Australischer Trainer Graham Arnold formt irakische Fußballnationalmannschaft
Quick Look
- Australiens Fußballtrainer Graham Arnold hat die irakische Nationalmannschaft trotz anfänglicher Bedenken seiner Familie und Freunde zu einem "Wir-Gefühl" geformt.
- Er löste Tisch-Trennungen auf, integrierte im Ausland geborene Spieler und verhängte ein Social-Media-Verbot, um den Fokus zu stärken.
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Why It Matters
Graham Arnold übernahm die irakische Fußballnationalmannschaft und sah sich mit Herausforderungen bei der Integration von Spielern mit unterschiedlichen kulturellen Hintergründen konfrontiert.
Als Graham Arnold den Anruf aus dem Irak erhielt, war die Begeisterung zu Hause überschaubar. „50, eigentlich 75 Prozent meiner Familie waren dagegen“, erzählte der Australier. Freunde und Verwandte warnten den Fußballtrainer vor einem Land, das im Westen oft mit Krieg, Gewalt und Krisen verbunden wird. Arnold hörte sich die Warnungen an und stieg in den Flieger nach Bagdad.
„Jetzt bin ich seit zehn, zwölf Monaten hier und all das stimmt nicht“, sagte Arnold, der sich bewusst für ein Leben im Irak entschied – Tausende Kilometer entfernt von seiner Familie in Sydney. „In meinem Vertrag steht, dass ich nicht dort wohnen muss. Aber ich kann aus ihnen keine Australier machen. Ich musste in ihre Kultur eintauchen, sonst hätten wir uns nicht qualifiziert“.
Das vor Groß-Turnieren oft beschworene „Wir-Gefühl“ musste Arnold im Irak erst entwickeln. „Das Erste, was mir auffiel, war, dass es verschiedene Tische gab. Die Spieler waren voneinander getrennt. An zwei oder drei Tischen saßen Iraker, an den anderen Tischen die ausländischen Jungs. Das habe ich sofort geändert und einen großen Tisch für alle Spieler eingerichtet“, berichtete der Australier.
Inzwischen fühlen sich die Spieler nach Angaben ihres Trainers wie Brüder. „Es war wunderschön zu sehen, wie sich diese Verbundenheit zwischen Menschen mit denselben Wurzeln entwickelte, die Tausende von Kilometern voneinander entfernt geboren und aufgewachsen sind.“
Englischsprachige Spieler links, arabisch-sprechende rechts
Auch aufgrund der Konflikte im Irak kamen viele Spieler im Ausland zur Welt. Hussein Ali, Amir Al-Ammari etwa in Schweden, Merchas Doski und Youssef Amyn in Deutschland. „Ich bin auf zwei Kulturen gestoßen, die ich versucht habe, zu vereinen“, sagte Arnold, der auch für die Kommunikationsprobleme auf dem Feld eine Lösung fand.
„Ich habe diejenigen, die Englisch sprechen, auf die linke Seite gestellt und diejenigen, die Arabisch sprechen, auf die rechte Seite. In der Mitte, für die beiden Innenverteidiger und den Spielmacher, habe ich Spieler ausgewählt, die beide Sprachen sprechen, um die Kommunikation zwischen den Flanken zu gewährleisten. Das hat funktioniert“, sagte Arnold im Interview der Zeitung „The National“.
Der Australier weiß, in welcher schwierigen Situation sich viele seiner Spieler befinden. Zu Hause herrscht Krieg, und aus Sorge um die eigene Familie wurden stündlich die neuesten Nachrichten gecheckt. Arnold griff durch und verhängte ein Social-Media-Verbot vom ersten bis zum letzten Tag eines Lehrgangs.
„Weil sie erkannten, dass dort viele Lügen und viel Negativität verbreitet wird, die das Hirn beeinflussen. Es ist wahrscheinlich die wichtigste Veränderung, die ich in meiner Amtszeit bewirkt habe“, sagte er der „Süddeutschen Zeitung“.
Offensivspieler Ali Al-Hamadi attestierte Arnold schon jetzt, Großartiges geleistet zu haben. „Er wird als Legende in unsere Geschichte eingehen“, versprach er.
Open Questions
- Wie wird sich die verbesserte Teamchemie auf zukünftige Spiele auswirken?
- Werden die Spieler das Social-Media-Verbot nach Ende der Lehrgänge beibehalten?





