Anleihemärkte: Warum Anleihen jetzt wieder attraktiv sein könnten
En resumen
- Die Anleihemärkte erleben nach dem Irankrieg steigende Renditen und fallende Kurse.
- Trotz Ähnlichkeiten zu 2022 sehen Strategen Anleihen nun als attraktiv, vorausgesetzt der Krieg endet bald.
- Langfristige Anleihen bieten attraktive Renditen, bergen aber höhere Risiken.
Resumen generado por IA
Por qué importa
Seit Beginn des Irankriegs sind die Anleihemärkte von Sorgen über steigende Inflation und Zinserhöhungen geprägt. Anleihekurse sind gefallen, Renditen gestiegen. Die zehnjährige deutsche Bundesanleihe rentiert knapp 3,2 Prozent, die britische über 5,1 Prozent und US-Anleihen über fünf Prozent. Dies weckt Erinnerungen an 2022, als steigende Energiepreise Inflation und Renditen nach oben trieben.
Frankfurt. Seit Beginn des Irankriegs haben die Sorgen vor einer steigenden Inflation und Zinserhöhungen die Anleihemärkte wieder fest im Griff. Die Anleihekurse sind gefallen und im Gegenzug die Renditen deutlich gestiegen – teilweise auf lange nicht gesehene Höchststände.
Die zehnjährige deutsche Bundesanleihe rentiert mit knapp 3,2 Prozent auf ähnlichem Niveau wie zuletzt vor 15 Jahren. Die Rendite der zehnjährigen britischen Anleihe hat mit mehr als 5,1 Prozent den Stand zu Beginn der Finanzkrise im Jahr 2008 erreicht. Und in den USA hat die Rendite der 30-jährigen Anleihen erneut die Marke von fünf Prozent überschritten.
Die Gemengelage weckt bei Anleiheinvestoren Erinnerungen an das Schreckensjahr 2022. Nach Ausbruch des Ukrainekriegs trieben die massiv steigenden Öl- und Gaspreise Inflation, Leitzinsen und Anleiherenditen nach oben. Die Kurse europäischer Staatsanleihen im European Government Bond Index brachen um knapp 20 Prozent ein.
Anders als damals halten viele Strategen Anleihen jedoch jetzt für attraktiv. Das gilt allerdings nur unter einer Voraussetzung.
Der wichtigste Unterschied zu 2022 ist das Ausgangsniveau. Anfang 2022 lag der Einlagesatz der Europäischen Zentralbank (EZB) bei null Prozent, und Bundesanleihen mit einer Laufzeit von zehn Jahren rentierten leicht im Minus.
Es folgte der schnellste globale Zyklus von Leitzinserhöhungen in der Geschichte. Eine Folge: Die Rendite der als Richtschnur für die europäischen Kapitalmarktzinsen geltenden zehnjährigen Bundesanleihe schnellte bis Ende 2022 auf 2,5 Prozent und bis Oktober 2023 auf drei Prozent nach oben.
Seither hat die EZB jedoch die Leitzinsen für den maßgeblichen Einlagensatz bereits wieder auf zwei Prozent halbiert. Die Renditen der lang laufenden Anleihen folgten den Leitzinsen jedoch nicht. Sie sanken nur zeitweise, hielten sich letztlich aber auf einem deutlich erhöhten Niveau.
Ein Grund dafür ist, dass sich Deutschland und andere Staaten immer stärker verschulden, um zum Beispiel in Verteidigung und Infrastruktur zu investieren. Deshalb kommen mehr neue Anleihen auf den Markt. „Um dafür genügend Nachfrage zu finden, müssen die Staaten den Investoren höhere Renditen bieten“, sagt Martin Hartmann, Anleihestratege bei der Commerzbank.
Vor Beginn des Irankriegs war die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe zwar auf 2,6 Prozent gesunken. Seither ist sie aber in der Spitze auf fast 3,2 Prozent gestiegen. Dazu beigetragen hat, dass Investoren wegen der gestiegenen Inflation statt mit weiteren Zinssenkungen wieder mit Leitzinserhöhungen der Europäischen Zentralbank (EZB) rechnen.
Anders als 2022 dürften die Zinserhöhungen aber nicht dramatisch ausfallen. „Es werden Erinnerungen an 2022 wach, aber es gibt doch grundlegende Unterschiede“, sagt Elmar Völker, Anleihestratege bei der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW).
Die Wirtschaft entwickle sich vergleichsweise schwach, daher sei keine dynamische Lohn-Preis-Spirale zu befürchten. Ökonomen sprechen von einer Lohn-Preis-Spirale, wenn ein Anstieg der Teuerungsrate Lohnerhöhungen nach sich zieht und die Löhne über höhere Güterpreise die Inflation weiter anheizen.
Marktexperten halten die Gefahr weiter deutlich steigender Renditen für gering. Im Schnitt rechnen vom Finanzinformationsdienst Bloomberg befragte Banken damit, dass die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe Ende des Jahres wieder etwas unter drei Prozent liegen wird.
Die Commerzbank rechnet mit drei Prozent. Zwischenzeitlich könnte die Rendite im Umfeld steigender Inflationserwartungen und möglicher Zinserhöhungen der EZB nach Ansicht von Hartmann auch noch höher auf 3,4 Prozent steigen, doch: „Dramatisch wäre das nicht.“
Daher findet Hartmann auch lang laufende Anleihen „jetzt wieder interessant“. Michael Weidner, Fondsmanager und Co-Anleihechef bei Lazard Asset Management, hält die Ausgangslage sogar für „so attraktiv wie lange nicht mehr“. Auch Iain Stealey einer der führenden Anleihestrategen bei JP Morgan Asset Management, sagt: „Jetzt könnte ein sehr guter Zeitpunkt für langfristige Anleiheinvestoren sein, um sich attraktive Renditen zu sichern.“
Voraussetzung für die meisten Prognosen ist indes, dass der Irankrieg bald endet. Hartmann von der Commerzbank sagt: „Unser Basisszenario ist, dass bis spätestens Ende Juni eine Lösung gefunden wird.“ Andernfalls könnten der Ölpreis und die Anleiherenditen doch noch stärker steigen.
Völker von der LBBW sieht das ähnlich: „Wenn die Energiepreise auf Sicht von drei oder sechs Monaten so hoch bleiben wie derzeit, könnten mit Blick auf die Inflation auch wieder Sorgen über eine Lohn-Preis-Spirale aufkommen.“
Stealey von JP Morgan Asset Management findet allerdings auch im Szenario eines länger dauernden Kriegs Argumente für Staatsanleihen: „Wenn der Konflikt anhält und die Ölpreise dauerhaft erhöht bleiben, werden sich Inflationssorgen rasch in Wachstumssorgen verwandeln.“ Im Extremszenario einer globalen Rezession wären Anleihen dann wieder als sichere Anlagen gefragt – mit der Folge steigender Kurse und sinkender Renditen.
Kurse und Renditen entwickeln sich bei Anleihen gegenläufig, weil die Zinskupons der Anleihen fix sind und sich auf den Nominal- und damit den Rückzahlungswert der Anleihen von 100 Prozent beziehen. Wenn die Kurse der Anleihen steigen, fallen die Renditen für Neukäufer. Das gilt auch umgekehrt.
Anleger, die Anleihen kaufen und bis zur Fälligkeit halten, können Kursschwankungen ignorieren. Sie bekommen die Rendite, die sie sich zum Kaufzeitpunkt gesichert haben. Voraussetzung dafür ist, dass der Schuldner nicht pleitegeht. Zumindest bei Bundesanleihen müssen sich Anleger nach Ansicht von Völker über das Ausfallrisiko mit Sicht auf zehn Jahre „keine Sorgen machen“.
Für Anleger, die Anleihen nicht bis zur Fälligkeit halten wollen oder in Anleihefonds investieren, ist die Kursentwicklung dagegen entscheidend. Denn anders als die Anleihen haben Fonds in der Regel kein Fälligkeitsdatum, an dem der Kapitaleinsatz zu 100 Prozent zurückgezahlt wird.
Das bedeutet: Um mit klassischen Anleihefonds oder Anleihe-ETFs Gewinne zu machen, müssen die Kurse der Anleihen in den Fonds steigen oder dürfen zumindest nicht so deutlich fallen, dass sie die Zinszahlungen aufzehren.
Nach dem schweren Kurseinbruch im Jahr 2022 haben Anleihen Anlegern gemessen am European Government Bond Index einen Gewinn von insgesamt gut neun Prozent gebracht. Die durchschnittliche Laufzeit der Anleihen in diesem Index liegt bei acht Jahren.
Wichtig zu wissen ist, dass die Kurse von Anleihen mit langer Laufzeit stärker schwanken als die von Anleihen mit kurzer Laufzeit. Das liegt daran, dass sich der Einfluss etwa von Inflationsrisiken über viele Jahre stärker auswirkt als über wenige Jahre.
Anders als andere Strategen hält Völker von der LBBW vor diesem Hintergrund lang laufende Anleihen unter „Chance-Risiko-Aspekten“ nicht für sonderlich interessant. „Drei Prozent Rendite für zehnjährige Bundesanleihen sehen zunächst attraktiv aus, man muss sie aber nicht unbedingt haben.“ Für drei- und fünfjährige Bundesanleihen gebe es mit rund 2,7 und 2,8 Prozent nur etwas weniger Rendite – „bei deutlich geringeren Kursschwankungen“.
Qué observar
Perspectiva de IA — posibilidades, no hechos
Die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe wird bis Ende des Jahres wieder etwas unter drei Prozent liegen.
Probable
Die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe könnte zwischenzeitlich auf 3,4 Prozent steigen.
Posible · Corto plazo
Eine Lösung des Irankriegs wird bis spätestens Ende Juni gefunden.
Posible · En meses
Preguntas abiertas
- Wie lange wird der Irankrieg andauern?
- Wie stark werden die Ölpreise weiter steigen, falls der Krieg andauert?
- Wird die EZB die Zinsen doch noch stärker anheben als erwartet?
- Wie wird sich die deutsche Staatsverschuldung auf die Anleihemärkte auswirken?





