Windenergie in Deutschland: Ausbauziele verfehlt, aber Rekord bei Genehmigungen
Die Halbjahresbilanz der Windenergiebranche zeigt Wachstum, doch politische Pläne des Wirtschaftsministeriums bereiten Sorgen und könnten den Ausbau bremsen.
L'essentiel
- Die deutsche Windenergie verzeichnete im ersten Halbjahr 2026 ein Wachstum von 2,36 GW, verfehlt aber das politische Ausbauziel von 10 GW.
- Trotz Rekord bei Neugenehmigungen bereiten geplante Kürzungen von Entschädigungen und Verzögerungen bei der EEG-Novelle Sorgen, die den weiteren Ausbau gefährden könnten.
- Ein Mega-Windrad in Schipkau wird als Technologiepionier getestet.
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Pourquoi c'est important
Die Windenergie in Deutschland verzeichnete im ersten Halbjahr 2026 Wachstum, verfehlte aber die politischen Ausbauziele von 10 Gigawatt. Die Branche sieht sich durch Energiepreiskrisen bestärkt, blickt aber skeptisch in die Zukunft aufgrund politischer Pläne.
Die Erfolgsgeschichte der Windenergie in Deutschland geht weiter. Das verkünden die Branchenverbände in ihrer Halbjahresbilanz 2026. Demnach wurden bis Mitte des Jahres 423 Windenergieanlagen an Land mit einer Gesamtleistung von 2,36 Gigawatt in Betrieb genommen. Das sei ein Wachstum von sieben Prozent im Vergleich zum Vorjahr.
Trotz dieser Zuwächse bleibt der Ausbau hinter den Erwartungen der Branche zurück. Um die Energiewende voranzubringen, sind eigentlich zehn Gigawatt zusätzliche Windkraftleistung das politische Ziel. Das werde 2026 jedoch verfehlt.
Dennoch ist die Halbjahresbilanz der beteiligten Fachverbände grundsätzlich positiv. "Die Windindustrie liefert - sie verfügt über die erforderlichen Produktionskapazitäten, um flexibel auf eine steigende Nachfrage zu reagieren und baut diese bedarfsgerecht weiter aus", erklärt Dennis Rendschmidt, Geschäftsführer des Verbandes für Energieanlagenbau VDMA Power Systems.
Fast ein Viertel des Strommixes aus Windkraft
Mit einer Gesamtleistung von fast 70 Gigawatt erzeugt die Onshore-Windkraft fast ein Viertel des deutschen Strommixes. Bemerkenswert ist laut Industrie auch der Zuwachs an neu genehmigter Leistung von 9,1 Megawatt. Noch nie in der Geschichte sei in einem ersten Halbjahr so viel Windenergieleistung zugelassen worden.
Die Branche beschäftigt nach eigener Aussage 130.000 Menschen und schreibt sich zugute, die klimafreundliche Energiewende zu ermöglichen. Außerdem stehe die Windkraft für ein bezahlbares, wettbewerbsfähiges und von äußeren Einflüssen unabhängiges Energiesystem. Bestärkt sieht sich die Industrie durch die Energiepreiskrisen in Folge von Konflikte wie dem Angriffskrieg Russlands gegen die Ukraine oder dem Iran-Krieg.
Pläne des Wirtschaftsministeriums bereiten Sorgen
Doch der Blick in die Zukunft fällt skeptischer aus. Mit Sorge sehe man, dass die aktuellen Gesetzesentwürfe der Bundesregierung nicht für Investitionssicherheit sorgten. Die Pläne des Bundeswirtschaftsministeriums drohten, den Ausbau der Windenergie auszubremsen und Deutschlands fossile Abhängigkeit zu zementieren, so Bärbel Heidebroek, Präsidentin des Bundesverbandes WindEnergie.
Kritik entzündet sich unter anderem am Netzpaket-Entwurf. Das von Katherina Reiche (CDU) geführte Bundeswirtschaftsministerium will damit die Kosten für die Energiewende senken und den Netzausbau besser mit dem Zuwachs an Ökostrom koordinieren. Doch die Fachverbände protestieren dagegen. Denn aus ihrer Sicht könnte das Gesetz den Ausbau der Windkraft massiv ausbremsen.
Das Problem: Wenn zu viel Strom im Netz ist, müssen Windräder oft abgeschaltet werden. Bisher bekamen die Betreiber dafür eine Entschädigung. Die Bundesregierung will diese Zahlungen nun stark kürzen und Netzbetreibern mehr Macht geben, den Bau neuer Anlagen zu stoppen. Die Windbranche warnt, dass dadurch wichtige Investitionen unbezahlbar werden, weil das finanzielle Risiko auf die Betreiber abgewälzt würde.
Warnung vor Ausbau-Stopp
Ein weiteres Problem sieht die Windkraftlobby in der geplanten Novelle des Erneuerbare-Energien-Gesetzes. Nach einer Vorgabe der EU muss es bis zum 1. Januar 2027 reformiert werden. Doch einiges deutet darauf hin, dass sich der parlamentarische Prozess verzögert. Sollte bis Jahresende keine Reform beschlossen werden, droht laut Fachverbänden ein abrupter Ausbaustopp.
Denn ohne das neue Gesetz könnten keine Ausschreibungen mehr durchgeführt werden, um Windkraftprojekte zu finanzieren. Die Verbände sehen darin eine große Gefahr für die Zukunft der Windenergie in Deutschland.
Mega-Windrad in der Lausitz
Wie diese Zukunft aussehen könnte, zeigt sich derzeit im Süden Brandenburgs. In der Gemeinde Schipkau entsteht die größte Windanlage der Welt. 365 Meter hoch soll sie werden - und damit nur etwas kleiner als das höchste Bauwerk Deutschlands, der Berliner Fernsehturm.
Umgesetzt wird der Bau vom Dresdner Ingenieurbüro GICON. Laut Unternehmen gilt der Höhenwindturm als "technologische Pionierleistung im Bereich der Onshore-Windenerige". Durch die Nabenhöhe von 300 Metern sollen Winde erschlossen werden, die stärker und stetiger sind. Dadurch sei der Energieertrag höher und konstanter als bei konventionellen Anlagen. Diese erreichen bisher Gesamthöhen von etwa 200 bis 250 Metern. Die Nabenhöhe ist der Abstand zwischen der Erdoberfläche und dem Mittelpunkt des Rotors eines Windrads.
Ob Serienfertigung, muss sich erst zeigen
Vor kurzem wurde der 167 Meter hohe Stahl-Rohbau für den Außenturm fertiggestellt. Er erinnert an den Pariser Eiffelturm. Weil kein Kran groß genug dafür ist, werden Turbine und Rotorblätter später an einem teleskopartigen Innenturm in die Höhe geschoben. Finanziert wird das Mega-Windrad durch Forschungsgelder des Bundes. Noch in diesem Jahr soll es fertig werden.
Ob das Konzept die hohen Investitionskosten von rund 25 Millionen Euro rechtfertigt und später in Serie gebaut werden kann, dürfte sich erst langfristig zeigen. Die Windenergieverbände jedenfalls sind zurückhaltend. Man beobachte das Projekt zunächst vor allem aus Sicht von Innovation und Entwicklung, heißt es. Für die nächsten Jahre aber spiele diese Größenordnung keine Rolle.
À surveiller
Perspective IA — des possibilités, pas des certitudes
Das politische Ziel von zehn Gigawatt zusätzlicher Windkraftleistung wird 2026 verfehlt.
Très probable · En quelques mois
Ohne eine rechtzeitige Reform des Erneuerbare-Energien-Gesetzes droht ein abrupter Ausbaustopp für Windkraftprojekte.
Probable · En quelques mois
Questions ouvertes
- Wie werden die Gesetzesentwürfe des Bundeswirtschaftsministeriums final aussehen?
- Wird die EEG-Novelle rechtzeitig verabschiedet?
- Wird das Mega-Windrad in Schipkau wirtschaftlich erfolgreich sein?





