Artefact übernimmt deutsche KI-Beratung Nunatak, um in Deutschland zu expandieren
Quick Look
- Die französische KI-Beratung Artefact übernimmt die deutsche Boutique Nunatak mit Sitz in München, Berlin und Zürich, um ihren Markteintritt in Deutschland zu vollziehen und eine Alternative zu etablierten Beratern wie McKinsey aufzubauen.
- Die Übernahme stärkt Artefacts Präsenz in der DACH-Region und nutzt die Verbindungen zum französischen Präsidenten Emmanuel Macron sowie dessen KI-fördernder Politik.
AI-generated summary
Why It Matters
Artefact profitiert von der offensiven KI-Politik des französischen Präsidenten Emmanuel Macron, die Investitionsanreize und Gipfel wie den AI Action Summit umfasst. Die Firma hat durch Übernahmen wie NetBooster (2017) und Agilytic (2025) expandiert und wird vom britischen Finanzinvestor Cinven unterstützt, der die Beratung auf eine Milliarde Euro bewertet.
Mit der Übernahme der KI-Boutique Nunatak aus München schafft die französische Beratung Artefact den Markteintritt. Das Ziel: eine Alternative zu McKinsey und Co. aufbauen.
Macron beim AI Action Summit in Paris: Verbindungen zur Beratung Artefact. Foto: AP
Düsseldorf, Paris. Die mit dem französischen Präsidenten Emmanuel Macron vernetzte KI-Beratung Artefact will sich in Deutschland etablieren und expandieren. Dafür hat die französische Beratung nun den kleineren deutschen Wettbewerber Nunatak mit Büros in München, Berlin und Zürich übernommen. Das bestätigten die Beteiligten dem Handelsblatt.
„Mit Artefact haben wir einen starken globalen Partner gefunden, um unsere Mission für deutsche Firmen besser umsetzen zu können. Gemeinsam wollen wir unser Angebot der integrierten KI-gesteuerten Transformation entscheidend ausbauen und schneller wachsen“, sagte Nunatak-Gründer Robert Jacobi dem Handelsblatt. Beide Beratungen verstünden sich als „Disruptoren“ im Beratungsgeschäft.
Die Beratung Artefact hat in den vergangenen Jahren massiv von Macrons offensiver KI-Politik profitiert. Mit Gipfeln, Investitionsanreizen und dem Werben um Milliardeninvestitionen versucht der französische Präsident, Frankreich als europäischen Standort für Künstliche Intelligenz und Zukunftstechnologien zu etablieren.
Über die Beratungsbranche hinaus bekannt geworden ist Artefact durch die im November 2025 initiierte Konferenz „AI Adopt“ in Paris. Das war die Folgekonferenz des zuvor von der französischen Regierung veranstalteten „AI Action Summit“ und sollte die Einführung und Verbreitung Künstlicher Intelligenz in der Wirtschaft vorantreiben.
Zu dieser Konferenz kamen nach Angaben der Veranstalter 20.000 Unternehmer, Investoren und Berater. Die Abschlussrede hielt Macron. Dieses Jahr plant Artefact das Summit für Anfang Dezember.
Insight Innovation
Alles auf Kernenergie – so will Frankreich Europas KI-Macht werden
Wie gut Artefact mit der französischen KI-Politik vernetzt ist, zeigen mehrere Personalien: Der frühere Staatssekretär für Digitales, Cédric O, verstärkt seit 2023 den Verwaltungsrat von Artefact. Als Mitbegründer des KI-Konzerns Mistral gilt er als eine der prägenden Figuren der französischen Technologie- und KI-Politik der vergangenen Jahre. Auch der frühere Minister Stanislas Guerini wechselte gerade zu Artefact. Ende Juli hat die französische Transparenzbehörde HATVP den Wechsel genehmigt.
Cedric O: Inzwischen im Verwaltungsrat von Artefact. Foto: imago images/Hans Lucas
Artefact hat sich damit innerhalb kürzester Zeit zu einem sichtbaren französischen KI-Akteur in Europa entwickelt. Eigenen Angaben zufolge hat die Beratung inzwischen rund 2500 Mitarbeiter und plant für 2026 einen Umsatz von 300 Millionen Euro. Das Geschäft der 2014 gegründeten Gesellschaft: Sie unterstützt Unternehmen bei der Umsetzung von Daten- und KI-Anwendungen.
Der deutsche Wettbewerber Nunatak ist nicht die erste Übernahme von Artefact. Den ersten entscheidenden Wachstumsschub brachte im Jahr 2017 der Zusammenschluss mit dem börsennotierten Digitaldienstleister NetBooster, der Artefact zeitweise an die Börse und in internationale Märkte führte.
Es folgten zahlreiche weitere Akquisitionen. Im Juli verkündete Artefact den Kauf der auf Datenanalyse und KI spezialisierten belgischen Firma Agilytic. Die Expansion von Artefact treibt seit Sommer 2025 der britische Finanzinvestor Cinven voran. Dieser bewertete die Beratung auf eine Milliarde Euro und übernahm die Mehrheit.
Mit Nunatak hat Artefact jetzt einen Wettbewerber übernommen, der in der deutschen Wirtschaft bestens positioniert ist. Die rund 50 Beraterinnen und Berater arbeiten für Dax-Konzerne wie Allianz und Commerzbank sowie für die Deutsche Bahn. Ihr Auftrag: die Transformation der Konzerne mittels KI voranbringen.
Gründer und CEO von Nunatak Robert Jacobi: Führt künftig die Geschäfte von Artefact in Deutschland. Foto: PR
Die Geschäfte in Deutschland verantworten soll der Mitgründer und bis dato Alleineigner und Geschäftsführer von Nunatak, Robert Jacobi. Der 49-Jährige wird CEO von Artefact Deutschland. Die Marke Nunatak soll bis auf Weiteres erhalten bleiben. An seiner Seite bleiben auch seine beiden bisherigen Co-Partner Fabian Göbel und Manuel Halbing. Die Führung komplettieren drei weitere bisherige Artefact-Partner.
Laut Vincent Luciani, Mitgründer und Executive Chairman von Artefact, soll die Partnerschaft mit Nunatak helfen, Artefact bis 2030 auf das Dreifache seiner heutigen Größe auszubauen. Die DACH-Region werde dabei eine zentrale Rolle spielen.
Weiter sagt Luciani: „Mit Robert an der Spitze von Artefact Deutschland und einem neu formierten Team aus insgesamt sechs Partnern schaffen wir die Führungsstruktur und die Plattform, um bis zum Ende des Jahrzehnts zum führenden Beratungsunternehmen für Data und AI für deutsche Unternehmen und Konzerne zu werden.“
Verschiebung in der Beratungsbranche
Mit Artefact erwächst in der Beratungsbranche eine neue Größe. KI ist schließlich seit Jahren das Topthema für alle Beratungshäuser. Die drei international führenden Managementberatungen McKinsey, Boston Consulting Group (BCG) und Bain sind hier – auch dank zahlreicher Kooperationen mit Tech-Firmen – inzwischen breit aufgestellt.
Künstliche Intelligenz
„Wendiger als McKinsey“: Deutsche KI-Beratung Ommax expandiert international
Verwandte Themen
DeutschlandEmmanuel MacronKünstliche IntelligenzCommerzbank
Zudem hat sich in Deutschland mit Ommax eine spezialisierte KI-Beratung etabliert. Erst im Juli stieß als neuer Partner Lutz Finger dazu, der sich im Silicon Valley einen Namen als KI-Experte gemacht hatte. Im Oktober wechselt zudem Sandra Welchering zu Ommax. Sie war bis dato Partnerin bei BCG.
Für Anja Konhäuser, Mitgründerin und Partnerin von Ommax, stehe das Wachstum von Unternehmen wie Artefact oder Ommax für eine Verschiebung im Beratungsmarkt. Es entstehe eine neue Generation von Beratungsunternehmen, die strategische Urteilskraft mit der Fähigkeit verbinden würden, KI skalierbar zu implementieren und deren Wirkung messbar zu machen.
Mehr: KI und Krise: Das sind die Gewinner und Verlierer der Managementberater
Veröffentlicht nach den redaktionellen Standards des Handelsblatts. Mehr Informationen finden Sie in unseren Richtlinien.
Mehr zum Thema Unsere Partner Anzeige
remind.me Jetziges Strom-/Gaspreistief nutzen, bevor die Preise wieder steigen
What to Watch
AI outlook — possibilities, not facts
Artefact plant, bis 2030 auf das Dreifache seiner heutigen Größe zu wachsen, wobei die DACH-Region eine zentrale Rolle spielen soll.
Possible · Within years
Artefact plant das AI Adopt Summit für Anfang Dezember dieses Jahres.
Very likely · Within months
Open Questions
- Wie hoch war der Kaufpreis für Nunatak?
- Welche spezifischen Synergien erwarten Artefact und Nunatak aus der Integration?
- Wie wird die Übernahme die Wettbewerbsposition von Ommax und anderen deutschen KI-Beratungen beeinflussen?
- Welche Rolle wird Cinven bei der weiteren strategischen Ausrichtung von Artefact spielen?





