"911er wird nie elektrisch sein": Porsche soll schrumpfen, damit die Gewinne wachsen
Der Sportwagenbauer will mit exklusiveren Modellen und Kostensenkungen die Profitabilität steigern, steht jedoch vor großen Herausforderungen auf dem chinesischen Markt.
Quick Look
- Porsche reagiert auf sinkende Absatzzahlen mit einer neuen Strategie: Fokus auf Luxus, höhere Durchschnittspreise und eine Reduktion der Modellvarianten.
- Trotz Expertenlob bleibt das China-Geschäft aufgrund mangelnder digitaler Angebote eine Herausforderung.
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Why It Matters
Porsche verzeichnete im ersten Halbjahr 2026 einen Rückgang der weltweiten Auslieferungen um 16 Prozent, in China sogar um 32 Prozent.
Sparen, wo Kunden es nicht merken, und dort investieren, wo sie es sehen: So beschreibt Porsches Entwicklungschef die neue Strategie. Experten sehen Chancen auf höhere Gewinne. Für das Geschäft in China dürfte das allein aber nicht reichen.
Mehr Gewinn mit weniger Absatz. Auf diese Gleichung lässt sich die neue Strategie des Sportwagenbauers Porsche herunterbrechen. Der Konzern will exklusivere, teurere Autos bauen und so mit weniger verkauften Einheiten früher über die Gewinnschwelle kommen. Der Durchschnittspreis an der Spitze des Segments soll dafür um rund 60.000 Euro steigen.
Dafür will Porsche mehr hochklassige Modelle verkaufen und Sonderwünsche ermöglichen. Zugleich soll die Zahl der Modellvarianten um etwa 20 Prozent sinken, die Belegschaft mittelfristig um ein Viertel schrumpfen. Die Gewinnschwelle soll künftig bei weniger als 200.000 verkauften Autos liegen. Autoexperte Frank Schwope zeigt sich auf ntv.de-Anfrage zuversichtlich, dass neue Modelle und niedrigere Kosten dem Konzern helfen werden, "die Margen wieder in auskömmliche Höhen zu treiben".
Wie stark Porsche unter Druck steht, zeigten die Halbjahreszahlen: Weltweit lieferte der Konzern von Januar bis Juni 2026 insgesamt 122.306 Autos aus, 16 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum. In China sanken die Auslieferungen sogar um 32 Prozent auf 14.501 Fahrzeuge. Fachmann Stephan Bratzel warnt deshalb: "Die Strategie kann helfen, Porsche wieder profitabler und widerstandsfähiger zu machen, aber sie löst das China-Problem nicht automatisch." Auf dem chinesischen Markt zählten zunehmend Software, digitale Nutzererfahrung und das Verhältnis von Preis und Leistung. Porsche brauche ein Angebot, das besser zum chinesischen Markt passe - besonders bei elektrischen und intelligent vernetzten Autos.
Tatsächlich kündigte der neue Porsche-Chef Michael Leiters für das kommende Jahr elektrische Modelle von Boxster und Cayman an. Zugleich will der Autobauer an Verbrennern und Plug-in-Hybriden festhalten, gar dem elektrischen Macan 2028 ein neues fossiles SUV an die Seite stellen.
"Porsche-Chef kann kein Halbtagsjob sein!"
Porsche will mit der neuen Strategie seinen Schwerpunkt im Preissegment nach oben verschieben, egal welchen Antrieb die Autos haben. "Die oberen Marktsegmente verbinden eine stark wachsende Kundennachfrage mit hoher Exklusivität und attraktiver Profitabilität", formuliert das der Porsche-Chef. Mehr Umsatz sollen auch teure Sonderwünsche bringen: Im Sonderwunsch-Programm können Kunden ihre Fahrzeuge nach eigenen Vorstellungen gestalten lassen. Der Umsatz des Programms soll sich mittelfristig versechsfachen.
Der Anteil besonders teurer Modelle soll von rund einem Drittel auf fast die Hälfte, der Durchschnittspreis der teuersten 10.000 verkauften Autos bis 2030 von 270.000 auf 330.000 Euro steigen. Neben Luxusvarianten des Klassikers 911 prüft Porsche ein SUV, das größer und teurer als der Cayenne sein soll. Ein zweitüriger Supersportwagen oberhalb des 911 dürfte ebenfalls hinzukommen. Damit das Angebot überschaubar bleibt, will Porsche die Zahl der Modellvarianten an anderer Stelle um rund 20 Prozent senken.
Diese Vorgehensweise halten die Experten Schwope und Bratzel beide für grundsätzlich richtig. Dass Porsche aber erst jetzt gegensteuert, kritisieren sie. Bratzel zufolge hat der Konzern den Wandel bei Elektromobilität, China und Kostenwettbewerb zu lange unterschätzt. Schwope wirft dem früheren Chef Oliver Blume vor, Probleme in seiner Doppelrolle bei VW und Porsche vernachlässigt zu haben: "Porsche-Chef kann kein Halbtagsjob sein!"
Entgegen dem Konzern-Trend wurden im ersten Halbjahr mehr Porsche 911 ausgeliefert. Im ersten Halbjahr 2026 übergab Porsche 30.534 Exemplare an Kunden - 19 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Beim 911 geht es Bratzel zufolge weniger um Kürzungen als um die Pflege der Ikone: Exklusivität, besondere Varianten und eine enge Bindung der Kunden an die Marke müssten gepflegt werden. Bei Macan, Cayenne und Panamera fordert er hingegen weniger Varianten und klarere Antriebsstrategien. Beim 911 legte sich Porsche-Chef Leiters bei der Verkündung der neuen Strategie bereits fest: "Der 911er wird niemals elektrisch sein".
What to Watch
AI outlook — possibilities, not facts
Einführung elektrischer Modelle von Boxster und Cayman im kommenden Jahr.
Very likely · Within months
Open Questions
- Wie schnell kann Porsche die Software-Lücke in China schließen?
- Wie reagieren Kunden auf die Reduktion der Modellvarianten?





