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GeriThüringen wirbt um zurückkehrende Pendler
Thüringen wirbt um zurückkehrende Pendler
Siyaset
Die Zeit20.05.2026Siyaset5 dk okumaGermany

Thüringen wirbt um zurückkehrende Pendler

Hızlı Bakış

  • Thüringen versucht, Berufspendler zur Rückkehr zu bewegen.
  • Die Agentur für Fachkräftegewinnung (TAFF) setzt auf Pendlertage und eine Stellenbörse.
  • Trotz Fachkräftemangels und steigender Löhne bleibt die Lohnlücke zum Bundesdurchschnitt ein Hindernis.

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Mehr Zeit für Eltern und Kinder, vielleicht das Häuschen der Oma in Aussicht: Für Thüringer, die in einem anderen Bundesland arbeiten, könnte es attraktiver werden, in die Heimat zurückzukehren. Die Thüringer Agentur für Fachkräftegewinnung (TAFF) will ihnen das schmackhaft machen - mit Pendlertagen, einer Stellenbörse und zunehmend digitalen Informationen.

Das Potenzial ist groß: Jeder siebte Arbeitnehmer mit Wohnsitz in Thüringen fährt zur Arbeit in ein anderes Bundesland. «Die Chancen, in Thüringen einen qualifizierten und gut bezahlten Arbeitsplatz zu finden, sind gestiegen», sagte Sabine Wosche, Geschäftsführerin der Landesentwicklungsgesellschaft (LEG) in Erfurt, zu der die TAFF gehört.

Wie viele Berufspendler gibt es und wie ist der Trend?

Obwohl die Wirtschaft seit Jahren über Fachkräftemangel und langwierige Stellenbesetzungen klagt, sind immer noch viele Thüringer Berufspendler - oft nehmen sie lange Fahrtstrecken zur Arbeit in Kauf. Nach Zahlen der Regionaldirektion der Bundesarbeitsagentur gab es Mitte vergangenen Jahres unter den insgesamt 834.000 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte in Thüringen 125.000, die in einem anderen Bundesland ihr Geld verdienten. Das waren 1.100 weniger als ein Jahr zuvor.

Die meisten Berufspendler arbeiten demnach in den Nachbarländern Bayern, insgesamt mehr als 32.000, Sachsen mit fast 22.000, Sachsen-Anhalt mit 9.600 sowie Hessen mit 7.600. Nach Einschätzung der Arbeitsagenturen sind unter ihnen 69.400 Fachkräfte, 38.700 gelten als Spezialisten, 16.800 arbeiten in Helferberufen. Sie haben vor allem Jobs in der Industrie, im Kfz- und Baugewerbe sowie im Gesundheits- und Sozialwesen. Als klassische Pendlerregionen gelten vor allem große Teile Süd- und Westthüringens.

Sorgt der Generationenwechsel für attraktivere Jobs?

Wie wichtig für Thüringen die Rückgewinnung von Pendlern ist, illustriert Wosche mit einer Zahl: Immer mehr Thüringer erreichen das Renten- und Pensionsalter und melden sich aus dem Berufsleben ab: Die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten gehe in den nächsten Jahren Schritt für Schritt um 120.000 bis 140.000 zurück. «Das ist eine dramatische Zahl», so die LEG-Geschäftsführerin. Sie sei nicht durch Digitalisierung oder dem Einsatz Künstlicher Intelligenz in immer mehr Tätigkeitsbereichen vollständig auszugleichen.

Damit werden immer mehr Stellen frei - auch attraktive und gut bezahlte - darunter in vielen technischen Bereichen, in der Verwaltung oder im Management von Unternehmen. Allein die Stellenbörse der TAFF weist derzeit 7.600 Jobangebote aus - vom Praktikumsplatz bis zum spezialisierten Ingenieur mit Managementerfahrung. Von den Stellen würden im Schnitt pro Jahr etwa 2.000 besetzt, so Wosche. Hinzu kämen tausende Stellen bei den Arbeitsagenturen, mit denen die TAFF zusammenarbeite. Fehlende Arbeitskräfte könnten das Wachstum in Thüringen bremsen, sagen Wirtschaftswissenschaftler.

Was unternimmt die Fachkräfteagentur?

«Wir haben unsere Formate den Lebensgewohnheiten der Menschen angepasst», sagte Wosche. Pendlertage gebe es in den verschiedenen Regionen am Wochenende, 2025 seien sie erstmals zwischen Weihnachten und Silvester in verschiedenen Städten gleichzeitig veranstaltet worden, um möglichst viele Menschen zu erreichen. Aber auch bei Veranstaltungen wie dem Rennsteiglauf sei die TAFF präsent. Die Agentur verstehe sich als Anlaufstelle, die Menschen bei der Arbeitssuche und Unternehmen bei der Personalsuche unterstützt.

Nach ihrer Einschätzung werben Unternehmen für ihre Stellenangebote inzwischen geschickter und nähmen mehr Rücksicht auf die Bedürfnisse potenzieller Bewerber. «Wir haben interessante Jobs anzubieten. Die Nachfrage der Unternehmen ist ungebrochen, die Chancen steigen» - trotz des derzeit stagnierenden Thüringer Arbeitsmarkts.

Was spricht gegen das Pendeln?

Neben Stellenangeboten spielten familiäre Gründe bei Rückkehr-Überlegungen eine wichtige Rolle, so die Erfahrung von Wosche. Es gehe darum, Familiennetzwerke zu pflegen, mehr Freizeit zu haben statt im Zug oder Auto zu sitzen oder darum, sich um pflegebedürftige Eltern zu kümmern. Wie erfolgreich die Pendlerrückgewinnung ist, kann sie allerdings nicht sagen. «Darüber gibt es keine Statistiken.»

Der Chef der Regionaldirektion der Bundesarbeitsagentur, Markus Behrens, sieht noch einen anderen Grund, der gegen das Pendeln spricht: Es sei durch die gestiegenen Benzin- und Dieselkosten für viele Beschäftigte zu einer finanziellen Belastung geworden. «Wenn Infrastruktur, Arbeitsbedingungen und Bezahlung stimmen, werden Arbeitsplätze in der Heimat für viele Menschen attraktiver», glaubt Behrens.

Warum arbeiten trotzdem so viele Menschen anderswo?

Neben guten Jobs, jahrelanger Betriebsbindung und netten Kollegen ist der entscheidende Grund nach Einschätzung von Gewerkschaftern der Verdienst. Thüringen gilt seit Jahren als Bundesland mit den geringsten Einkommen im Vergleich der Bundesländer - trotz steigender Tendenz.

Zahlen für das vergangene Jahr liegen noch nicht vor. 2024 waren Löhne und Gehälter im Freistaat nach Berechnungen der Bundesagentur für Arbeit jedoch um sechs Prozent oder 198 Euro auf 3.307 Euro brutto im Monat gestiegen. Das bundesweite Median-Bruttomonatsentgelt für vollzeitbeschäftigte Arbeitnehmer in Deutschland lag 2024 bei etwa 4.013 Euro.

Bei den Werten zu den Entgelten handelt es sich nicht um klassische Durchschnittsangaben, sondern um Mittelwerte (Median). Da einige sehr hohe Gehälter den Durchschnittswert verzerren, ist der sogenannte Medianwert oft aussagekräftiger: Bei der Hälfte der Beschäftigten liegt das Einkommen darüber, bei der anderen Hälfte darunter.

Als Hauptgrund für die Lohnlücke nennt der DGB die geringe Tarifbindung, nicht nur in Thüringen. Nur 42 Prozent der Beschäftigten in den ostdeutschen Bundesländern arbeiteten demnach in tarifgebundenen Betrieben, im Westen seien es 50 Prozent. In Thüringen verdienten Beschäftigte mit Tarifvertrag im Schnitt 740 Euro mehr im Monat als die ohne. Inzwischen wirbt auch die Landesregierung bei den Unternehmern, Tarifverträge für ihre Beschäftigten abzuschließen.

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Bu haber ilk olarak şurada yayınlandı: Die Zeit.

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