
Der Riester-Nachfolger bietet Steuervorteile, doch für Gutverdiener gibt es Alternativen. Ein Vergleich der Optionen für die Altersvorsorge.
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Das Altersvorsorgedepot soll ab 2027 die Riester-Rente als staatlich gefördertes Vorsorgeinstrument ablösen.
Der Riester-Nachfolger bietet neben der Förderung Steuervorteile. Das klingt für Gutverdiener verlockend. Doch es gibt Alternativen – auch ein Produkt, das früher umstritten war, zählt dazu.
München. „Deutschland macht Rente.“ Mit Slogans wie diesem machen Finanzdienstleister auf ihre Angebote zum Altersvorsorgedepot aufmerksam. Der Riester-Nachfolger wird von vielen Beraterinnen und Beratern nicht nur als ein geförderter Baustein für die Altersvorsorge angepriesen, sondern auch Gutverdienern mit einem Bruttogehalt ab etwa 5900 Euro im Monat als Steuersparmodell angeboten.
Denn in das Altersvorsorgedepot kann deutlich mehr investiert werden als die 1800 Euro pro Jahr, die nötig sind, um die maximale Förderung zu bekommen.
Aus Sicht von Fachleuten kann es sich für Menschen mit hohem Einkommen lohnen, mehr in das neue Depot einzuzahlen. Aber es gibt Alternativen. Das Handelsblatt zeigt, welche das sind und warum ein Altersvorsorgedepot beim Sparen fürs Alter immer eine Rolle spielen sollte.
Das Altersvorsorgedepot
Das Altersvorsorgedepot wird ab 2027 die Riester-Rente ersetzen. Auch hier spart der Staat mit. Pro Person sind jährlich bis zu 540 Euro Förderung möglich. Dazu müssen ab 2027 pro Jahr 1800 Euro in ein als Altersvorsorgedepot zertifiziertes Finanzprodukt fließen. Es wird von jedem Anbieter mindestens ein Standardprodukt geben, dessen Gesamtkosten nicht über ein Prozent der angelegten Summe gehen dürfen. Ferner können Finanzdienstleister auch Vorsorgedepots mit höheren Kosten anbieten.
Die Vorteile
Sparerinnen und Sparer können auch mehr ins Altersvorsorgedepot einzahlen, als für die maximale Förderung notwendig ist. Insgesamt soll dies in bis zu zwei Verträgen möglich sein, in die jeweils maximal 6840 Euro fließen können. Abzüglich der 1800 Euro, die eingezahlt werden, um die höchste individuelle Förderung zu erhalten, können demnach über beide Verträge hinweg weitere 11.880 Euro pro Jahr ohne Förderung eingezahlt werden.
Das kann sich lohnen, wie Berechnungen des Handelsblatts zeigen. Werden die beiden Altersvorsorgedepots maximal mit einer Rendite von 6,5 Prozent nach Kosten bespart, können in 30 Jahren rund 1,3 Millionen Euro zusammenkommen. Die bis dahin ausgezahlten 16.200 Euro an staatlicher Förderung haben sich in der Zeit mehr als verdreifacht.
Im Altersvorsorgedepot, ganz gleich ob im geförderten oder ungeförderten Teil, sollen beim Umschichten keine Steuern anfallen. Auch die sogenannte Vorabpauschale, die Sparer bei wiederanlegenden ETF-Sparplänen oder anderen Sparplänen zahlen müssen, fällt nicht an.
Im Ruhestand muss zwischen dem geförderten und dem ungeförderten Teil des Altersvorsorgedepots unterschieden werden. Vom geförderten Teil dürfen höchstens 30 Prozent ausgezahlt werden. Das gesamte Kapital der Teilauszahlung wird mit dem persönlichen Steuersatz besteuert. Der Rest muss in einen Auszahlungsplan fließen oder lebenslang als Rente ausgezahlt werden.
Der ohne Förderung angesparte Teil des Altersvorsorgedepots kann komplett auf einen Schlag ausgezahlt werden. In diesem Fall gilt das Halbeinkünfteverfahren. Hierbei wird nur die Hälfte der Erträge mit dem persönlichen Steuersatz versteuert. War das Geld allerdings kürzer als zwölf Jahre investiert, greift die Abgeltungsteuer auf die gesamten Erträge.
Auch bei einem Auszahlplan, in dem das Kapital über eine bestimmte Laufzeit schrittweise ausgezahlt wird, spielt die Förderung eine Rolle: Die regelmäßigen Auszahlungen aus dem geförderten Kapital unterliegen dem persönlichen Steuersatz. Beim ungeförderten Teil kommt es darauf an, wann der Auszahlplan beginnt. Startet der Plan mit 65 Jahren, werden 18 Prozent der Auszahlungsrate mit dem persönlichen Steuersatz belegt. Startet der Plan mit 67, reduziert sich der zu versteuernde Anteil auf 17 Prozent.
Bei einer lebenslangen Rente fließt das Geld bis zum letzten Atemzug, und zwar garantiert. Das klingt laut Niels Nauhauser von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg zwar attraktiv. Aber eine Rentenversicherung kann nur wenig am Aktienmarkt investieren. Sie muss vorsichtig anlegen, um eine lebenslange Rente zu garantieren. „So sind die Renditen deutlich niedriger als bei einem Auszahlplan und die Kosten deutlich höher“, erklärt der Verbraucherschützer. Steuerlich wird bei den Auszahlungen ebenfalls zwischen dem geförderten und dem ungeförderten Teil unterschieden. Die Regeln entsprechen denen des Auszahlplans.
Die Nachteile
Das Altersvorsorgedepot ist als gefördertes Produkt, in einigen Punkten unflexibel. So muss die Auszahlphase zwischen 65 und 67 beginnen. „Wer plant, seinen Ruhestand außerhalb der EU zu verbringen, läuft Gefahr, die Förderung zurückzahlen zu müssen“, sagt Marcel Reyers, Vorstand der Finanzplanervereinigung Financial Planning Standard Board.
Finanzplanerin und Fachautorin Stefanie Kühn warnt davor, nur der Steuer wegen mehr in ein Altersvorsorgedepot einzuzahlen, als für die Förderung nötig ist. „Es wird in 30 oder mehr Jahren sehr schwer sein, herauszufinden, ob die Steuern wirklich korrekt berechnet wurden“, sagt Kühn.
Die Netto-Police
Bei der Netto-Police handelt es sich um eine Form der Rentenversicherung. In sie werden regelmäßig viele kleine Beträge oder einmal ein großer Beitrag eingezahlt. Rentenversicherungen gelten wegen der hohen Kosten unter Finanzplanern und Verbraucherschützern als wenig sinnvoll.
Netto-Policen sind günstiger, da keine Provisionen von der Versicherungsgesellschaft an die Verkäufer der Police fließen. Sie werden von Versicherungsberatern vertrieben, die gegen Honorar arbeiten. Der Stundensatz eines Versicherungsberaters liegt meist zwischen 150 und 200 Euro zuzüglich Mehrwertsteuer. Laut Finanzplaner Reyers reichen zwei bis vier Stunden, um eine solche Police zu erklären. Neben diesem einmaligen Honorar fallen regelmäßige Gebühren für den Versicherungsmantel und die darin enthaltenen ETFs an. Unterm Strich stehen Kosten von etwa 0,5 bis einem Prozent des Guthabens.
Die Vorteile
Wie beim Altersvorsorgedepot können Menschen, die mit einer Netto-Police vorsorgen, während der Einzahlphase laufend umschichten, ohne Steuern zahlen zu müssen.
In der Auszahlphase haben Anleger mehrere Möglichkeiten. Die lebenslange Rente gilt aus Sicht vieler Fachleute unter Renditegesichtspunkten als schwächste Option. „Man muss weit über 90 werden, damit die Auszahlungen dem zuvor angesparten Kapital entsprechen“, sagt Verbraucherschützer Nauhauser.
Steuerlich erscheint die Rente jedoch attraktiv. Denn bei ihr wird nur der Ertragsanteil besteuert, der sich je nachdem, wann die erste Auszahlung fließt, verändert. Startet die Rente mit 64 Jahren, werden 19 Prozent der Rente mit dem persönlichen Steuersatz besteuert. Wird die Rente zum ersten Mal mit 75 ausgezahlt, sind es nur noch elf Prozent.
Alternativ zur lebenslangen Rente kann das angesparte Geld auch auf einen Schlag ausgezahlt werden. Hierbei werden 15 Prozent der Erträge als sogenannte Teilfreistellung abgezogen. Die verbliebenen 85 Prozent werden halbiert und mit dem persönlichen Steuersatz versteuert.
Ein Beispiel: Von 500.000 Euro Gesamtertrag bleiben 425.000 Euro übrig, die Hälfte davon, also 212.500 Euro, muss versteuert werden. Liegt der persönliche Steuersatz bei 42 Prozent, werden 87.500 Euro fällig. Das entspricht einem Steuersatz von 17,5 Prozent und ist damit etwas geringer als der Abgeltungsteuersatz zuzüglich Soli von gut 26 Prozent abzüglich der Teilfreistellung von 30 Prozent, die für einen reinen Aktien-ETF anfallen.
Neben diesen beiden Optionen können Inhaber einer Netto-Police auch einen Teil des Kapitals sofort nehmen und den anderen verrenten lassen.
Die Nachteile
ETF-Policen kosten mehr als ein Depot, das in Eigenregie geführt wird. Das ist für Stefanie Kühn bereits ein Ausschlusskriterium. Denn ob die steuerlichen Vorteile die Kosten aufwiegen, lasse sich nur im Nachhinein feststellen. Marcel Reyers warnt: „Die Policen sind in ihrer Grundstruktur zwar gleich, aber in den Details sehr unterschiedlich.“
So sind bei einigen Anbietern eventuelle Zuzahlungen gedeckelt oder Auszahlpläne ausgeschlossen. Während bei einem ungeförderten ETF-Depot Anlegern das gesamte ETF‑Universum offensteht, haben einige Anbieter weniger als 50 ETFs zur Auswahl. Das kann für ambitionierte Anleger zu wenig sein.
Netto-Policen sind keine Produkte, die aktiv von Versicherungsgesellschaften beworben werden. Bundesweit gibt es zudem nur wenige Versicherungsberater, die diese Policen anbieten. Und auch hier gilt es, vorher die Kosten zu erfragen: „Es kommt bisweilen vor, dass neben dem Beratungshonorar regelmäßige Honorare verlangt werden“, warnt Marcel Reyers.
Bei der Auszahlung auf einen Schlag müssen Inhaber der Police mindestens 62 Jahre alt sein und die Versicherung zuvor mindestens zwölf Jahre lang bespart haben.
Das ETF-Depot
Auch ohne Förderung oder Versicherungsmantel lässt sich vorsorgen. Ein simpler ETF-Sparplan ist schon heute für Millionen Menschen in Deutschland das Mittel der Wahl.
Die Vorteile
Der Preiskampf unter Banken und Brokern hat Depotgebühren mehr oder weniger verschwinden lassen, und auch die Orderkosten bei ETF-Sparplänen liegen nach einer Erhebung des Handelsblatts bei maximal zwei Prozent des Sparbetrags, oft aber sogar niedriger.
Viele Banken und Broker bieten über ihre Plattformen teils eine vierstellige Auswahl an ETFs. Zwar sind nach den Worten von Stefanie Kühn nicht alle ETFs sinnvoll. Vor allem von sogenannten ETFs, die nur zu einem Thema aufgelegt wurden, hält die Finanzplanerin wenig, aber viel Angebot bedeutet auch, dass es denselben ETF von vielen unterschiedlichen Anbietern gibt.
Zwischen dem Berufseinstieg und der Rente passiert nach Kühns Worten „ziemlich viel Leben“. Damit spielt sie darauf an, dass die Flexibilität eines Depots ein echter Trumpf sein kann, wenn es etwa darum geht, einen großen Teil des mit ETFs angesparten Geldes für Wohneigentum zu nutzen.
Die Nachteile
Ein ETF-Depot ist nicht gefördert. Jedes Umschichten führt dazu, dass Steuern – Abgeltungsteuer, Solidaritätszuschlag und unter Umständen Kirchensteuer – fällig werden. Zwar werden die zusammengenommen gut 26 Prozent Steuer dank der Teilfreistellung bei Aktien-ETFs nur von 70 Prozent der Erträge abgezogen, aber jedes Mal, wenn Anteile an einem ETF verkauft oder ETFs ausgetauscht werden, wird die Steuer fällig. Dazu kommt bei wiederanlegenden ETFs eine Vorabpauschale.
Im Vergleich zum Vorsorgedepot und zur Netto-Police gibt es beim ETF-Depot keine festgelegte Auszahlphase und auch keine steuerlichen Vergünstigungen. Werden die einzelnen ETF-Tranchen allmählich verkauft, müssen immer wieder Abgeltungsteuer und Co. gezahlt werden. Dabei gilt die sogenannte First-in-first-out-Regel (kurz Fifo genannt). Die ältesten Sparplan-Tranchen, die in der Regel über die Zeit die höchsten Gewinne erzielt haben, werden zuerst verkauft.
Was lohnt sich für wen?
Stefanie Kühn und Marcel Reyers sind sich einig: Wer als Gutverdiener – also mit einem Bruttojahresgehalt ab etwa 70.000 Euro – eine passable gesetzliche Rente und unter Umständen noch eine Betriebsrente erwarten kann, solle beim Altersvorsorgedepot lediglich die Förderung mitnehmen.
Das heißt: Diese Menschen sollten pro Jahr maximal 1800 Euro ansparen, um die höchstmögliche persönliche Förderung in Höhe von 540 Euro zu bekommen. Eltern sollten die Förderung für ihre Kinder ebenfalls berücksichtigen. Mehr Geld sollte diese Gruppe nicht in ein Altersvorsorgedepot stecken.
„Diese Menschen sollten ihre private Vorsorge nutzen, um flexibel zu sein“, sagt Kühn. Dafür eigne sich ein ungefördertes Depot, in dem ETFs bespart werden, sehr gut. Dieser Weg ist auch für Anleger von Vorteil, die ihr Depot wenig umschichten. Wer konsequent ETF-Anteile kauft und hält und auf Indexfonds setzt, die ihre Gewinne wiederanlegen, dessen Steuernachteil ist gegenüber einem Altersvorsorgedepot und einer Netto-Police vergleichsweise gering.
Für die Netto-Police spricht nach seinem Dafürhalten die größere Flexibilität, in der Einzahl- und auch der Auszahlphase. „Sie können jederzeit Beiträge entnehmen und auch später oder auch früher als zwischen 65 und 70 in Ruhestand gehen“, sagt er. Das Altersvorsorgedepot sollte in jedem Fall so bespart werden, dass die höchstmögliche Förderung fließt.

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