein Spezialfall. Ich falle weder unter die Zirkusleitlinien noch die Zooleitlinie. Ich bin eine Einzelfallbetrachtung. Aber das ist man einfach all die Jahre übergangen.

In Sachsen ist – anders als in anderen Bundesländern – die private Haltung von Tigern erlaubt. Sie selbst sagen aber, dass es sich gar nicht um eine private Haltung handelt.

Ich habe ein angemeldetes Gewerbe und keine Privathaltung, in die man mich seit Monaten versucht zu drücken. Über den Paragraphen 11 des Tierschutzgesetzes habe ich über all die Jahre die Genehmigung gehabt, Tiere zur Schau zu stellen und vorführen zu dürfen. Diese Genehmigung wurde ab Februar 2022 nicht mehr verlängert. Damit wurde mir die finanzielle Lebensgrundlage unmittelbar nach der Corona-Pandemie entzogen. Seitdem versucht man, mir dieses Säugetiergutachten aufzudrücken. Seit Jahren geht das Desaster. Ich habe die Größen der Gehege meiner Tiger immer weiter angepasst, das kann ich über Bild- und Videomaterial beweisen. Das wissen auch das Ordnungs- und Veterinäramt und die Naturschutzbehörde. Bei ihren Kontrollen haben sie auch immer festgehalten, dass es den Tieren im Ernährungs- und Pflegezustand gut geht, deswegen verstehe ich diese unverhältnismäßige Wegnahme nicht.

Auf Ihrer Webseite haben Sie ein Statement veröffentlicht, in dem Sie die Tiger durchgängig „Tigermäuse“ oder „meine Kinder“ nennen. Sie sind aber nicht die Mutter dieser Tiere – die auch keine Mäuse sind, sondern Raubkatzen. Sandokan hat einen Ihrer Helfer angefallen und sehr schwer verletzt. Können Sie verstehen, dass Außenstehende den Eindruck haben, dass Ihre Maßstäbe verschoben sind?

Es ist interessant zu hören, wie Sie als Laie darauf reagieren. Das sind doch nur Kosenamen. Andere nennen ihr Kaninchen oder ihren Hund Mausi. Wenn ich das tue, darf man niemals hineinprojizieren, dass ich mir der Gefahr meiner Raubtiere nicht bewusst wäre. Das ist ein Riesenfehler. Über so einen Kosenamen will ich einfach nur rüberbringen, was mir diese Tiere bedeuten, und versuche damit, in Kurzform die Liebe zu meinen Tigern auszudrücken. Sie sind mein Ein und Alles. Niemals würde ich sie, nur weil sie vielleicht unbequem werden, zu teuer oder nicht funktionieren, weggeben. Nein, ich habe die Tiere in mein Leben geholt. Damit habe ich gewusst: Bis zum Schluss bin ich für sie verantwortlich und begleite sie unter tiergerechten Bedingungen. Ich bin eine über 30 Jahre ausgebildete Tigerspezialistin, mit abgeschlossenen Prüfungen, heißt: Ich weiß, mit was ich zusammenarbeite. Raubtiere kann man niemals fügig machen wie einen Hund. Raubkatzen bleiben immer instinktive Raubkatzen. Wenn ihnen etwas nicht passt, zeigen sie es sofort, eventuell auch mit einem Angriff. Da das mit mir nie passiert ist, habe ich alles richtig gemacht. Dass Sandokan den Helfer verletzt hat, muss durch eine Ausnahmesituation der Hilflosigkeit sowie durch äußere Einflüsse passiert sein.

Sie erheben in dem Statement auch den Vorwurf eines „tierschutzwidrigen Verbrechens“. Was meinen Sie damit?

Erstens: Man kann Tiger, die in einem absoluten Adrenalinzustand waren, nicht einfach betäuben. Das geht gar nicht. Zweitens: Wie können Tierärzte behaupten, dass die Tiere gesund und transportfähig sind? Sie kannten meine Tiger nicht. Sie wussten nicht, wann sie vorher gefressen haben. Sie wussten nicht, ob einer vielleicht Diabetes hat, ob sich der andere in einer antibiotischen Behandlung befindet oder vielleicht ein epileptisches Tier dabei ist. Nächstes Problem: Wie kann man die Tiere ohne Impfpässe, die ich zu Hause habe, über die Grenze bringen? Meine Tiger waren auch nicht an den Transport gewöhnt. Und dann noch ein Langzeittransport von über 2500 Kilometern, ohne Fütterung. Jeder Zoo, jede Einrichtung mit Raubtieren trainiert das vorher über Wochen auf sanfte Weise. Warum hat man mich nicht zur Hilfe genommen? Ich bin die Bezugsperson. Ich wäre sogar bereit gewesen, meine Tiger tiergerecht, ohne lebensgefährliche Narkose, mit meinem Vierzigtonner nach Spanien zu fahren, sie in der Quarantäne zu begleiten und sie noch in ihre neue Unterbringung zu bringen. Aber man hat mit mir nicht zusammengearbeitet. Die Tierärzte sind wissentlich das Risiko der Narkose eingegangen. Das verstößt gegen das Tierschutzgesetz.

Die beiden Tiere, die Ihnen verblieben sind, heißen Kiara und Imana. Wie nehmen Sie deren Verhalten wahr, seitdem die anderen Tiere weg sind?

Sie sind absolut verstört und traumatisiert.

Wie zeigt sich das?

Wenn ich normalerweise am Tigerplatz ankomme, beginnt sofort das Gemauze. Also die Begrüßung. Jetzt ist absolute Ruhe, weil die beiden erst mal um die Ecke gucken, wer da kommt. Sie müssen sich vorstellen: Die wurden ja zweimal aus dem Schlaf gerissen. Damals bei Sandokan und eben jetzt. Innerhalb von nicht mal anderthalb Monaten kamen fremde Menschen, viele Menschen. Mit Fahrzeugen, mit einem Radlader, Transportkisten. Meine Tiger kennen das nicht mehr, seitdem ich 2022 das Tierschauverbot habe. Ich habe keine Vorführungen mehr, sondern nur ein tiergerechtes Training, privat. Heißt, meine Jungtiere kennen gar nicht wirklich viele Menschen, sondern nur unser Tigerteam. Jetzt sind sie verschreckt, sie brauchen ein paar Minuten, um sich zu sortieren: Ah, es ist ja unsere Mutti, da kommt keine Gefahr. Erst dann geht es los. Miau, miau, miau – Mutti ist da. Das ist das eine.

Und das andere?

Sie suchen auf dem ganzen Gelände nach ihren Artgenossen. Imana ist kurzatmig und nervös. Sie ist so was von am Suchen, das bricht mir mein Herz. Man hat ihr den Tigervater Sandokan, das Muttertier Saphira und ihre Geschwister genommen. Kiara ist schon über 20. Sie schreit nur noch, wie das Bengaltiger so machen, wenn sie Stress haben und plötzlich allein sind. Auch die ganzen Firmen, die neben dem Tigerplatz sind, bestätigen, dass sie mehr ruft.

Versuchen Sie, juristisch jetzt gegen die Fortnahme der Tiere vorzugehen

Selbstverständlich. Das war ja eine Enteignung auf absolut ungerechtfertigtem und rechtswidrigem Weg. Ich bin die Besitzerin meiner Tiger. Die originalen Cites, also die Artenschutzbescheinigungen, wurden zu Unrecht von der Kriminalpolizei beschlagnahmt. Als mir die Tiere weggenommen worden sind, hat die Behörde diese Papiere aber einfach für ungültig erklärt und neue ausgestellt. Das ist unfassbar. Das geht gar nicht und ist gesetzeswidrig.

Wie wollen Sie sich zur Wehr setzen?

Ich musste mich jetzt erst mal ein paar Tage fangen und meinen tiefen Schmerz verarbeiten. Nun werde ich mich mit meinem Anwalt besprechen. Wie wir vorgehen werden, dazu kann ich noch gar nichts weiter sagen. Ich weiß nur, dass ich es mit einer riesigen Tierrechtsindustrietrie zu tun habe, die Geld und Macht hat. Wie soll ich dagegen ankommen? Wenn ich es nicht schaffen sollte, meine Mäuse aus diesem Albtraum herauszuholen, was mein oberstes Ziel ist, dann steht mir zumindest ein Wahnsinnsschadenersatz zu. Aber auch das ist mir nicht wichtig, sondern wichtig ist, dass alle Beteiligten verantwortlich gemacht und bestraft werden. Alle. Mir ist bewusst, dass es ein langer Prozess werden wird. Diese Aktion hatte nichts mit Tierschutz zu tun. Hier geht es um Kommerz.

Bislang heißt es, die Tiere sollen jetzt zunächst in Spanien bleiben. Falls dem so wäre, würden Sie dann versuchen, sie dort zu besuchen?

Natürlich will ich versuchen, sie zu besuchen. Die AAP (Anmerkung der Redaktion: die Tierschutzorganisation, die die Tiger nun in Spanien unterbringt) hat mir das aber noch nicht persönlich angeboten, obwohl es öffentlich kursiert, dass ich die Tiere besuchen könnte. Ich werde für meine unschuldigen Schützlinge kämpfen. Wie eine Löwin.

Quelle: F.A.Z.Artikelrechte erwerben

Eva Schläfer

Redakteurin im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

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  • Wird Carmen Zander die Tiere zurückbekommen?
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