Autozulieferer: Bosch verschärft seinen Personalabbau – 750 weitere Stellen fallen weg
Neuer CEO Christian Fischer forciert den Konzernumbau der Mobilitätssparte
Quick Look
- Bosch baut am Standort Abstatt bis Ende 2029 weitere 750 Stellen ab, insgesamt entfallen in Deutschland 24.000 Jobs.
- Grund ist der harte Wettbewerb mit chinesischen Konkurrenten und der Konzernumbau unter CEO Christian Fischer.
AI-generated summary
Why It Matters
Bosch baut am Standort Abstatt bis Ende 2029 weitere 750 Stellen ab. Insgesamt entfallen in Deutschland 24.000 Jobs, darunter 1650 zusätzliche Kürzungen zusätzlich zu den bereits ab 2024 angekündigten 22.000 Stellen in der Mobilitätssparte. Grund ist der harte Wettbewerb mit chinesischen Konkurrenten und der Konzernumbau unter CEO Christian Fischer.
Bosch plant, am Standort Abstatt bis Ende des Jahrzehnts 750 Stellen abzubauen. Grund ist der härter werdende Wettbewerb mit chinesischen Konkurrenten.
Der Personalabbau betrifft vor allem den Bereich Vehicle Motion, der Bremssysteme, Fahrzeugbewegungssoftware und Fahrzeugsensorik entwickelt. Andere Bereiche am Standort sind nicht betroffen.
Bosch hatte bereits in Nürnberg die Belegschaft auf 900 halbiert und kündigte zusammen mit dem aktuellen Schritt insgesamt 1650 zusätzliche Stellenkürzungen in Deutschland an.
Bosch-Chef Christian Fischer will die Mobilitätssparte ausgliedern und acht Zukunftsbereiche definieren, um die Profitabilität des Konzerns langfristig zu verbessern.
Die Zusammenfassung wurde mithilfe von KI erstellt und redaktionell geprüft.
Stuttgart. Bosch will am Standort Abstatt zusätzlich 750 Stellen in der Mobilitätssparte abbauen, wie das Unternehmen dem Handelsblatt auf Anfrage bestätigte. Grund ist die schwierige Lage in der Autoindustrie. Der Abbau, der bis Ende 2029 vollzogen sein soll, werde möglichst sozialverträglich erfolgen.
Als Grund nennt Bosch vor allem den Wettbewerb mit chinesischen Konkurrenten. Moderne integrierte Bremssysteme unterliegen einem deutlich stärkeren Preiswettbewerb, und asiatische Anbieter drängen mit kostengünstigeren Lösungen zunehmend auf den europäischen Markt.
Zugleich wirken sich Boschs Aktivitäten in China nachteilig auf den Standort Abstatt aus, etwa bei den sogenannten Brake-by-Wire-Systemen. Die risikofreudigeren chinesischen Autobauer haben die Bosch-Systeme für Bremsen und Lenkung ohne mechanische Verbindung noch vor den deutschen Kunden eingeführt.
Entwickelt wurden sie gemeinsam mit den chinesischen Kunden am lokalen Bosch-Entwicklungsstandort in China und nicht in Deutschland. „Kundennahe Aufgaben entfallen dadurch in Abstatt“, sagt Bereichsfinanzvorstand Mohammed Abraham dem Handelsblatt. Zugleich werde der Wettbewerb in diesen Zukunftsfeldern zunehmend über den Preis entschieden.
„Um die Rolle von Abstatt langfristig zu sichern, müssen wir unsere Strukturen und Kosten anpassen – daran führt leider kein Weg vorbei“, sagte Abraham. Abstatt soll jedoch Entwicklungsstandort bleiben.
Abstatt nimmt bislang eine Sonderrolle ein. Anders als klassische Fertigungswerke wie Feuerbach, Schwieberdingen oder Bühl ist Abstatt ein Standort für Entwicklung, Software und Engineering-Dienstleistungen.
Die ebenfalls am Standort ansässigen Einheiten, der Geschäftsbereich Cross-Domain Computing Solutions und die Tochtergesellschaft Bosch Engineering GmbH, sind von den Plänen nicht betroffen. Bei Bosch Engineering wurden allerdings bereits im vergangenen Jahr an den Standorten Abstatt und Holzkirchen 480 Stellen abgebaut, auch weil Autohersteller immer weniger Entwicklungsaufträge vergeben.
Der aktuelle Abbau betrifft den Bereich Vehicle Motion, in dem neben Bremssystemen auch Fahrzeugbewegungssoftware, Insassenschutzsysteme und Fahrzeugsensorik entwickelt werden. Insgesamt arbeiten derzeit rund 5300 Menschen in Abstatt. Die Belegschaft wurde am Dienstagabend informiert. Die Maßnahmen fallen mitten in die Tarifverhandlungen. Anfang der Woche war die Friedenspflicht ausgelaufen, am Montag gingen Tausende Beschäftigte, auch von Bosch, für Warnstreiks auf die Straße.
24.000 Stellen verliert Bosch bis 2032 in Deutschland
Vor wenigen Wochen hatte Bosch bereits angekündigt, die Belegschaft im Werk Nürnberg auf 900 zu halbieren. Zusammengenommen baut Bosch damit 1650 Stellen zusätzlich zu den bereits ab 2024 angekündigten 22.000 Stellen in der Mobilitätssparte im Inland ab. Die Laufzeit der Abbauprogramme ist unterschiedlich. Spätester Zeitpunkt ist bislang 2032.
Bosch will jährlich 2,5 Milliarden Euro einsparen. Diese Last trifft alle Firmen und Geschäftsbereiche. Abstatt dürfte aber nicht der letzte zusätzliche Eingriff gewesen sein. Der aktuelle Schritt zeigt, dass sich die Lage in der Automobilzulieferindustrie weiter verschärft und der bereits angekündigte Stellenabbau nicht ausreicht.
Industrie
Schaeffler baut Tausende Stellen in Deutschland ab
Erst am Dienstag hatte Konkurrent Schaeffler angekündigt, 3460 Stellen in ganz Europa abzubauen, davon 2660 in Deutschland. So will der fränkische Zulieferer durch das neue Programm jährlich rund 300 Millionen Euro einsparen. Für die Sozialverträglichkeit des Personalabbaus greifen die Unternehmen tief in die Tasche. Schaeffler muss fast eine halbe Milliarde Euro für Abfindungsprogramme und Vorruhestandsregelungen zurückstellen. Bei Bosch sind es konzernweit über vier Milliarden Euro – Geld, das für Investitionen in zukunftsfähige Geschäftsfelder fehlt.
„Wir sind uns der Verantwortung für unsere Beschäftigten bewusst und wollen gemeinsam mit unseren Arbeitnehmervertretern faire und tragfähige Lösungen finden“, sagt Bereichsfinanzvorstand Abraham.
Bosch stellt zwar auch Haus- und Elektrogeräte sowie Industrie- und Gebäudetechnik her. Die Mobilitätssparte ist mit einem Umsatz von 27,8 Milliarden Euro im ersten Halbjahr trotz eines Rückgangs von 0,5 Prozent aber immer noch der weltgrößte Autozulieferer. Allerdings wächst der Druck auf den Konzern: Der chinesische Batteriehersteller CATL rückt mit seinem Geschäft für Elektroautos näher heran. Im ersten Halbjahr erzielte CATL damit einen Umsatz von rund 25 Milliarden Euro. Bosch baut keine Batteriezellen für Elektroautos.
Christian Fischer: Der neue Bosch-Chef baut den Konzern zügig um.
Der seit Juli amtierende Bosch-Chef Christian Fischer hatte vor zwei Wochen angekündigt, die gesamte Mobilitätssparte in einer eigenen GmbH auszugliedern. Zudem wird der Halbleiterbereich aus der Mobilitätssparte in eine eigene Sparte ausgegliedert. Die einzelnen Schritte tragen die klare Handschrift eines Portfoliomanagers.
Fischer will Dezentralisierung mit mehr, aber auch klarer Verantwortung vor Ort. Diese Struktur schafft die nötige Transparenz, vor allem wenn es nicht läuft. Optionen wie Sparprogramme, Partnersuche bis hin zum Verkauf oder gar Schließung lassen sich dann potenziell schneller umsetzen.
Die Profitabilität ist zwischen und innerhalb der Konzernbereiche sehr unterschiedlich. Fischer hatte im Interview angekündigt, im kommenden Jahr acht Zukunftsbereiche zu definieren, auf die er den 140 Jahre alten Konzern ausrichten will. Die aktuellen Maßnahmen gelten in der Branche nicht nur als dringende Kostenreduzierung, sondern auch als Vorbereitung auf die angekündigte Zukunftsstrategie.
Industrie
Der weltweit größte Autozulieferer Bosch wächst – allerdings nur noch durch Zukauf
Der Konzern erwartet, dass sich die Profitabilität künftig verbessert, doch der Weg dorthin ist steinig. Der Stellenabbau ist eingebettet in den tiefgreifenden Wandel der Autoindustrie. Die Zollpolitik, die globale Konkurrenz aus China und die Sicherheit ganzer Wertschöpfungsketten stehen auf dem Spiel.
Der diversifizierte Konzern ist in vielen Bereichen tätig. Doch in den vergangenen Jahren ist immer unklarer geworden, wofür Bosch wirklich steht. Bei Software und Chips sind die Konkurrenten übermächtig. Das Autozuliefergeschäft ist groß, aber durch die Transformation gebeutelt und seine Vormachtstellung bedroht. Die Gebäudetechnik ist noch mit der Integration der Milliardenübernahme des Klimaanlagengeschäfts von Johnson Controls beschäftigt. Der Hausgerätebereich steckt in einem knallharten Preiskampf mit asiatischen Herstellern, besonders bei Kleingeräten.
Die nächsten Jahre entscheiden darüber, in welcher Form und Größe das Konglomerat Bosch aus dem Konzernumbau hervorgeht.
What to Watch
AI outlook — possibilities, not facts
Bosch wird weitere Stellenkürzungen in der Mobilitätssparte ankündigen.
Likely · Within months
Die Mobilitätssparte wird in eine eigene GmbH ausgegliedert.
Very likely · Within months
Open Questions
- Wie genau erfolgt die sozialverträgliche Umsetzung des Abbaus in Abstatt?
- Welche konkreten acht Zukunftsbereiche will Fischer definieren?
- Wird die Ausgliederung der Mobilitätssparte in eine eigene GmbH tatsächlich umgesetzt?







