Bankenkonsolidierung in Deutschland: Wer kauft wen?
Während ausländische Banken und die Helaba bei deutschen Instituten wie der IKB zugreifen, setzt die Deutsche Bank auf organisches Wachstum.
Quick Look
- Die europäische Bankenkonsolidierung schreitet voran.
- Während ausländische Institute und die Helaba deutsche Banken wie die IKB oder Aareal Bank ins Visier nehmen, verfolgt die Deutsche Bank eine Strategie des organischen Wachstums und verzichtet auf Zukäufe.
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Why It Matters
Die IKB ist seit 18 Jahren im Besitz des Finanzinvestors Lone Star. Der deutsche Bankensektor erlebt derzeit eine Phase der Konsolidierung, in der ausländische Banken verstärkt deutsche Institute übernehmen.
Gerade hat die holländische Bank ABN Amro die kleine deutsche Traditionsbank Hauck Aufhäuser Lampe gekauft. Im vergangenen Jahr kaufte die französische Bank Crédit Mutuel, hierzulande schon mit der Targobank aktiv, die Oldenburgische Landesbank vom Finanzinvestor Apollo. Jetzt stehen der Immobilienfinanzierer Aareal Bank, die ehemalige HSH Nordbank und die IKB zum Verkauf. Alle drei Banken gehören Finanzinvestoren. Zu den Kaufinteressenten gehört fast immer die öffentlich-rechtliche Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba), die allerdings von einem Teil ihrer Eigentümer, den Sparkassen, in der Vergangenheit gebremst wurde und den Kauf der Aareal Bank abblasen musste, aber zuvor bei der Dexia und der DVB beherzt zugriff. Jetzt zeigt der Helaba-Vorstand mit dem Land Hessen als Eigentümer im Rücken wieder Lust auf einen Zukauf.
Die Deutsche Bank lässt die IKB vorbeiziehen
Seit 18 Jahren steht die IKB, bekannt als erster deutscher Unglücksfall in der Finanz- und Bankenkrise vor bald 20 Jahren und ein anerkannter Mittelstandsfinanzierer, im Schaufenster. Solange ist der amerikanische Finanzinvestor Lone Star dort schon Eigner. Private Equity ist dafür bekannt, seine Beteiligungen gern nach spätestens fünf Jahren abzustoßen. Auch wenn das derzeit selten gelingt (Stichwort: „Exit-Stau“), sind 18 Jahre Haltedauer ungewöhnlich.
Was macht die IKB gerade jetzt für die Landesbank Hessen-Thüringen und Auslandsbanken wie Crédit Agricole attraktiv? Ist es die in Gang kommende Bankenkonsolidierung in Europa, das Streben nach Größe und den damit verbundenen Kostenvorteilen, die niemand so sehr verkörpert wie die italienische Bank Unicredit, deren Chef Andrea Orcel sein Übernahmevorhaben Commerzbank und Zukäufe in Italien gleichermaßen konsequent verfolgt?
Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing zumindest geht einen anderen Weg. Er setzt auf Wachstum aus eigener Kraft, was damit zu tun haben mag, dass die Deutsche Bank nach wie vor in den seltensten Fällen bei einer möglichen Bankenfusion mehr als der Junior-Partner wäre. Doch auch kleinere Zukäufe wie der britischen Investmentdienstleister Numis im Jahr 2023 sind die Ausnahme. Sewing setzt erkennbar darauf, aus dem die Commerzbank möglicherweise lähmenden Unicredit-Angriff Kapital zu schlagen, indem er von ihr Kunden gewinnt. Die IKB dagegen lässt die Deutsche Bank vorbeiziehen, obwohl sie im Firmenkundengeschäft wachsen will. Und die Commerzbank, die sich vor der Finanzkrise für nahezu alle Kaufgelegenheiten von Sparkasse Stralsund bis zur OLB interessierte und sich dann im Jahr 2009 mit der Dresdner Bank verhob, hat Zukäufe als Giftpille zur Abwehr der Übernahme von Anfang an ausgeschlossen.
Das kann man mutlos nennen oder auch konsequent. Jedenfalls hat man mögliche Chancen auf dem Heimatmarkt nicht ergriffen und sollte später nicht jammern, dass es keine Gelegenheiten gegeben hätte. Auslandsbanken und die Helaba haben es vorgemacht.
Open Questions
- Wer wird der neue Eigentümer der IKB?
- Wie reagiert die Helaba auf die aktuelle Marktsituation?




