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Ein Paar aus Nordrhein-Westfalen erzählt von seiner Leihmutterschaft in den USA
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FAZvor 3 StundenGesellschaft8 Min. LesezeitGermany

Ein Paar aus Nordrhein-Westfalen erzählt von seiner Leihmutterschaft in den USA

Niko Halwer und sein Mann berichten, wie sie nach jahrelangem Kinderwunsch über Kalifornien und Illinois zu ihrem Kind kamen.

Auf einen Blick

  • Niko Halwer und sein Mann schildern, wie sie ihren Kinderwunsch über Leihmutterschaft in den USA erfüllten.
  • Der Bericht ordnet ihren Weg in die deutsche Debatte über das Verbot von Leihmutterschaft ein.

KI-generierte Zusammenfassung

Warum es wichtig ist

Der Text beschreibt die Geschichte eines verheirateten Paares aus Nordrhein-Westfalen, das sich nach Jahren des Kinderwunsches für Leihmutterschaft in den USA entschied. Zugleich verweist er auf die strenge deutsche Rechtslage, nach der Leihmutterschaft verboten ist.

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Gut 24 Stunden, nachdem Jens Spahn den CDU-Fraktionsvorsitz aufgegeben hatte, trafen sich zwei Männer aus dem Ruhrpott an ihrem Urlaubsort in Frankreich zu einem Gespräch per Handykamera. Es ging um ihr Kind, ihre Familie und um die Debatte über Leihmutterschaft.

Niko Halwer ist Lehrer, sein Mann Matthias arbeitet im medizinischen Bereich. Beide sind 39 Jahre alt, seit 15 Jahren ein Paar und seit 2023 verheiratet. Ihr Kind wurde von einer Leihmutter in den Vereinigten Staaten ausgetragen. Halwer sagt, Jens Spahn hätte ein guter Botschafter für die Belange von Menschen sein können, die sich per Leihmutterschaft ihren Traum von einer Familie erfüllen. Dafür hätte er aber von Anfang an transparent mit seinem Plan umgehen müssen.

In Deutschland ist Leihmutterschaft gesetzlich verboten. Die CDU lehnt auch eine Liberalisierung der altruistischen Leihmutterschaft ab. Der Text verweist zugleich auf ethische und moralische Bedenken mit Blick auf Frauen und Kinder.

Halwer wollte schon als Jugendlicher eine Familie mit Kindern. Als er merkte, dass er Männer liebt, dachte er zunächst, der Kinderwunsch sei erledigt. Gemeinsam mit Matthias scherzte er später, man probiere es erst einmal mit einem Hund. Doch der Wunsch nach einem Kind blieb.

Als Halwers Kinderwunsch immer stärker wurde, belastete ihn die Vorstellung, ihn nicht erfüllen zu können, sehr. Er konnte sich nicht freuen, wenn eine Cousine schwanger wurde, mied Einladungen mit kleinen Kindern und fühlte sich fast krank.

Um sich über Adoption zu informieren, sprachen beide mit einer Freundin, die beim Jugendamt arbeitet. Sie erklärte ihnen, dass auf einen Säugling zehn Interessenten kämen, dass die Wartezeit auf ein Adoptivkind im Durchschnitt fünf bis sieben Jahre betrage und dass Eltern in ihrer Heimatstadt damals angeben konnten, ihr Kind nicht an ein gleichgeschlechtliches Paar abgeben zu wollen. Das empfanden die beiden als kompliziert und langwierig. Als sie im Fernsehen einen Bericht über Leihmutterschaft sahen, beschlossen sie, sich auf einer Kinderwunschmesse in Köln über diese Möglichkeit zu informieren.

Dort erhielten sie Informationen über Leihmutterschaft in Ländern wie Griechenland, den Niederlanden, der Ukraine und den Vereinigten Staaten. Besonders die Bedingungen in den USA überzeugten sie. Nach Matthias’ Darstellung hatte die Leihmutter dort das Sagen, und außerdem sei gesetzlich geregelt, dass beide Väter in die Geburtsurkunde eingetragen würden. In der Ukraine werde nur der leibliche Vater eingetragen; der zweite Elternteil müsse adoptieren. Außerdem seien dort nur wenige Leihmütter bereit, ein Kind für ein schwules Paar auszutragen.

Nach der Messe kamen sie mit zwei Kliniken in Kontakt. Nach längerer Abwägung entschieden sie sich für eine Klinik in Kalifornien. Über sie bekamen sie Kontakt zu verschiedenen Agenturen, die für die Umsetzung des Kinderwunsches notwendig sind. Eine genaue Zahl solcher Agenturen in den USA gibt es nicht; auf Basis von Branchenverzeichnissen und Lizenzlisten schätzt der Text etwa 150 bis 250 Agenturen. Halwer und sein Mann sprachen per Videocall mit mehr als zehn Agenturen, ehe sie sich nach etwa neun Monaten für eine in Kalifornien ansässige Agentur entschieden.

Über die Klinik erhielten sie einen Katalog mit Profilen von Frauen, die bereit sind, gegen Bezahlung Eizellen zu spenden. In den USA darf die Eizelle nicht von der Leihmutter stammen. Halwer achtete vor allem auf das Äußere der Spenderin, sein Mann auf den Gesundheitszustand und die Lebensverhältnisse der Frauen. Schließlich entschieden sie sich für eine Frau aus San Diego, die als Sanitäterin in einem Rettungshubschrauber arbeitet und sich nach der Geburt Kontakt zu Eltern und Kind wünschte. Sie hatte damals bereits einen Sohn; inzwischen hat sie auch eine Tochter. Als Motivation schrieb sie: „We wish us luck for the world“.

Die Suche nach der passenden Leihmutter dauerte länger. In den USA entscheidet die Leihmutter selbst, für wen sie ein Kind austragen möchte. Das Paar stellte sich in einem Bewerbungsschreiben vor und erklärte, warum es sich ein Kind wünsche. Über die Agentur, die auch einen Anwalt vermittelte, kamen sie mit mehreren Frauen in Kontakt. Eine Frau war ihnen sympathisch, schied aber aus, weil ihr Gewicht bei der Untersuchung unter dem von der Klinik vorgegebenen Wert lag. Eine andere Frau kam nicht infrage, weil sich bei einer früher geplanten Schwangerschaft der Embryo nicht eingenistet hatte.

Die fünfte Frau, mit der sie sprachen, war 33 Jahre alt, verheiratet, Mutter von drei Kindern und mit ihrem Mann bei der nationalen Eisenbahn beschäftigt. Sie sagte, sie wolle ihnen mit diesem Kind Glück schenken, nachdem sie in ihrem Umfeld erlebt habe, wie belastend Kinderlosigkeit für ein Paar sein könne. Drei Jahre nach dem Entschluss, sich den Kinderwunsch zu erfüllen, wurde es ernst.

Im Oktober 2024 flogen sie in die Vereinigten Staaten. Die Schwangerschaft war zunächst problemlos verlaufen, später entwickelte die Leihmutter Bluthochdruck. Zuerst besuchten sie die Eizellspenderin in Kalifornien, dann reisten sie nach Illinois. Dort trafen sie die Frau erstmals persönlich, die seit 36 Wochen ihr Kind austrug. Auf Wunsch der Leihmutter gingen sie danach in ein Einkaufszentrum und kauften einen Teddy für das Kind. Später schenkte sie ihnen den Teddy für ihr Baby.

In der Klinik, in der sie eine Woche später entband, kamen alle gemeinsam an. Für das Personal war das eine gewohnte Situation. Halwer sagt, sobald sie Deutschland verlassen hätten, sei es eine andere Welt gewesen. In den USA sei Leihmutterschaft Routine, in der Klinik, im Rathaus, bei der Geburtsurkunde und bei der Beantragung des Reisepasses.

In Deutschland ist das anders. Als Halwer vor der Reise über den Atlantik unbezahlten Sonderurlaub beantragte, bekam er zunächst die Antwort, das gehe nicht. Später machten er und sein Mann jedoch die Erfahrung, dass man in Deutschland Unterstützung bekommt, wenn man erklärt und informiert. Das galt etwa beim Standesamt für die deutsche Geburtsurkunde und beim Bürgerbüro für die Meldebescheinigung.

Nach der Geburt riet die Leihmutter ihnen, erst einmal einen Kaffee trinken zu gehen, um sich zu erholen. Währenddessen behielt sie das Neugeborene bei sich. Danach übergab sie es ihnen und sagte: „enjoy your baby“. Das Argument, Leihmütter würden ausgebeutet, akzeptiert das Ehepaar für seinen Fall nicht. Halwer sagt, man wisse natürlich, dass man diese Frau gebraucht habe, um den Kinderwunsch zu erfüllen, aber man habe ein Verhältnis zur gesamten Familie entwickelt und sei einander sehr verbunden.

Zu Thanksgiving waren sie bei der Mutter der Leihmutter eingeladen, die sich selbst als ihre „American Grandma“ bezeichnet. Mit ihr und mit der Eizellspenderin stehen sie monatlich in Kontakt, mit der Leihmutter wöchentlich.

Sie hätten sich dennoch gewünscht, nicht in die Vereinigten Staaten gehen zu müssen, sondern ihr Kind legal in Deutschland bekommen zu können. Halwer fragt, wie gut Deutschland mit ethischen Maßstäben altruistische Leihmutterschaft ermöglichen könnte. Der Weg in die USA habe sie rund 180.000 Euro gekostet.

Mit ihren Arbeitgebern machten beide gute Erfahrungen. Matthias erhielt bei der Planung der Elternzeit große Unterstützung. Halwers Kollegium kompensierte seine Ausfallzeiten rund um die Geburt ohne Klagen. Selbst der Hausmeister der Schule, von dem Halwer wegen seiner Frömmigkeit unsicher war, reagierte positiv und umarmte ihn.

Auch Halwers Klasse wusste wegen seiner längeren Abwesenheit Bescheid. Heute nimmt er sein Kind gelegentlich mit in die Schule. Die Schüler seien sehr interessiert gewesen. Nur wenige negative Kommentare von Schülern aus anderen Kulturkreisen habe es gegeben, die sich nicht gegen das Kind, sondern gegen zwei Männer gerichtet hätten. Halwer antwortete darauf: „Ihr mochtet mich vorher als euren Lehrer. Bin ich jetzt ein anderer?“

Für sein Kind haben die beiden ein Fotobuch gestaltet, das es später gemeinsam mit ihnen anschauen kann. Es zeigt die Menschen, die zu seiner Existenz beigetragen haben. Außerdem sammeln sie in einer App Fotos und Erlebnisse aus den ersten Lebensjahren des Kindes und aus ihrem Leben als erweiterte Familie. Vielleicht wird diese Familie noch größer: Wenn das Paar nach dem ersten Kind, das „Papa“ und „Papi“ zu ihnen sagt, weiteren Kindern ein Zuhause geben kann, denken sie auch über Adoption oder Pflege nach.

Worauf zu achten ist

KI-Ausblick — Möglichkeiten, keine Fakten

  • Der Fall könnte die Debatte über eine mögliche Liberalisierung altruistischer Leihmutterschaft in Deutschland erneut anstoßen.

    Möglich · Innerhalb von Wochen

  • Das Paar wird den Kontakt zu Leihmutter, Eizellspenderin und der Familie der Leihmutter wohl weiter pflegen.

    Wahrscheinlich · Innerhalb von Tagen

  • Das Kind wird im Alltag weiterhin von beiden Vätern gemeinsam begleitet werden, einschließlich Kita- und Schulalltag.

    Wahrscheinlich · Innerhalb von Monaten

Offene Fragen

  • Wird die deutsche Debatte über eine Liberalisierung der Leihmutterschaft nach diesem Fall neue Impulse bekommen?
  • Wie werden deutsche Behörden künftige Fälle grenzüberschreitender Leihmutterschaft behandeln?
  • Wird das Paar weitere rechtliche Schritte in Deutschland unternehmen?

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This article was originally published by FAZ.

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