Am Ende dürfen Menschen wieder Menschen sein
Experten diskutieren beim Deutschen KI-Preis über Herausforderungen, Führungskompetenz und die Rolle von Start-ups bei der Transformation.
Quick Look
- Beim Deutschen KI-Preis diskutierten Experten über den erfolgreichen Einsatz von Künstlicher Intelligenz in der Wirtschaft.
- Im Fokus standen mangelndes Management-Wissen, Change Management, die Einbindung von Start-ups und neue Produktivitätspotenziale.
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Why It Matters
Beim Deutschen KI-Preis diskutierten Experten über die Herausforderungen bei der Implementierung von Künstlicher Intelligenz in der Wirtschaft.
Wie bereite ich mich auf eine Diskussionsrunde über Künstliche Intelligenz vor? Nun, mit KI natürlich. Linus Beck, Redakteur bei WELT und BUSINESS INSIDER, der erstmals eine Panel-Diskussion bei der Verleihung des KI-Preises moderierte, hat sich für die tägliche Arbeit sein eigenes Advisory Board gebaut. Darin sammelt er Meinungen von Experten, etwa Gründern, Investoren und Journalisten, und erhält so pointierte Empfehlungen.
Seine drei „Panelisten“ auf dem Podium hätten sicher ebenfalls einen Platz in Becks Advisory Board verdient: Susanne Arnoldy, Chief Technology & Innovation Officer beim Wirtschaftsprüfer PwC Deutschland, der KI-Unternehmer Chris Boos, der auch Jurymitglied für den Preis ist, sowie Jörg Schmücker, als Distinguished Solutions Strategist für das Datenbank-Managementsystem MongoDB tätig. Sie tauschten sich unter dem Motto „Von der Innovation zur Anwendung“ darüber aus, wie KI in der Wirtschaft wirklich Wirkung entfalten kann.
Veränderungen des Geschäftsmodells und Wachstum hängen miteinander zusammen. Darüber hatte Susanne Arnoldy Zahlen parat. „Eine AI-Performance-Studie sagt: Nur 20 Prozent der Unternehmen, die KI nutzen, sind erfolgreich“, so die CTO von PricewaterhouseCoopers. „Das Interessante ist: Diese Unternehmen sind um das 7,2-Fache erfolgreicher aus finanzieller Sicht.“ Das bedeutet: „Wenn ich KI richtig einsetze, wachse ich.“
Ein zweites großes Thema sei die Führungsebene. „Nach meiner Devise muss jeder KI nutzen, ob CEO oder CFO.“ Über eine vor wenigen Tagen veröffentlichte Studie sei sie selbst ein wenig erschrocken. „Die hat nämlich gesagt: 47 Prozent der Senior-Executives verstehen KI gar nicht.“ Arnoldy hält das für ein Anwenderproblem, mit dem sich die Wirtschaft viel stärker beschäftigen müsse: „Für mich gehört Technologie auch in den Vorstand.“ KI spiele in allen Themen eine Rolle, ob Produktionsstätte, Finanzdaten oder Business-Strategie. Hier müsse in Deutschland im Vergleich zu anderen Ländern viel mehr getan werden.
„Die Leute müssen KI lernen“, betonte auch Chris Boos. Es gäbe noch Schlimmeres, als KI nicht zu benutzen, formuliert es der unkonventionell auftretende Unternehmer und Investor gewohnt nonchalant: „Wenn der Manager am Chatbot fragt, was er denn als Nächstes machen soll, sollte er eigentlich gesteinigt werden, denn das ist keine transformative Frage.“ Auch Jörg Schmücker von MongoDB beobachtet, dass man auf vielen Ebenen in Firmen noch gar nicht weiß, wie man mit dem neuen Werkzeug umgeht. Noch wichtiger erscheint dem Technologie- und Strategie-Experten die organisatorische Herausforderung: „Wir wissen bisher nicht, wie wir Leute managen, die mit KI-Modellen arbeiten.“
Change Management war nicht nur beim Panel ein Thema, sondern auch in dem Gespräch, das WELT-TV-Moderatorin Katja Losch mit Klaus Dohrmann führte. Für den Head of Innovation & Trend Research bei DHL ist die frühzeitige Einbindung und Kommunikation mit Mitarbeitern der Schlüssel für die erfolgreiche Einführung neuer Technologien. Als Mitglied der Jury des Deutschen KI-Preises freue es ihn, dass mit Robert Bosch ein traditionelles Unternehmen ausgezeichnet wurde, das eine Start-up-Mentalität entwickelt habe. His Firma DHL, eines der größten Logistikunternehmen weltweit mit 600.000 Mitarbeitern in 220 Ländern, arbeitet gezielt mit Gründern zusammen, um Innovationen zu fördern.
„Start-ups stehen nicht unbedingt Schlange vor unserer Tür“, räumte Dohrmann ein. Das wolle man ändern, unter anderem mit der Website Warehouse of Innovation. „Dort gehen wir gezielt auf Start-ups zu, die dann über diesen Kanal in die große DHL-Welt kommen können.“ Eine Welt, in der man oft schon Lösungen sucht, wenn man noch gar nicht sicher ist, ob es das betreffende Problem jemals geben wird. „Wenn wir es mit dem Start-up zusammen schaffen, an einer kleinen Stelle einen Prozess schneller oder besser zu machen, kann man das unter Umständen in 220 Ländern machen.“
Bei Investitionen leidet seine Branche noch unter einem Image-Problem. Nur zwei bis drei Prozent des Venture-Capitals fließen in Logistik-Start-ups, trotz hoher wirtschaftlicher Bedeutung. Nicht zuletzt deswegen veröffentlicht DHL seit zehn Jahren den „Trend Radar Logistik“ zur Trendidentifikation und offenen Innovationsförderung.
Start-ups können Innovation und Integration von KI beschleunigen, stoßen aber auf Widerstände beim Einkauf durch Großunternehmen. Das betonte auch das Quartett im Panel. Chris Boos, der an diesem Abend den KI-Preis in der Kategorie Start-ups überreichte, kennt zwei Sorten von Gründern. „Es gibt die, die ganz groß träumen und wirklich was Fundamentales ändern wollen und uns zukunftsfest machen könnten. Die werden in Deutschland häufig totgeprügelt, weil sie nicht sofort einen guten Business-Case haben. Die zweite Gruppe sind diejenigen, die spezifisches Fachwissen übersetzen in etwas, was man unternehmerisch sofort anwenden kann.“ Sein Fazit: Unsere Wirtschaft wäre gut positioniert, würde man mehr Start-ups in die Unternehmen hereinlassen.
Um die internen Widerstände begreiflich zu machen, brachte Susanne Arnoldy einen Vergleich mit der Weihnachtsgans: „Wenn ich die Gans fragen würde, möchtest du Weihnachten auf dem Tisch sitzen, würde sie wahrscheinlich sagen: ohne mich. Ebenso haben Menschen, deren Geschäftsbereich infrage gestellt wird, natürlich Probleme, sich selbst zu kannibalisieren.“ Man müsse die richtigen Leute finden, die was infrage stellen können. Dabei entstünden auch neue Geschäftsideen und Geschäftsbereiche, so die PwC-Expertin.
Eine neue Innovation anzunehmen, zu übernehmen und praktikabel zu machen, das benötigt Zeit, betonte Jörg Schmücker. Man müsse nicht nur das Wissen in die Breite bringen, sondern den Menschen auch die Angst nehmen, dass sie plötzlich keinen Job mehr haben. „Es gibt immer kurzfristige und langfristige Gewinner bei diesen Technologieinnovationen. Aber letztlich gewinnen wir alle.“ Allein das Potenzial in der Softwarebranche, wo ein unglaublicher Produktivitätsgewinn möglich sei, bringt den im Banking erprobten MongoDB-Experten zur Überzeugung: Es lohnt sich, das Risiko einzugehen. „Mit den Problemen sollten wir uns beschäftigen, wenn wir sie haben, und nicht jetzt schon alles kaputt regulieren.“
Seit der Industrialisierung verlange man von Menschen, dass sie arbeiten wie Maschinen, so Chris Boos. „Deswegen mussten wir Marketing und Qualitätskontrolle und all so was erfinden. Aber es macht Menschen unglücklich.“ Hier liege die größte Chance in der technologischen Entwicklung: „Menschen dürfen wieder Menschen sein.“
What to Watch
AI outlook — possibilities, not facts
DHL fördert Start-ups verstärkt über die Plattform Warehouse of Innovation.
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Open Questions
- Wie wollen Unternehmen konkret die Wissenslücken im Management schließen?
- Welche konkreten Start-ups werden von DHL gefördert?



