Deutsche Tankstellen-Regelung führt zu höheren Benzinmargen - Studie widerlegt Entlastungsversprechen
ZEW- und DICE-Forscher finden: 12-Uhr-Regel brachte Mineralölkonzernen stattdessen zusätzliche Gewinne von 6 Cent pro Liter
L'essentiel
- Eine Studie des ZEW Mannheim und des DICE Düsseldorf zeigt, dass die von der Bundesregierung eingeführte 12-Uhr-Regel für Preiserhöhungen an Tankstellen die Gewinnmargen der Mineralölindustrie erhöht hat.
- Bei Superbenzin lag die Marge in den zwei Wochen nach Einführung um durchschnittlich 6 Cent pro Liter höher als zuvor.
- Die Regelung sollte Autofahrer entlasten, hat aber laut Forschern das Gegenteil bewirkt.
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Pourquoi c'est important
Die Bundesregierung übernahm die 12-Uhr-Regel aus Österreich, um Preiserhöhungen an Tankstellen zu begrenzen und die Gewinne der Mineralölkonzerne zu beschränken. Die Regel verbietet Preisanhebungen mehr als einmal täglich, wobei viele Tankstellen die Preise um 12 Uhr erhöhen.
Nur einmal am Tag dürfen Tankstellen ihre Preise anheben. Die Bundesregierung wollte damit die Gewinne der Mineralölkonzerne begrenzen und die Autofahrer entlasten. Doch das Gegenteil ist eingetreten. Die 12-Uhr-Regel für Preiserhöhungen an Tankstellen hat der Mineralölindustrie einer Studie zufolge zusätzliche Gewinne verschafft. Bei Superbenzin lag die Gewinnmarge in den ersten zwei Wochen nach Einführung der Regel demnach im Schnitt um 6 Cent pro Liter höher als in den zwei Wochen davor.
Für Diesel fanden die Forscher des ZEW Mannheim (Leibniz-Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung) und des Düsseldorfer Instituts für Wettbewerbsökonomie (DICE) keinen eindeutigen Effekt. "Das Maßnahmenpaket hat bisher nicht dazu geführt, das Preisniveau zu senken. Insbesondere bei Benzin stiegen die Gewinnmargen erheblich", sagt Autorin Leona Jung vom DICE. Bei Diesel hätten die Margen im Beobachtungszeitraum stark geschwankt, sagt Mitautor Jacob Schildknecht vom ZEW. Daher lasse sich der Anstieg dort aktuell nicht belastbar quantifizieren. Es deute aber einiges darauf hin, dass es auch bei Diesel einen Effekt geben könnte.
Wie stark die Effekte sind, kommt aber auf Region und Tankstellengröße an. Bei kleineren Ketten und unabhängigen Anbietern ermittelten die Forscher die größten Margenanstiege, bei großen Ketten die kleinsten. "Dieser Unterschied zeigt, dass die Reform nicht einheitlich wirkt, sondern stark von Marktstruktur und Wettbewerbsintensität abhängt", sagt DICE-Direktor Justus Haucap. "Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass insbesondere größere Unternehmen ihre Margen weniger stark erhöhen, da sie als marktbeherrschende Akteure eher kartellrechtliche Prüfungen fürchten müssen."
Regional waren die Effekte in Süddeutschland besonders stark. "Das höhere durchschnittliche Pro-Kopf-Einkommen im Süden könnte eine höhere Zahlungsbereitschaft und damit größere Margenanpassungen begünstigen", heißt es von den Forschern. Allerdings könnten auch regionale Unterschiede in den Lieferketten und bei der Rohölbeschaffung zu Kostenunterschieden führen, die die regionalen Unterschiede bei den Preisreaktionen weiter verstärkten.
Basis der Studie waren Preisdaten der Markttransparenzstelle für Kraftstoffe in den 14 Tagen vor und nach der Reform, die am 1. April in Kraft getreten ist. Um die Gewinnmargen zu berechnen, verglichen sie die Nettopreise mit den Großhandelspreisen aus der europäischen Handelsregion Amsterdam-Rotterdam-Antwerpen.
Schon im Vorfeld der Einführung der 12-Uhr-Regel hatte es Kritik und die Befürchtung gegeben, dass das aus Österreich übernommene Modell eher zu höheren Spritpreisen führen könne, weil die Preise auf Vorrat erhöht würden. Auch die Entwicklung der Preise im Vergleich zu den EU-Nachbarn hatte in den ersten Tagen nach Einführung bei Benzin einen besonders starken Anstieg in Deutschland gezeigt.
À surveiller
Perspective IA — des possibilités, pas des certitudes
Die Bundesregierung wird die 12-Uhr-Regel überprüfen und möglicherweise anpassen
Probable · En quelques mois
Kartellrechtliche Prüfungen könnten eingeleitet werden
Possible · En quelques mois
Questions ouvertes
- Wird die Bundesregierung die Regelung angesichts der Studienergebnisse anpassen?
- Wie entwickeln sich die Margen langfristig?
- Gibt es kartellrechtliche Konsequenzen für marktbeherrschende Unternehmen?



