Abnehmpille vs. Abnehmspritze: Wirkung, Dosierung und Kosten im Vergleich
Quick Look
- Die Abnehmpille mit Semaglutid wirkt ähnlich wie die Abnehmspritze Ozempic, erfordert jedoch eine höhere Dosierung und tägliche Einnahme unter strengen Bedingungen.
- Während die Behandlung bei Typ-2-Diabetikern von Krankenkassen übernommen wird, kostet sie für Adipositas-Patienten derzeit einige Hundert Euro pro Monat.
- Experten warnen vor Nebenwirkungen und kritisch gegenüber Online-Angeboten.
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Why It Matters
Semaglutid-basierte Medikamente wie Ozempic werden bereits bei Typ-2-Diabetes von Krankenkassen übernommen. Für Adipositas-Patienten wird derzeit über eine Kostenerstattung diskutiert. Die Abnehmpille bietet eine Alternative zur wöchentlichen Spritze, erfordert jedoch eine höhere Dosierung und strenge Einnahmebedingungen.
Bislang kostet die Behandlung mit den Abnehmspritzen einige Hundert Euro pro Monat. Es gibt allerdings Diskussionen darüber, ob die Behandlung für bestimmte Patientengruppen mit Adipositas doch zur Kassenleistung werden sollte.
Anders ist es bei Menschen mit Typ-2-Diabetes: Für sie wird die Behandlung mit Semaglutid unter dem Produktnamen Ozempic von den Krankenkassen übernommen.
Wie wirken die Tabletten?
Genauso wie die Abnehmspritzen enthalten die Tabletten Wirkstoffe aus der Gruppe der GLP-1-Rezeptor-Agonisten (GLP-1-RA). Die Wirkstoffe signalisieren dem Gehirn, dass gegessen wurde, wodurch ein Sättigungsgefühl entsteht. Außerdem bleibt die Nahrung länger im Magen, was das Sättigungsgefühl zusätzlich verlängert. Die Patienten essen insgesamt weniger und nehmen dadurch ab.
Nimmt man durch Tablette und Spritze gleich viel ab?
Ja, die Effekte auf das Gewicht seien vergleichbar, sagte Endokrinologin Nina Meyer von der Berliner Charité bei einem Presse-Briefing des Science Media Centers (SMC). Der wesentliche Vorteil sei, dass Patienten nun die Wahl hätten, ob sie Spritzen oder Tabletten bevorzugten. Manche hätten zum Beispiel Angst vor Spritzen.
Und wo gibt es Unterschiede?
Unterschiede gibt es vor allem bei der Anwendung und der Dosierung. Die Spritze muss nur einmal pro Woche angewandt werden, die Tablette muss jeden Morgen genommen werden. Vor der Einnahme der Tablette sollen Patienten mindestens acht Stunden nicht gegessen haben und dürfen danach 30 Minuten lang kein Essen, Trinken oder andere Medikamente zu sich nehmen, wie die Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände (ABDA) informiert.
Außerdem ist die Dosis der Tabletten deutlich höher. Das liegt daran, dass Magen und Dünndarm nur einen sehr kleinen Anteil der Wirkstoffmenge aufnehmen, wie Hans Hauner, Direktor des Else-Kröner-Fresenius-Zentrums für Ernährungsmedizin an der Technischen Universität München, erklärte. „Sie brauchen vom gleichen Wirkstoff 70-mal so viel, wenn Sie das in Tablettenform geben, als wenn Sie das spritzen.“
Endokrinologin Meyer ergänzte, die Spritzentherapie könne bis maximal 2,4 Milligramm hochdosiert werden, für die Tabletten werde eine Dosierung von 25 Milligramm als Maximaldosis verfügbar sein.
Wie groß ist der Effekt?
Studienergebnisse zur Abnehmspritze hatten gezeigt, dass Versuchsteilnehmer durch Semaglutid durchschnittlich etwa 11 bis 17 Prozent abnehmen. Die Gewichtsabnahme liege bei etwa 10 bis 12 Kilo, so Hauner. Experten betonen jedoch, dass das Medikament allein nicht reiche, um das Gewicht dauerhaft zu halten. „Es ist keine alleinstehende Therapie“, erklärte Meyer, die Leiterin des Ernährungsteams und der Endokrinologie am interdisziplinären Adipositaszentrum der Charité ist. Wichtig sei eine ärztliche Begleitung sowie Therapien für Ernährung, Bewegung und Verhalten.
Eine britische Studie zur Abnehmspritze, die im März veröffentlicht wurde, hatte gezeigt, dass Patienten nach dem Absetzen schnell wieder zunehmen, womöglich aber etwa ein Viertel des Gewichtsverlusts längerfristig bewahren. Demnach waren ein Jahr nach Therapiestopp durchschnittlich 60 Prozent des verlorenen Gewichts wieder drauf.
Gibt es Nebenwirkungen?
Es können Nebenwirkungen wie Übelkeit, Erbrechen oder Verstopfung auftreten, so Meyer. Bisherige Studien zu Abnehmmitteln mit GLP-1-RA hätten gezeigt, dass die Nebenwirkungen meist mild bis moderat und selten schwer sind.
Was sagen die Experten zu Online-Angeboten für die Abnehmpille?
Hauner und Meyer sehen Online-Angebote sehr kritisch. Es gebe keine gute ärztliche Betreuung, in der Regel gehe es den Anbietern darum, Geld zu machen, sagte Hauner. Auch die ABDA warnt vor „dubiosen Online-Angeboten“.
What to Watch
AI outlook — possibilities, not facts
Die Abnehmpille wird voraussichtlich innerhalb der nächsten 12 Monate für bestimmte Adipositas-Patientengruppen von den Krankenkassen übernommen, ähnlich wie bei Typ-2-Diabetes.
Likely · Within months
Open Questions
- Wann könnte die Abnehmpille für Adipositas-Patienten von den Krankenkassen übernommen werden?
- Wie hoch werden die monatlichen Kosten für die Abnehmpille bei nicht übernommenen Leistungen sein?
- Gibt es langfristige Studien zur Sicherheit der hohen Dosierung der Abnehmpille?

