Bayer investiert 2,2 Milliarden Dollar in neue Pharmafabrik in Ohio
Quick Look
- Bayer baut für 2,2 Milliarden Dollar eine neue Pharmafabrik in New Albany, Ohio, um Krebs-, Herz- und Nierenmedikamente zu produzieren und 600 Stellen zu schaffen.
- Die Investition stärkt das US-Geschäft angesichts des Preisdrucks durch Trumps MFN-Initiative und soll ab 2031 in Betrieb gehen.
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Why It Matters
Bayer sieht sich mit fallenden Umsätzen älterer Blockbuster-Medikamente wie Xarelto und Eylea konfrontiert aufgrund von Generika-Wettbewerb. Die US-Regierung unter Trump setzt über die MFN-Initiative Druck auf Arzneimittelpreise aus, um sie an internationale Niveaus anzupassen.
In Ohio will der Pharmakonzern künftig Krebs-, Herz- und Nierenmedikamente herstellen. Bayer stärkt damit sein US-Geschäft – mitten in Trumps Kampf gegen hohe Arzneimittelpreise.
Blick auf den US-Sitz von Bayer in Whippany im US-Bundesstaat New Jersey. Foto: Corbis via Getty Images
New York, München. Bayer baut für 2,2 Milliarden Dollar eine neue Pharmafabrik in New Albany im US-Bundesstaat Ohio. Das gab der Leverkusener Konzern am Freitagabend bekannt. Der Pharma- und Agrarkonzern will dort auf einem Campus zunächst Krebs-, Herz-Kreislauf- sowie Nierenmedikamente produzieren und rund 600 neue Stellen schaffen.
Das Projekt ist eine der größten Einzelinvestitionen von Bayer in ein US‑Pharmawerk. Der Standort soll zugleich Teil eines neuen Kooperationsnetzwerks in den USA sein, das Fertigung mit akademischer Forschung verbindet, heißt es in einer Stellungnahme.
„Die Expansion ist ein weiterer wichtiger Schritt, um unser Pharmageschäft auszubauen und die Nachfrage unserer Kunden und Patienten in den USA sowie darüber hinaus zu bedienen“, erklärte US-Chef Sebastian Guth, der gleichzeitig operativer Chef der Pharmasparte von Bayer ist. Gleichzeitig seien die USA der am schnellsten wachsende Pharmamarkt für Bayer, so Guth.
Rückgang älterer Blockbuster-Medikamente
Schon jetzt erwirtschaftet die Sparte rund 35 Prozent ihres Umsatzes in Nordamerika. Bis zum Ende des Jahrzehnts soll sich der US-Umsatz mit verschreibungspflichtigen Arzneimitteln mindestens verdoppeln, sagte Guth dem Handelsblatt im vergangenen Dezember. Mehr als sieben Milliarden Dollar sind nach Angaben von Bayer in den vergangenen fünf Jahren dort bereits in Forschung, Entwicklung und Produktion der Pharmasparte geflossen.
Das Tempo ist zugleich eine Notwendigkeit. Bayer muss den Rückgang älterer Blockbuster-Medikamente ausgleichen, der den Umsatz belastet. Beim Gerinnungshemmer Xarelto und dem Augenmittel Eylea setzen Generika und Biosimilars, also Nachahmer biologischer Arzneimittel, dem Konzern zu. Bayer will deshalb seine Produktpipeline stärken und stellt für die Pharmasparte ab 2027 wieder ein Wachstum im mittleren einstelligen Prozentbereich in Aussicht.
Pharmakonzern
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Große Hoffnungen setzt Bayer auf Nubeqa. Das Medikament wird zur Behandlung von Prostatakrebs eingesetzt, der Dax-Konzern traut ihm in der Spitze einen Jahresumsatz von mehreren Milliarden Euro zu. Als weitere Wachstumsträger gelten Kerendia gegen chronische Nierenerkrankungen bei Diabetes und gegen Herzinsuffizienz, der Gerinnungshemmer Asundexian, der in wichtigen Märkten im Zulassungsverfahren ist, sowie Lynkuet gegen Hitzewallungen in den Wechseljahren.
Der künftige Erfolg im US-Markt dürfte auch an den hohen Preisen dort hängen. Genau daran rüttelt die aktuelle US-Regierung: Trump hatte bereits im Mai vergangenen Jahres per Präsidialerlass gefordert, dass Amerikaner für Arzneimittel nicht mehr zahlen als Patienten in vergleichbaren Industrieländern – das Prinzip der „Meistbegünstigung“ (Most Favored Nation, MFN).
Die Investition in Ohio ist zugleich eine Wette auf die Zeit nach der Regierung von US-Präsident Donald Trump. Das erste Modul zur Herstellung von Wirkstoffen soll voraussichtlich im Jahr 2031 den Betrieb aufnehmen. Ein zweites Modul für Fertigarzneimittel soll im Jahr 2034 folgen.
Bayers US-Chef Sebastian Guth: Wette auf die Zeit nach der Regierung von US-Präsident Donald Trump. Foto: Bayer
Die USA stellten weniger als fünf Prozent der Weltbevölkerung, finanzierten aber rund drei Viertel der weltweiten Pharmagewinne, begründet die Trump-Regierung die Initiative zu Preissenkungen. Tatsächlich ist der Abstand groß: Gemessen an den Listenpreisen kosten Medikamente in den USA laut Studien rund drei- bis viermal so viel wie in anderen Industrieländern.
Seit dem Präsidialerlass haben 26 Hersteller freiwillige Preisabkommen mit dem Weißen Haus geschlossen, die nach dessen Angaben 89 Prozent des Markts für Markenmedikamente abdecken. Wie viel die Abkommen tatsächlich bringen, ist allerdings umstritten. Die Verträge sind geheim, bei bereits eingeführten Medikamenten gelten die Preiszusagen vor allem für das staatliche Gesundheitsprogramm Medicaid und für Selbstzahler.
Zölle durch EU-Deal gedeckelt
Wer unterschrieben hat, bleibt unter Auflagen bis Januar 2029 von den Zöllen auf patentgeschützte Importarzneien verschont. Sie gelten seit Ende September für zahlreiche Hersteller und können bis zu 100 Prozent betragen.
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Bayer gehört bislang nicht zu den Unterzeichnern. Die Zölle selbst sieht das Management aber ohnehin gelassen. Für Ware aus der EU greift laut dem Handelsabkommen mit Washington ein Satz von 15 Prozent, eine wesentliche Belastung für die Prognose dieses Jahres erwartet Bayer nicht. Heikler ist die Preisfrage. Man prüfe wegen der MFN-Politik die eigenen Preis- und Markteinführungsstrategien, hieß es bei der Vorlage der Halbjahreszahlen im August.
Pharmachef Stefan Oelrich wurde konkreter: Den Gerinnungshemmer Asundexian, der kurz vor der Markteinführung steht, will Bayer zunächst in den USA und China bepreisen, Europa soll folgen. Jenen Ländern, die der US-Regierung als Vergleichsmaßstab dienen, habe man bereits klargemacht, dass dort vergleichbare Preise nötig seien. Andernfalls könne sich der Marktzugang dort verzögern.
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What to Watch
AI outlook — possibilities, not facts
Die neue Pharmafabrik in Ohio wird voraussichtlich im Jahr 2031 den Betrieb aufnehmen.
Very likely · Within years
Ein zweites Modul für Fertigarzneimittel wird im Jahr 2034 folgen.
Likely · Within years
Bayer wird Asundexian zunächst in den USA und China bepreisen, bevor Europa folgt.
Likely · Within months
Open Questions
- Wie hoch sind die genauen Produktionskosten der neuen Anlage in Ohio?
- Welche spezifischen akademischen Partner sind im geplanten Kooperationsnetz vorgesehen?
- Wie wird Bayer die Preisstrategie für Asundexian in Europa konkret umsetzen, falls der Marktzugang verzögert wird?





