Dürre an der Donau: Niedrigwasser legt Kriegswracks und Relikte frei
Die historische Trockenheit der Donau offenbart nicht nur wirtschaftliche Krisen, sondern fördert auch Zeugnisse aus dem Zweiten Weltkrieg und der Eiszeit zutage.
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Die historische Dürre an der Donau legt infolge von Rekordhitze und Niedrigwasser Wehrmachtssoldaten, Kriegsschiffwracks, eine Tellermine sowie Mammutknochen in Ungarn, Serbien und Bulgarien frei.
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Rekordhitze und minimale Niederschläge führen in Europa zu historischem Niedrigwasser an Flüssen wie der Donau.
Die Dürre an der Donau ist mehr als ein Wetterphänomen. Sie legt die Verwundbarkeit eines ganzen europäischen Wirtschafts- und Lebensraums offen. Kreuzfahrtschiffe stecken fest, Transporteure können nur noch mit geringer Ladung fahren, Atomkraftwerke müssen ihre Leistung drosseln, Landwirte zahlen mehr für Bewässerung und bangen um Ernten. Europas zweitgrößter Fluss wird in diesen Wochen zum Pegel der Krise.
Zugleich verwandelt das Niedrigwasser den zweitgrößten Strom Europas in ein Archiv ohne Deckel. Was sonst unter Strömung, Schlamm und Tiefe verborgen bleibt, tritt plötzlich hervor: Relikte des Zweiten Weltkriegs, Spuren militärischer Niederlagen, aber auch Zeugnisse aus prähistorischer Zeit.
In Budapest bargen Mitarbeiter des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge die Gebeine zweier Wehrmachtssoldaten. Auch ein Motorrad und eine Tellermine kamen ans Licht. Dass Motorrad und Erkennungsmarken gut erhalten sind, erklärt die Organisation mit dem Hafenschlamm, der dort mit Gasöl vermischt ist und wie ein Konservierungsmittel wirkt.
Normalerweise sei von den Marken im Todesfall eine Hälfte bei dem Soldaten belassen und die andere Hälfte nach Berlin geschickt worden, wo die Wehrmachtsauskunftstelle den Tod dokumentierte und die Angehörigen benachrichtigen ließ. Die Familien dieser beiden Toten warteten also vergeblich auf offizielle Nachricht.
Weiter flussabwärts, bei Prahovo in Serbien, zeigen sich erneut Wracks deutscher Kriegsschiffe. Sie gehören längst zu den gespenstischen Sommerbildern der Donau. Kurz vor Kriegsende hatte die deutsche Marine die Schiffe dort selbst versenkt, am Eisernen Tor, dem Durchbruchstal an der Grenze zu Rumänien. Sie sollten den Vormarsch der Sowjets behindern, die der zurückweichenden Wehrmacht folgten.
Doch das Niedrigwasser legt nicht nur die Gewaltgeschichte des 20. Jahrhunderts frei. Bei Rjachowo in Bulgarien, unweit von Russe, entdeckte ein Anwohner Knochen eines Mammuts. Das regionale Geschichtsmuseum bestätigte den Fund: Unterkiefer, zwei Stoßzähne und eine Rippe. Die Donau reicht hier gleichsam aus der Eiszeit bis in die Gegenwart.
Manche Funde sind allerdings keine stummen Erinnerungsstücke, sondern akute Gefahren. In Budapest musste der Kampfmittelräumdienst anrücken; die Tellermine 35 gilt auch nach Jahrzehnten als potentiell tödlich. Nahe Virt in der Slowakei lag zuletzt eine britische Antischiffsmine aus dem Zweiten Weltkrieg im ausgetrockneten Flussbett. Die Polizei sperrte den Abschnitt für die Schifffahrt.
Auch die Wracks von Prahovo sind nicht bloß historische Kulisse. Bei Niedrigwasser werden sie zu Hindernissen für die Kapitäne. Die EU fördert deshalb ihre Bergung, zumindest dort, wo sie besonders gefährlich liegen.
Der betroffene Teil Europas erlebt derzeit einen Sommer mit Rekordhitzewerten und minimalen Niederschlägen. Am Dienstag vergangener Woche maß eine Messstelle in Budapest eine Temperatur von 40,3 Grad Celsius. Dies war dort der absolute Rekordwert für Anfang August, seitdem es Messungen gibt. Hitze und Trockenheit nehmen der Donau das Wasser. Am Abend des 2. Augusts stellte die Landeswasserdirektion in Budapest den Rekordtiefstand von nur neun Zentimetern fest. Die Donau ist eine Lebensader für viele Menschen und trägt zum Wohlstand bei. Sie verbindet zehn Länder vom Schwarzwald bis zum Schwarzen Meer.
أسئلة مفتوحة
- Wann wird sich der Pegelstand der Donau wieder normalisieren?
- Wie hoch sind die Gesamtschäden für die Binnenschifffahrt?





