Deutsche Industrie verzeichnet überraschendes Auftragsplus im Juni
Das Neugeschäft wächst um 3,1 Prozent vor allem dank staatlicher Beschaffungen und Großaufträgen im Maschinenbau.
Auf einen Blick
Die deutsche Industrie hat im Juni dank vieler Großaufträge und staatlicher Beschaffungen überraschend ein Auftragsplus von 3,1 Prozent im Vergleich zum Vormonat verzeichnet.
KI-generierte Zusammenfassung
Warum es wichtig ist
Die deutsche Industrie verzeichnete im Mai ein revidiertes Plus von 0,3 Prozent bei den Aufträgen.
Die deutsche Industrie hat im Juni überraschend viele Aufträge erhalten. Das Neugeschäft wuchs wegen vieler Großaufträge um 3,1 Prozent im Vergleich zum Vormonat, teilte das Statistische Bundesamt mit. Von der Nachrichtenagentur Reuters befragte Ökonomen hatten nur mit einem Plus von 0,3 Prozent gerechnet.
Es ist der zweite Zuwachs in Folge: Im Mai hatte es bereits ein Plus von revidiert 0,3 Prozent gegeben, das damit deutlich kleiner ausfiel als zunächst mit 1,9 Prozent geschätzt. Laut dem Bundeswirtschaftsministerium sind die staatlichen Beschaffungen für Bundeswehr und Infrastruktur ein Hauptgrund für das Auftragsplus.
Die Statistiker erklärten, die positive Entwicklung sei zu einem großen Teil auf die deutlichen Anstiege im Maschinenbau (plus 12,7 Prozent) und in der Herstellung von Datenverarbeitungsgeräten, elektronischen und optischen Erzeugnissen (plus 22,7 Prozent) zurückzuführen. In beiden Bereichen meldeten eine Reihe von Unternehmen Großaufträge. Auch der Zuwachs in der Autoindustrie mit einem Plus von 3,8 Prozent wirkte sich positiv aus. Im sonstigen Fahrzeugbau - dazu gehören Flugzeuge, Schiffe, Züge und Militärfahrzeuge - fielen die Bestellungen um 41,7 Prozent im Vergleich zum hohen Auftragsniveau des Vormonats.
Experte sieht Trendwende
»Die guten Auftragseingänge legen die Grundlage für eine mittelfristige Produktionsausweitung«, sagte der Chefvolkswirt der VP Bank, Thomas Gitzel. »Die deutsche Wirtschaft hat damit die Trendwende vollzogen und dürfte auf Sicht der kommenden Jahre wieder höhere Wachstumszahlen ausweisen.«
Die Konjunktur laufe etwas besser als noch vor kurzem gedacht, sagte auch der Ökonom der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW), Jens-Oliver Niklasch. Er verwies aber auf Risiken: »Freilich schwebt das Ölpreis-Risiko latent über allem, und mit den Pegelständen der großen Flüsse ist ein neues Abwärtsrisiko dazugekommen.«
Das Niedrigwasser auf Europas wichtigster Wasserstraße, dem Rhein, behindert seit Tagen die Binnenschifffahrt und kann Lieferketten unterbrechen, was wiederum die Produktion ausbremsen könnte.
Schwankungen bei Bestellungen aus dem Ausland
Die Auslandsaufträge stiegen im Juni um 0,2 Prozent. Dabei brachen die Bestellungen aus der Euro-Zone um 14,0 Prozent ein, während die aus dem übrigen Ausland um 10,2 Prozent zunahmen. Die Inlandsaufträge stiegen um 7,8 Prozent. Werden Großaufträge ausgeklammert, sanken die gesamten Bestellungen jedoch um 0,5 Prozent. Im weniger schwankenden Dreimonatsvergleich lag der Auftragseingang im zweiten Quartal um 1,3 Prozent höher als in den drei Monaten zuvor, ohne Großaufträge blieb er unverändert.
Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer sieht deshalb noch keinen kräftigen Aufschwung. »All' das erinnert wieder einmal daran, dass sich die deutsche Wirtschaft selbst dann nur zögerlich erholen dürfte, wenn das Öl wieder durch die Straße von Hormus fließt«, sagte Krämer. »Letztlich leiden die deutschen Unternehmen weiter unter einer schlechten Standortqualität, die die geplanten Reformen der Bundesregierung nicht wesentlich verbessern dürften.«
Offene Fragen
- Wie stark beeinträchtigt das Niedrigwasser des Rheins die Produktion nachhaltig?
- Bleiben die staatlichen Beschaffungen langfristig auf hohem Niveau?




