Bauernverband fordert Entlastung bei Energie- und Düngerkosten
Joachim Rukwied warnt vor steigenden Lebensmittelpreisen, während Foodwatch auf Unabhängigkeit von fossilen Energien setzt
Quick Look
- Der Bauernverband fordert angesichts explodierender Diesel- und Düngerkosten staatliche Entlastungen, um Ernteausfälle und steigende Lebensmittelpreise zu verhindern.
- Foodwatch hingegen lehnt Staatshilfen ab und fordert eine ökologische Transformation.
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Why It Matters
Die Landwirtschaft sieht sich mit massiv gestiegenen Preisen für Diesel und Stickstoffdünger konfrontiert, was die Rentabilität der Betriebe gefährdet.
Bauernpräsident Joachim Rukwied hat die Bundesregierung wegen der jüngsten rasanten Preissteigerungen zum Handeln aufgefordert. "Angesichts der dramatischen Preisentwicklung bei Diesel und Düngemitteln brauchen wir zwingend schnelle Entscheidungen für eine Entlastung der Landwirtschaft", sagte Rukwied. "Diese enormen Kosten schnüren unseren Betrieben die Luft ab. Wenn keine schnelle Entscheidung fällt, kann es sein, dass die Erntemengen zurückgehen und die Lebensmittelpreise ab dem Sommer deutlich ansteigen."
Spitzenvertreter von Union und SPD beraten am Wochenende über die hohen Energiepreise, aber auch über die anstehenden Reformen. Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche von der CDU hat angekündigt, dass dazu am Sonntag auch der Koalitionsausschuss zusammenkommen wird - neben dem Kabinett das wichtigste Entscheidungsgremium des schwarz-roten Regierungsbündnisses.
Bundeskanzler Friedrich Merz hatte die Hoffnung auf schnelle Entlastungen wegen der hohen Spritpreise gedämpft. Die Bundesregierung sei "in engstem Dialog", man solle aber nicht mit kurzfristigen Entscheidungen rechnen, sagte der CDU-Chef am Donnerstag. Zwischen Finanzminister Lars Klingbeil und Reiche gibt es Streit über mögliche Maßnahmen.
Die Bundesregierung müsse beim Diesel die CO2-Besteuerung aussetzen und die Energiesteuer zeitweise reduzieren, forderte Bauernpräsident Rukwied. Zudem brauche es eine Preisbeobachtung für Düngemittel und eine zeitweise Aussetzung des CO2-Grenzausgleichs für Dünger.
"Besonders Stickstoffdünger hat sich seit Jahresbeginn auf den Weltmärkten um 30 bis 40 Prozent verteuert, die Abgabepreise an deutsche Landwirte liegen mittlerweile bis zu 30 Prozent über dem Vorjahr", sagte Rukwied. Auf das Düngen zu verzichten, sei keine Option. "Ohne Stickstoff sinken Ertrag und Qualität unmittelbar."
Die Verbraucherorganisation Foodwatch kritisierte, dass der Krieg im Iran nicht als Vorwand dienen dürfe, die Wunschliste der Lebensmittelindustrie durchzudrücken. Anstatt jetzt nach Staatshilfen zu rufen, müsse sich diese von Öl und Gas unabhängiger machen, sagte Foodwatch-Geschäftsführer Chris Methmann. "Bio-Betriebe haben gerade die Nase vorn: Sie benötigen keinen energieintensiven Kunstdünger, der in großen Mengen durch die Straße von Hormus transportiert wird." Die Bundesregierung müsse zudem Verbraucherinnen und Verbraucher entlasten - etwa mit einer Nullsteuer auf Obst, Gemüse und Hülsenfrüchte.
What to Watch
AI outlook — possibilities, not facts
Der Koalitionsausschuss wird über Entlastungspakete für die Landwirtschaft beraten.
Likely · Within days
Die Debatte zwischen den Koalitionsparteien über die Finanzierung der Maßnahmen wird anhalten.
Very likely · Within weeks
Open Questions
- Welche konkreten Entlastungsmaßnahmen werden im Koalitionsausschuss diskutiert?
- Wie hoch ist die tatsächliche Wahrscheinlichkeit für eine Senkung der Energiesteuer?





