Kanada steht vor milliardenschwerer U-Boot-Entscheidung
نظرة سريعة
- Kanada steht kurz vor der Entscheidung über den Kauf von zwölf U-Booten im Wert von bis zu 90 Milliarden Dollar.
- Premierminister Mark Carney wird nächste Woche den bevorzugten Partner bekannt geben: entweder TKMS aus Deutschland oder Hanwha Ocean aus Korea.
- Der Auftrag beinhaltet nicht nur militärische Leistung, sondern auch einen starken Fokus auf nationale Wertschöpfung und Technologietransfer für Kanada.
ملخص مُنشأ بالذكاء الاصطناعي
لماذا يهم
Kanada plant die Beschaffung von zwölf U-Booten, um seine Marine zu modernisieren und seine Verteidigungsfähigkeiten angesichts globaler Bedrohungen zu stärken. Der Auftrag ist mit erheblichen wirtschaftlichen und technologischen Anforderungen verbunden.
Die Entscheidung um einen der größten Marineaufträge der NATO steht unmittelbar bevor. Nächste Woche voraussichtlich wird der kanadische Premierminister Mark Carney bekannt geben, wer der bevorzugte Partner sein wird für die zwölf U-Boote, die Kanada beschaffen will. Entweder fällt die Wahl auf den Kieler U-Boot-Spezialisten TKMS (früher ThyssenKrupp Marine Systems) oder auf Hanwha Ocean aus Korea. „Beide erfüllen die sehr hohen Anforderungen der kanadischen Navy“, hatte Carney schon im vergangenen September bestätigt. Danach hatte das Wettbieten eine Form angenommen, die man bisher selten beobachten konnte.
Im Kern geht es um den Auftrag für zwölf U-Boote zu einem Kaufpreis in der Größenordnung von 60 Milliarden kanadischen Dollar, was umgerechnet etwa 37 Milliarden Euro wären. Explizit verlangt Kanada aber nicht nur militärische Spitzenleistung, sondern auch einen zentralen Beitrag zu nationalen Wertschöpfung. So schreibt es die im Februar verabschiedete Defence Industrial Strategy vor. Die Erwartungen reichen dabei nicht nur weit über das industrielle Auftragsvolumen hinaus, sondern orientieren sich auch an den Gesamtausgaben, die Kanada während der nächsten Jahrzehnte für die U-Boote tätigen muss, von der Ausbildung bis zur Wartung. So gerechnet, liegt der Auftragswert sogar bei 90 Milliarden kanadischen Dollar (56 Milliarden Euro), und so ist das Projekt im kanadischen Verteidigungshaushalt umrissen. Wenn Carney also Bundeskanzler Friedrich Merz darüber informieren wird, ob TKMS für Kanada die bevorzugte Wahl ist, dann geht es keineswegs nur um die Auslastung der Werften in Deutschland, sondern es geht vor allem um Arbeitsplätze, Investitionen und Technologietransfer zugunsten Kanadas.
F.A.Z.-Artikel häufiger in Ihren Suchergebnissen sehen
F.A.Z. bei Google bevorzugen
Simulatoren, Satelliten, CO₂-Abscheidung
In kurzen Abständen veröffentlichte TKMS in den letzten Monaten Absichtserklärungen mit potentiellen Zulieferern, Forschungseinrichtungen und weiteren Kooperationspartnern. Einiges davon ist eng mit dem U-Boot-Auftrag verknüpft, oder es betrifft zumindest den Verteidigungssektor. Zu den großen Projekten zählt etwa ein Leistungszentrum für Simulation, Training und langfristige Wartung in Kooperation mit dem Technologiekonzern CAE. Zusammen mit Isar Aerospace soll der Bau einer Startinfrastruktur für Satelliten und Trägerraketen in Kanada vorangetrieben werden. Eine zum Thyssenkrupp-Konzern gehörende Gesellschaft bringt sich in den Aufbau eines Zentrums für CO₂-Abscheidung ein. Auch das Angebot des bundeseigenen Gasimporteurs Sefe, von Kanada künftig jährlich eine Million Tonnen LNG (Flüssiggas) zu kaufen, ist dem Ringen um diesen Auftrag zuzuordnen. Sogar Investitionen der Autoindustrie, wie Kanada sie gern hätte, wurden geprüft.
Alles zusammengerechnet, sollen durch die deutsche Seite in Kanada Investitionsanreize im Volumen von gut hundert Milliarden Euro gesetzt werden. Damit seien 650.000 Arbeitsplatzjahre gesichert, hat ein kanadisches Beratungsunternehmen akribisch ausgerechnet. Womöglich werden sehr schnell Zigtausende zusätzliche Stellen geschaffen, wird erwartet. Das koreanische Angebotsbündel kommt demnach nur auf rund ein Drittel dieses Werts.
TKMS-Vorstandschef Oliver Burkhard ist optimistisch. „Ich gehe davon aus, dass wir das gewinnen werden“, sagte er Mitte Mai bei der Vorlage der Zahlen zum ersten Geschäftshalbjahr, das am 31. März endete: „Deutschland hat ein Industriepaket geschnürt, das seinesgleichen sucht.“ Sowohl die Industrie als auch die Politik hätten ganze Arbeit geleistet.
Hanhwa allerdings hat noch einmal eine neue Dimension in den Konkurrenzkampf eingebracht. So starteten die Koreaner eine groß angelegte Werbeoffensive. Kanadas Hauptstadt Ottawa wurde mit Plakaten gepflastert, vom Parlamentshügel bis zum Flughafen. Im Fernsehen und online wurde eine Kampagne mit Peter Mansbridge gestartet, der als langjähriger Moderator der wichtigsten Nachrichtensendung quasi die Stimme Kanadas ist. „Um erfolgreich zu sein, muss man seine Marke etablieren“, erklärte der kanadische Hanwha-Statthalter Glenn Copeland der Zeitung „The Canadian Press“. Mit Blick auf das professionelle Publikum wiederum trat Hanwha als „Diamant-Sponsor“ der Rüstungsmesse Cansec auf.
Wie der Umstieg von einem alten Honda auf einen Tesla
Ein wahrhaftiges U-Boot wiederum öffnete die Luken für Militär, Industrie und Politik: Korea hatte die „Dosan Ahn Chang-ho“ auf eine 14.000 Kilometer lange Reise zur kanadischen Marinebasis Esquimalt geschickt. Es fühle sich an wie der Umstieg von einem Honda Baujahr 1999 auf einen Tesla, wurde ein kanadischer Militär anschließend zitiert. Aktuell besteht die kanadische Flotte aus vier U-Booten, die in den 1990er-Jahren gekauft wurden, schon damals gebraucht. Umso größer der Kontrast, den die Koreaner aufzeigten, als sie zuletzt sogar in Aussicht stellten, ihre Boote mit einem Atomantrieb auszustatten, womit auch mächtige Eisdecken für die U-Boote kein Problem wären. Bisher allerdings hat Hanwha keine Erfahrung mit Atom-U-Booten, und die Ausschreibung sah explizit auch konventionelle U-Boote vor.
Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius pries seinerseits auf der Rüstungsmesse Cansec den U-Boot-Typ 212 CD an, mit dem TKMS im Rennen ist: ein Boot, bestens getarnt und trotz verbesserter Ortungsverfahren fast unentdeckbar, mit Brennstoffzellenantrieb für lange, geräuschlose Tauchfahrten und von vornherein auf den Einsatz im Eis entwickelt: „Das Boot wurde für den Norden gemacht.“
Trump sähe Kanada gern als 51. Bundesstaat
Maßgeblich getrieben wird die Aufrüstung in Kanada durch die politische Großwetterlage. Kanada empfindet nicht nur die wachsende Bedrohung durch China und Russland, sondern sieht sich auch mit der Forderung von US-Präsident Donald Trump konfrontiert, der Kanada gern zum 51. Bundesstaat machen möchte. Das spricht nicht zwangsläufig für eine Beschaffung in einem NATO-Land. Auf dem Weltwirtschaftsforum im Januar in Davos bekräftigte Carney, Mittelmächte wie Kanada und Deutschland müssten sich zusammentun – wobei sich auch Korea als eine dieser Mittelmächte profilieren möchte. Deutschland indessen ist gemeinsam mit Norwegen und mittlerweile auch Dänemark über eine maritime Sicherheitspartnerschaft mit Kanada verbunden, die auch auf Rüstungskooperation basiert.
„Wir wollen Seite an Seite für Sicherheit sorgen im Nordatlantik, dem hohen Norden und auch der Arktis“, versprach Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) bei seinem Besuch auf der Cansec und stellte in Aussicht: „Gemeinsam können wir die weltweit größte und modernste konventionelle U-Boot-Flotte bauen.“ Der Bootstyp 212 CD (CD für Common Design) wird von TKMS seit 2023 entwickelt, um für Norwegen und Deutschland insgesamt zwölf U-Boote zu bauen. Zusammen mit einem Auftrag aus Kanada gäbe es in der NATO dann 24 baugleiche Schiffe, was zahlreiche Vorteile nicht nur in Entwicklung und Produktion der Schiffe bietet. „Interoperabilität“, also die nahtlose und effektive Zusammenarbeit der Waffensysteme, ist vor allem für die Militärs ein wichtiges Argument.
Tempo ist ein nicht minder wichtiger Aspekt. „I need them yesterday“ zitiert die Zeitung „Ottawa Citizen“ David Patchell, den Kommandeur der kanadischen Seestreitkräfte im Pazifik, der zudem einräumte, aktuell sei überhaupt nur eines der vier kanadischen U-Boote einsatzfähig. Der koreanische Hanwha-Konzern soll in Aussicht gestellt haben, die ersten vier KSS-III-Boote im Jahr 2035 auszuliefern und die übrigen nach und nach bis zum Jahr 2043. Voraussetzung dafür wäre eine Vertragsunterzeichnung im Jahr 2026.
TKMS könnte schon 2032 liefern
TKMS-Vorstandschef Oliver Burkhard hat in der Hinsicht ein deutlich besseres Angebot, mit einer ersten Auslieferung schon im Jahr 2032. „Das wäre die Taktfolge: 2032, 33, 35, 36“, zitiert die Zeitung „The Canadian Press“ den Manager. TKMS greift dafür in die Trickkiste: Weil Deutschland und Norwegen schon im Jahr 2023 solche gleichen Boote bestellt haben, werden bald die ersten davon fertig sein. Und: Deutschland und Norwegen würde Kanada im Zeitplan der Auslieferung an einigen Stellen den Vorrang einräumen, hat auch Verteidigungsminister Boris Pistorius schon angekündigt.
Wann die Entscheidung fällt, ist nicht ganz sicher. Mit Blick auf bevorstehende Feiertage in Kanada werden Andeutungen von Kanadas Premier Mark Carney so gedeutet, dass er am 23. Juni Klarheit schaffen will. Wer auch immer das Rennen macht, kann sich aber deswegen noch nicht sicher sein, ob es wirklich klappt. Carney wird nämlich lediglich den „preferred bidder“ benennen, also jenes Unternehmen, mit dem dann ein Vertrag ausgehandelt werden soll, während der unterlegene Bieter auf die Reserveposition rückt. Der Poker ginge weiter.
ما الذي يجب مراقبته
توقعات الذكاء الاصطناعي — احتمالات وليست حقائق
Premierminister Carney gibt den bevorzugten Bieter für die U-Boote bekannt.
مرجح جداً · خلال أيام
TKMS erhält den Zuschlag für die U-Boot-Beschaffung.
محتمل · خلال أسابيع
أسئلة مفتوحة
- Welches Unternehmen wird den Zuschlag erhalten?
- Wie werden die langfristigen Wartungs- und Ausbildungskosten aussehen?
- Welche Auswirkungen hat die Entscheidung auf die deutsch-kanadischen Beziehungen?




