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EZB hält Zinsen stabil, doch Märkte preisen Anstieg bereits ein
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Tagesschau Wirtschaft02.05.2026Business3 dk okumaGermany

EZB hält Zinsen stabil, doch Märkte preisen Anstieg bereits ein

Trotz unveränderter Leitzinsen steigen die Marktzinsen aufgrund von Inflationssorgen und Energiepreisschocks infolge des Iran-Krieges.

Auf einen Blick

  • Die Europäische Zentralbank belässt den Einlagenzins bei 2,0 Prozent.
  • Dennoch steigen die Marktzinsen, da Anleger aufgrund des Iran-Krieges und steigender Inflationserwartungen mit baldigen Zinserhöhungen rechnen.

KI-generierte Zusammenfassung

Warum es wichtig ist

Die EZB versucht, die Inflation mittelfristig bei zwei Prozent zu stabilisieren. Der aktuelle Energiepreisschock durch den Iran-Krieg gefährdet dieses Ziel und erhöht den Druck auf die Geldpolitik.

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Die Europäische Zentralbank hat nicht an den Zinsen gerührt. Der Einlagenzins bleibt bei 2,0 Prozent. Offiziell heißt es also: Ruhe an der Zinsfront. Doch die Finanzmärkte erzählen eine andere Geschichte: Hier ziehen die Zinsen längst wieder an.

Die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe stieg im Wochenverlauf bis auf 3,13 Prozent - der höchste Stand seit 2011. Das zeigt: Anleger rechnen wieder mit höheren Inflationsraten - und mit einer EZB, die in den kommenden Monaten an der Zinsschraube drehen könnte.

Die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe gilt als wichtiger Gradmesser für die langfristigen Zinsen in Deutschland. Steigt sie, wird auch die Finanzierung für Staat, Unternehmen und Verbraucher tendenziell teurer.

Auslöser für den jüngsten Renditesprung seien die gestiegenen Inflationsrisiken seit dem Ausbruch des Iran-Krieges, betont Edgar Walk, Chefvolkswirt von Metzler Asset Management. "Wir haben einen neuen Energiepreisschock und damit verbunden die Erwartung, dass die Inflation in den nächsten Monaten deutlich anspringt."

Im April lag die Teuerung im Euroraum bei 3,0 Prozent, in Deutschland bei 2,9 Prozent. Für die kommenden zwölf Monate rechnen Verbraucher im Euroraum laut einer Umfrage der EZB inzwischen mit einer Inflation von vier Prozent. Das liegt deutlich über dem Ziel der Währungshüter von mittelfristig zwei Prozent.

Für die Notenbank ist das heikel, droht doch aus dem Preisschub am Ölmarkt eine breitere Inflationsdynamik zu entstehen. Die EZB müsse auf Inflationsrisiken reagieren, "da sonst die Möglichkeit besteht von Zweitrundeneffekten". Damit ist gemeint: Höhere Energiepreise treiben die Lebenshaltungskosten. Beschäftigte fordern höhere Löhne. Unternehmen geben steigende Kosten weiter. Am Ende könnte eine Lohn-Preis-Spirale entstehen. "Das muss die EZB im Endeffekt unterbinden, indem sie die Konjunktur abschwächt durch höhere Leitzinsen", sagt Walk.

Damit steht die EZB vor einem klassischen Zielkonflikt: Eine steigende Inflation spricht für höhere Zinsen - eine schwächere Wirtschaft dagegen. Dass die Konjunktur bereits unter Druck steht, zeigt eine weitere Umfrage der EZB: Demnach haben die Banken im Euroraum ihre Kreditstandards im ersten Quartal so stark verschärft wie seit mehr als zwei Jahren nicht mehr. Für Haushalte und Unternehmen wird es schon jetzt schwerer, an Geld zu kommen. Christian Sewing, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Bank, betont, dass Zinserhöhungen eine Volkswirtschaft "verlangsamen" könnten. "Von daher gilt es hier, die Balance zu halten."

An den Terminmärkten rechnen Investoren bereits mit einem strafferen Kurs der EZB. Aktuell deuten die Euro-Futures auf zwei Erhöhungen noch in diesem Jahr hin. Ein erster Schritt könnte laut Experten bereits im Juni kommen, ein weiterer im September. Als nach dem russischen Überfall auf die Ukraine die Inflation in die Höhe schoss, hat die EZB aus Sicht vieler Kritiker zu spät reagiert. Diesen Fehler dürften die Währungshüter um Christine Lagarde kein zweites Mal machen.

Für Sparer sind die steigenden Marktzinsen zunächst eine gute Nachricht. Banken bieten wieder etwas bessere Konditionen für Festgeld. Nach Berechnungen des Vergleichsportals Verivox sind die Festgeldzinsen seit Ausbruch des Iran-Krieges so stark gestiegen wie seit 2023 nicht mehr. Anlagen mit zwei Jahren Laufzeit liegen demnach im Schnitt aktuell bei 2,25 Prozent. Bei den Festgeldern mit fünf Jahren Laufzeit ging es auf aktuell 2,37 Prozent nach oben.

Hausbauer haben dagegen das Nachsehen: Bauzinsen mit zehnjähriger Bindung liegen laut dem Index der Finanzberatung FMH im Schnitt bereits wieder bei 4,0 Prozent. Für Immobilienkäufer kann das schnell mehrere hundert Euro Mehrbelastung im Monat bedeuten.

Worauf zu achten ist

KI-Ausblick — Möglichkeiten, keine Fakten

  • EZB erhöht Leitzins im Juni

    Wahrscheinlich · Innerhalb von Monaten

  • Weitere Verschärfung der Kreditstandards für Unternehmen

    Wahrscheinlich · Innerhalb von Monaten

Offene Fragen

  • Wie stark wird die EZB die Zinsen im Juni tatsächlich anheben?
  • Wie reagiert die Lohnpolitik auf die steigende Inflation?

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This article was originally published by Tagesschau Wirtschaft.

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