Autonomes Fahren in Deutschland: Das Projekt KIRA+ soll den ÖPNV retten
Während andere Länder längst fahrerlose Robotaxis nutzen, startet mit KIRA+ im Rhein-Main-Gebiet ein wichtiges Modellprojekt für autonome Shuttle-Busse.
Quick Look
Deutschland hinkt beim autonomen Fahren hinterher, doch das Projekt KIRA+ vom RMV, der Deutschen Bahn und HOLON will in Darmstadt und Offenbach fahrerlose Shuttle-Busse etablieren, um den Fahrpersonalmangel im ÖPNV zu bekämpfen.
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Why It Matters
Deutschland hat das autonome Fahren rechtlich ermöglicht, setzt im Alltag aber meist nur auf sorgfältig geplante Pilotprojekte.
Deutschland hat das autonome Fahren rechtlich ermöglicht, kommt im Alltag aber nur langsam voran. Während in Phoenix, San Francisco oder Shanghai fahrerlose Robotaxis unterwegs sind, bleibt es hierzulande bisher bei sorgfältig geplanten Pilotprojekten. Das ist mühsam. Es ist aber kein Grund, die Technik kleinzureden. Gerade im öffentlichen Nahverkehr kann sie dort helfen, wo das heutige System an Grenzen stößt: in dünn besiedelten Regionen, zu Randzeiten und angesichts des wachsenden Fahrpersonalmangels.
Dafür steht KIRA+. Der Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV), die Deutsche Bahn und der auf autonome Mobilität spezialisierte Fahrzeugentwickler HOLON wollen damit den Weg zu einer Modellregion bereiten, in der fahrerlose Shuttle-Busse zum regulären Angebot gehören. Noch in diesem Jahr sollen Fahrten in Teilen Darmstadts und des Kreises Offenbach beginnen. KIRA+ knüpft dabei an bisherige Erprobungen in Langen, Egelsbach und im Norden Darmstadts an. Dort wurden On-Demand-Fahrzeuge getestet, die sich per App bestellen lassen.
Die Verheißung ist besonders dort groß, wo der klassische Linienbus nicht mehr sinnvoll betrieben werden kann. Im RMV sind mehr als 40 Prozent der Fahrer älter als 55 Jahre, Nachwuchs ist schwer zu gewinnen. Ein kleiner elektrischer Rufbus, der per App bestellt wird und Fahrtwünsche bündelt, könnte Lücken schließen, deren Bedienung mit starren Linien zu teuer wäre.
Noch ist KIRA+ ein Versuch. Sicherheitspersonal bleibt an Bord, eine Leitstelle überwacht den Betrieb. Das ist kein Beleg des Scheiterns, sondern Ausdruck einer vernünftigen Übergangsphase. Aus einem technisch überzeugenden Fahrzeug muss erst ein verlässlicher Verkehrsdienst werden. Die App muss funktionieren, die Wartezeiten müssen stimmen, die Fahrzeuge auch dann verfügbar bleiben, wenn die Nachfrage schwankt.
Darum sollte die Politik KIRA+ nicht als Werbeveranstaltung behandeln. Das Projekt ist ein Baustein der Daseinsvorsorge. Es verdient mehr Fahrzeuge, längere Betriebszeiten und eine zügige Auswertung. Vor allem braucht es Modellregionen, in denen größere Flotten im Alltag erprobt werden. Das Rhein-Main-Gebiet böte sich für solche groß angelegten Versuche an; als dicht besiedelte Metropolregion mit starken Zentren, weitläufigem Umland und erheblichen Verkehrsproblemen. Erst dabei wird sich dann zeigen, ob mehr Mobilität zu vertretbaren Kosten entsteht und der ÖPNV attraktiver wird.
Deutschland kommt beim autonomen Fahren mühsam voran. Das ist angesichts von Sicherheits- und Haftungsfragen verständlich, angesichts des Fahrermangels im öffentlichen Nahverkehr aber nicht dauerhaft hinnehmbar. KIRA+ verbindet notwendige Vorsicht mit praktischem Mut. Wenn aus Darmstadt, Langen, Egelsbach und dem Kreis Offenbach belastbare Erfahrungen entstehen, könnte der fahrerlose Shuttleverkehr schon bald dort helfen, wo es im ÖPNV heute hakt. Die Zukunft kommt dann nicht mit Tempo 130, sondern zunächst mit fünf Sitzplätzen, einem Rollstuhlplatz und einer App.
What to Watch
AI outlook — possibilities, not facts
Fahrten in Teilen Darmstadts und des Kreises Offenbach beginnen noch in diesem Jahr
Likely · Within months
Open Questions
- Wann genau starten die ersten fahrerlosen Fahrten?
- Wie hoch sind die Kosten für den langfristigen Betrieb?





