EZB belässt Leitzinsen unverändert
Entscheidung fiel einstimmig, doch einige Ratsmitglieder zögerten angesichts der Inflation und des Iran-Krieges.
Auf einen Blick
- Die EZB hat ihre Leitzinsen bei 2,25 Prozent belassen, obwohl einige Ratsmitglieder eine Erhöhung in Betracht zogen.
- Die Entscheidung erfolgte einstimmig, um die Entwicklungen des Iran-Krieges und der Inflation abzuwarten.
- Experten erwarten eine mögliche Zinserhöhung im September.
KI-generierte Zusammenfassung
Warum es wichtig ist
Die EZB hat ihre Leitzinsen unverändert gelassen, nachdem sie diese im Juni erstmals seit fast drei Jahren zur Inflationsbekämpfung angehoben hatte. Der Iran-Krieg erhöht weiterhin den Druck auf die Ölpreise und die Inflation im Euroraum.
Die Europäische Zentralbank (EZB) hat ihre Leitzinsen unverändert gelassen. Der für Banken und Sparer wichtige Einlagensatz bleibt bei 2,25 Prozent, wie der EZB-Rat am Donnerstag in Frankfurt entschied. Experten hatten diesen Schritt im Vorfeld mehrheitlich erwartet.
"Es war eine einstimmige Entscheidung", sagte EZB-Präsidentin Christine Lagarde am Donnerstag auf einer Pressekonferenz in Frankfurt nach dem Zinsentscheid. Sie fügte aber auch hinzu, dass einige Ratsmitglieder "sich fragten, ob wir bei diesem Treffen eine Zinserhöhung in Betracht ziehen sollten".
Nach gründlicher Prüfung der aktuellen Entwicklungen sei man dann "einstimmig zu dem Schluss gekommen, dass wir gut aufgestellt sind, um abzuwarten und die Entwicklungen und die uns vorliegenden Daten in den nächsten Wochen sehr aufmerksam zu verfolgen".
Im Juni hatte die Notenbank die Zinsen erstmals seit fast drei Jahren angehoben, um die durch den Iran-Krieg gestiegene Inflation einzudämmen. Nun legten die Währungshüter zunächst eine geldpolitische Pause ein. "Weil die Lage im Iran-Krieg so unübersichtlich ist, war es jetzt richtig, abzuwarten", ordnete Friedrich Heinemann vom Leibniz-Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) die Entscheidung ein.
Der anhaltende Krieg zwischen den USA und dem Iran stellte die EZB vor eine schwierige Aufgabe. Der Konflikt treibt die Ölpreise weiter nach oben und erhöht damit den Druck auf die Inflation. Der Preis für ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent lag am Donnerstagnachmittag wieder bei 100 US-Dollar.
"Die Unsicherheit ist nach wie vor hoch, und die Auswirkungen des Energieschocks auf die Inflation sind noch nicht vollständig zum Tragen gekommen", erklärte die EZB nach ihrer Ratssitzung. Zwar hat sich der Preisauftrieb zuletzt etwas abgeschwächt: Im Juni lag die Inflationsrate im Euroraum aber immer noch bei 2,8 Prozent, nach 3,2 Prozent im Mai. In Deutschland sank sie unter anderem wegen des Tankrabatts auf 2,3 Prozent.
Die EZB strebt bei der Inflation einen Zielwert von zwei Prozent an. Mit höheren Zinsen kann sie die Inflation eindämmen, weil dann Kredite teurer werden und die Nachfrage gebremst wird. Allerdings sind höhere Zinsen zugleich eine Belastung für alle, die investieren wollen und können das Wirtschaftswachstum bremsen.
An den Finanzmärkten wird inzwischen damit gerechnet, dass die EZB ihre Geldpolitik weiter straffen könnte. Viele Ökonomen gehen davon aus, dass die Notenbank bereits bei ihrer nächsten Sitzung im September erneut an der Zinsschraube drehen könnte.
"Mit den neuen Inflations- und Konjunkturdaten nach der Sommerpause wird die EZB besser beurteilen können, ob der aktuelle Kostendruck eine weitere geldpolitische Straffung erforderlich macht", sagt Florian Heider vom Leibniz-Institut für Finanzmarktforschung.
Auch Jörg Kramer, Chefvolkswirt bei der Commerzbank, geht von einer Erhöhung aus: "Aufgeschoben ist nicht aufgehoben. Auch wenn die EZB ihre Leitzinsen heute nicht zum zweiten Mal in Folge anheben wollte, kommt sie um eine weitere Erhöhung auf der nächsten Sitzung im September nicht umhin." Der Einlagezins von 2,25 Prozent liege zu niedrig, um die gestiegenen Inflationsrisiken zu bekämpfen.
Eine längere Serie von Zinserhöhungen erwarten Ökonomen derzeit allerdings nicht. Denn eine zu straffe Geldpolitik könnte die ohnehin schwache Konjunktur im Euroraum zusätzlich belasten.
Von höheren Leitzinsen können Sparer grundsätzlich profitieren - sofern Banken und Sparkassen bessere Konditionen an ihre Kunden weitergeben. Nach der Zinserhöhung im Juni war dies laut einer Auswertung des Vergleichsportals Verivox allerdings nur bei rund jedem sechsten Geldinstitut in Deutschland der Fall.
Worauf zu achten ist
KI-Ausblick — Möglichkeiten, keine Fakten
Die EZB wird die Leitzinsen bei ihrer nächsten Sitzung im September erneut erhöhen.
Wahrscheinlich · Innerhalb von Monaten
Offene Fragen
- Wie werden sich die Inflations- und Konjunkturdaten bis September entwickeln?
- Werden Banken bessere Konditionen an Sparer weitergeben?






