Argentinien bei der WM: Alles wie immer – oder?
Auf einen Blick
- Argentinien reist als Titelverteidiger zur WM, doch die Mannschaft ist kaum verändert.
- Trainer Scaloni setzt auf die Helden von 2022, während neue Talente fehlen.
- Die Historie warnt vor der Stagnation.
KI-generierte Zusammenfassung
Warum es wichtig ist
Argentinien tritt als Titelverteidiger bei der Fußball-WM an, doch die Mannschaft hat sich seit dem Sieg 2022 kaum verändert. Trainer Scaloni setzt auf bewährte Kräfte, während neue Talente fehlen.
Ángel di María hat zuletzt einige Interviews gegeben, er hat ja Zeit. Die argentinische Liga, wo der inzwischen 38 Jahre alte Angreifer für Rosario Central spielt, pausiert gerade. Los geht es erst wieder in fünf Wochen, was aus Sicht von di María und Millionen anderer Argentinier sehr praktisch ist. Sie können die Spiele der Weltmeisterschaft ganz in Ruhe verfolgen.
So mancher hätte sich gewünscht, dass di María im Juni nicht daheim vor dem Fernseher sitzt, sondern mit der Nationalmannschaft versucht, den Titel erfolgreich zu verteidigen. Aber der Mann, den sie „el fideo“, die Nudel, nennen, hat dankend abgelehnt, vor zwei Jahren schon. Damals war er nach dem Sieg bei der Copa América aus der Selección zurückgetreten. An seiner Meinung hat sich seitdem nichts geändert, sehr zum Bedauern auch von Trainer Lionel Scaloni.
Ángel di María ist damit der Exot unter den Weltmeistern von 2022, die fast geschlossen zur Mission Titelverteidigung nach Nordamerika gereist sind. Von den 26 Spielern, die Scaloni nominiert hat, waren 17 schon in Qatar dabei. Di María ist aus der Startelf vom Finale der Einzige, der fehlt.
Gut gemeint bedeutet das, dass Argentinien mit einer sehr eingespielten Mannschaft versuchen wird, das Auftaktspiel gegen Algerien am Mittwochfrüh deutscher Zeit (3 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur Fußball-WM, ARD und MagentaTV) zu gewinnen. Kritischer betrachtet muss Scaloni gestehen, dass sich Argentiniens Auswahl seit längerer Zeit kaum verändert hat. Eine Evolution fand nicht statt. Was auch daran liegt, dass sich von den nachfolgenden Generationen bisher niemand aufgedrängt hat.
Alles wie immer bei Argentinien
So sind die Helden von damals noch immer die Helden von heute. Allen voran Lionel Messi, der während der Vorrunde 39 Jahre alt wird und inzwischen bei Inter Miami nicht mehr auf allerhöchstem Niveau spielt. „Leo ist der Einzige, der seinen Stammplatz sicher hat“, sagte Scaloni schon vor Wochen. Sollte heißen, die restlichen Plätze sind umkämpft, was aber getrost als Nebelkerze abgetan werden kann. Im Tor ist Emiliano Martínez die unumstrittene Nummer eins, vor ihm verteidigen Cristian Romero und Nicolás Otamendi. Das Mittelfeld gehört Enzo Fernández und Alexis MacAllister, im Angriffszentrum ist Julián Álvarez gesetzt. Auch wenn sich Torhüter Martínez und Álvarez vor dem Auftaktspiel mit Blessuren herumschlagen, sind sie unter gesundheitlich normalen Bedingungen gesetzt. Alles wie immer also.
Mit seiner eingespielten Mannschaft hat Argentinien in den vergangenen Jahren alles gewonnen, was möglich war. Die Copa América 2021 und 2024, dazu die WM in Qatar. Eine goldene Generation, gewiss. Aber jeder Rausch kommt einmal an sein Ende.
Argentinien weiß das nur zu gut, der Blick in die eigene Geschichte ist ein schmerzhafter. Nach dem ersten Titel 1978 konnte und wollte sich César Luis Menotti nicht von denen trennen, die ihm und der Nation den größten Erfolg beschert hatten. Mit vielen Weltmeistern und dem jungen Diego Armando Maradona im Kader scheiterte Argentinien 1982 in Spanien. Ähnlich erging es den Campeones von 1986, die vier Jahre später in Italien zwar wieder im Finale standen, sich dort aber Deutschland geschlagen geben mussten.
„Mir wird das nicht passieren“, hatte Trainer Scaloni unmittelbar nach dem Titelgewinn in Qatar gesagt. „Bei mir werden immer die spielen, die in Bestform sind.“ Daran wird sich der Trainer nun messen lassen müssen.
Nur wenige, die an der Seite der Spitzenspieler reifen könnten
Die Qualifikation hat ihm recht gegeben. Die schweren Eliminatorias in Südamerika mit 18 Spielen, teilweise in unterschiedlichen Klimazonen und Höhenlagen, bewältigte der Weltmeister problemlos. Besonders die beiden Siege gegen den Erzrivalen Brasilien sorgten für Verzückung. Anders als die Brasilianer musste Argentinien zu keinem Zeitpunkt um die Teilnahme an der WM bangen. In ihrer Gruppe mit Algerien, Österreich und Jordanien sind Scalonis Männer Favorit. Die schwereren Aufgaben warten dann im weiteren Verlauf des Turniers.
Beim Titelgewinn in Qatar hatte sich Argentinien kontinuierlich gesteigert. Nach der schmerzvollen Niederlage zum Auftakt gegen Saudi-Arabien nahm Trainer Scaloni einen Wechsel vor. Diese Personalien tragen Argentiniens Spiel noch immer. Alexis Mac Allister, Enzo Fernández und Julián Álvarez sind zu anerkannten Spitzenspielern gereift, aber anders als in Qatar gibt es nur wenige junge, die an ihrer Seite reifen könnten – abgesehen von Nico Paz, der mit Como in Italien eine überragende Saison hinter sich hat. Paz wird seine Rolle im Laufe des Turniers vermutlich finden, seine Klasse steht für sich, auch wenn er mit 21 Jahren einer der Jüngsten ist.
Offene Fragen
- Kann die eingespielte Elf die Titelverteidigung schaffen?
- Wie wirkt sich die fehlende Weiterentwicklung aus?
- Werden die alten Helden dem Druck standhalten?






