Anleihen: Für schwache Schuldner wird es eng
Quick Look
- Anleihen französischer Unternehmen mit guter Bonität werden derzeit zu niedrigeren Renditen als französische Staatsanleihen gehandelt, während schwächere Schuldner höhere Zinslasten tragen.
- Die Umkehrung der traditionellen Risikobeziehung zeigt, dass Investoren Unternehmen und Staaten differenziert bewerten.
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Why It Matters
Traditionell zahlen Unternehmen höhere Zinsen als ihre Heimatstaaten aufgrund schlechterer Bonität. Doch steigende Staatsverschuldung und Misstrauen gegenüber Staatsanleihen haben diese Beziehung umgekehrt, insbesondere in Frankreich.
Die steigenden Renditen zeigen auch bei Firmenbonds ihre Wirkung. Für Unternehmen mit guter Bonität bleibt die Finanzierung tragbar – schwachen Schuldnern drohen deutlich höhere Zinslasten.
Prozentzeichen: Investoren verlangen höhere Renditen. Foto: mauritius images / Ikon Images
Anleihen französischer Unternehmen im Wert von 215 Milliarden Euro haben aktuell niedrigere Renditen als französische Staatsanleihen, berichtet Bloomberg.
Trotz gestiegener Renditen von Staatsanleihen bleiben Finanzierungen für Firmen guter Bonität tragbar, die Risikoprämien entsprechender Firmenbonds liegen im Euro-Raum bei knapp einem Prozentpunkt.
Air Liquide platzierte sogar Anleihen mit Renditen rund 0,25 Prozentpunkte unter denen französischer Staatsanleihen, was zeigt, dass Investoren Konzerne und Staaten differenziert betrachten.
Unternehmen mit schlechter Bonität, besonders im Non-Investmentgrade-Segment, stehen allerdings teils vor höheren Zinszahlungen.
Die Zusammenfassung wurde mithilfe von KI erstellt und redaktionell geprüft.
Frankfurt. Verkehrte Zinswelt. Eigentlich gilt am Anleihemarkt die Regel, dass sich Unternehmen bis auf wenige Ausnahmen nur zu schlechteren Konditionen verschulden können als ihre Heimatländer. Doch das Misstrauen gegenüber den ausufernden Staatsschulden ist mittlerweile so groß, dass die Investoren immer mehr Firmen mit guter Bonität mittlerweile bessere Konditionen einräumen.
Das gilt vor allem für Frankreich. Dort werfen Anleihen von Unternehmen im Wert von 215 Milliarden Euro im Handel inzwischen geringere Renditen ab als französische Staatsanleihen. Das sind laut Daten des Informationsdienstes Bloomberg 18-mal mehr als noch zu Beginn des Jahres.
Diese ungewöhnliche Umkehrung zeigt, dass der steile Anstieg der Renditen für Staatsanleihen auch die Welt der Unternehmensfinanzierung durcheinanderwirbelt. „Das ist eines der größten Themen momentan“, sagt Denis Ertungealp, der bei der US-Bank Bank of America (BofA) deutsche Industriekonzerne betreut, die Anleihen begeben.
Die steigenden Renditen der Staatsanleihen machen grundsätzlich auch die Refinanzierung für Unternehmen teurer. Dabei blieben die Firmen lange Zeit von den extremen Ausschlägen bei den Staatsschulden verschont. Doch das hat sich in den vergangenen Wochen geändert.
Die Risikoprämien, also die Renditeaufschläge im Vergleich zu Staatsanleihen, zogen zuletzt deutlich an. Das wirft für Kreditstrategen wie Juan Valencia von der französischen Großbank Société Générale die Frage auf, ob damit das Ende der bislang noch gut tragbaren Finanzierungen für Unternehmen eingeläutet wird.
Noch können vor allem die Unternehmen mit guter Kreditwürdigkeit, denen die Ratingagenturen Bonitätsnoten im Bereich Investmentgrade-Ratings geben, mit den gestiegenen Kosten leben. Die durchschnittliche Rendite ist für auf Euro lautende Anleihen zwar seit Jahresanfang von 3,3 auf 4,2 Prozent gestiegen und in den USA von 4,8 auf 6,0 Prozent.
Damit reißen Firmenbonds anders als Staatsanleihen allerdings nicht jahrzehntealte Renditerekorde, sondern erreichen lediglich das Niveau von vor zwei Jahren. Die Risikoprämien liegen trotz der jüngsten Anstiege auf knapp einen Prozentpunkt im Euro-Raum und auf 0,8 Prozentpunkte in Dollar sogar nur auf dem Stand des vergangenen Jahres.
„Davon, dass Unternehmen mit Investmentgrade-Ratings Probleme bekommen, sind wir noch etwas entfernt“, sagt Ertungealp. Auch bei der Nachfrage von Investoren gebe es noch keine Probleme.
Neue Anleihen von Unternehmen seien zwar etwas weniger gefragt als zu Beginn des Jahres. Letztlich sei die Nachfrage aber im Schnitt immer noch gut dreimal so hoch wie das Angebot.
Unternehmen steuern auf Emissionsrekord zu
Die gute Nachfrage ist umso bemerkenswerter, da die Unternehmen in diesem Jahr schon neue Anleihen über knapp 390 Milliarden Euro und eine Billion Dollar begeben haben. Damit steuern die Emissionen im Euro-Raum auf einen Rekord und in den USA auf den höchsten Stand seit dem Jahr 2020 zu.
Die gestiegenen Renditen schlagen indes nicht sofort eins zu eins auf die Zinskosten der Unternehmen durch. Das liegt daran, dass Unternehmen noch viele Anleihen ausstehen haben, die sie in Niedrigzinszeiten vor dem Jahr 2022 begeben haben. Daher dauert es, bis sich das höhere Zinsniveau stärker in den Bilanzen der Unternehmen zeigt.
Hinzu kommt: Viele Firmen haben ihre Bilanzen mit Blick auf Ertragskraft und Verschuldung in den vergangenen Jahren deutlich verbessert. Dies habe sich durch die jüngsten Marktturbulenzen nicht geändert, betont Valencia von der Société Générale. Deshalb geht er davon aus, dass die Risikoprämien wieder sinken werden.
Air Liquide finanziert sich deutlich günstiger als Frankreich
Das jüngste Beispiel dafür, dass Investoren Unternehmen bereitwilliger Kredit geben als den sich immer stärker verschuldenden Staaten, ist der französische Industriegasekonzern Air Liquide. Er konnte seine Anleihen zu Renditen platzieren, die rund einen Viertelprozentpunkt unter denen französischer Staatsanleihen lagen. So viel günstiger als der französische Staat konnte sich zuvor noch kein Unternehmen refinanzieren. „Das zeigt, dass Investoren einen internationalen Konzern nicht in dasselbe Raster packen wie den französischen Staat“, sagt Ertungealp.
„Die Lage ist aber nicht für alle Unternehmen gleichermaßen gut, schränkt der Anleiheexperte ein: „Je weiter man im Ratingspektrum nach unten geht, desto größer werden die Risiken.“ Anhaltend höhere Renditen werden auch nach Einschätzung der Ratingagentur S&P Global vor allem die schwächeren Kreditnehmer auf die Probe stellen.
So sind die Renditen von Unternehmen mit Bonitätsnoten im Non-Investmentgrade für schwächere Schuldner im Euro-Raum und den USA um jeweils anderthalb Prozentpunkte im Schnitt auf 6,5 Prozent beziehungsweise 8,2 Prozent gestiegen. Auch die Risikoprämien zogen stärker an.
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Da Unternehmen mit schlechterer Bonität zudem in der Regel Anleihen mit kürzeren Laufzeiten begeben, schlagen sich die gestiegenen Renditen schneller auf die Zinszahlungen durch. Akut gefährdet sind dabei nach Berechnungen von Lotfi Karoui, Kreditstratege beim weltgrößten aktiven Anleiheinvestor Pimco aus den USA, vor allem US-Unternehmen mit extrem schlechter Bonität und Ratings im Bereich „CCC“.
Wenn diese Unternehmen ihre in den nächsten beiden Jahren fälligen Anleihen zu den aktuellen Renditen refinanzieren müssten, würde sich die Zinslast gegenüber dem aktuellen Niveau verdoppeln, hat Karoui ausgerechnet. Die Folge wären gravierende Schieflagen und Ausfälle.
Mehr: Emmanuel Macron in der Schuldenfalle
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AI outlook — possibilities, not facts
Die Risikoprämien für Investmentgrade-Unternehmensanleihen werden wieder sinken, wenn das Vertrauen in Staatsanleihen stabilisiert.
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US-Unternehmen mit CCC-Ratings könnten bei Refinanzierung ihrer in den nächsten beiden Jahren fälligen Anleihen eine Verdopplung der Zinslast erleben.
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Open Questions
- Wie lange wird die aktuelle Umkehrung der Renditen zwischen Unternehmens- und Staatsanleihen anhalten?
- Welche Auswirkungen hat die Situation auf die Finanzierungsstrategien französischer Unternehmen langfristig?
- Wie reagieren andere Euro-Länder auf diese Entwicklung?







