BDI beklagt "Schutzlücke" : Geheimdienste warnen vor russischen Mordanschlägen auf Firmenchefs
Russlands hybride Kriegsführung erreicht eine neue Eskalationsstufe: Der Militärgeheimdienst GRU plant laut Berichten gezielte Anschläge auf Führungskräfte der Rüstungsindustrie.
Quick Look
- Europäische Geheimdienste warnen vor russischen Mordanschlägen auf Manager, insbesondere in der Rüstungsindustrie.
- Ziel ist die psychologische Einschüchterung zur Schwächung der Ukraine-Unterstützung.
- Der GRU nutzt hierfür verstärkt kriminelle Netzwerke.
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Why It Matters
Deutschland ist der größte Unterstützer der Ukraine in Europa. Russische Geheimdienste wie der GRU nutzen zunehmend kriminelle Netzwerke für Sabotage und Anschlagspläne.
Mordanschläge auf Zivislisten waren selbst für russische Agenten in ihrem hybriden Krieg gegen Deutschland bislang ein Tabu. Dies ändere sich, warnen Geheimdienste. Im Fokus des russischen Militärgeheimdienstes stünden inzwischen auch Unternehmenschefs. Der Industrieverband BDI fordert mehr Schutz.
Mehrere europäische Geheimdienste haben Unternehmen vor möglichen Mordanschlägen auf hochrangige Manager durch russische Agenten gewarnt. Die "Financial Times" berichtete unter Berufung auf Insider aus fünf Diensten, dass nach ihrer Einschätzung Russland seine hybride Kriegsführung in Europa ausweite und dabei neben Sabotageakten auch Mordanschläge auf Zivilisten plane. Dies sei lange ein Tabu für Russlands Geheimdienste gewesen.
Im Fokus der russischen Bedrohung stehen laut "FT" die Chefs und hochrangige Vertreter von Rüstungskonzernen. Doch auch Manager kleinerer Unternehmen könnten zum Ziel werden, insbesondere von Startups, die Drohnen oder Komponenten davon herstellten. Die Geheimdienste rieten den Unternehmen, die Schutzmaßnahmen für ihre Einrichtungen und Mitarbeiter zu erhöhen, unter anderem auch durch private Personenschützer.
In Deutschland, dem inzwischen größten Unterstützer der Ukraine in deren Abwehrkampf gegen Russland, ist die Bedrohung besonders groß. Am vergangenen Montag hatte die Chefs der deutschen Dienste in einer öffentlichen Anhörung des Parlamentarischen Kontrollgremiums für die Geheimdienste vor einer Bedrohung durch Russland gewarnt. "Neben den bekannten Spionagetätigkeiten sehen wir die Bereitschaft zu Sabotage und zu Tötungsoperationen", sagte der Chef des Bundesamtes für Verfassungsschutz, (BfA) Sinan Selen, laut einem "Handelsblatt"-Bericht. Er verwies unter anderem auf den gescheiterten Drohnenanschlag auf dem Leipziger Flughafen.
Das Ziel ist psychologisch
Ziel der russischen Operationen ist nach einhelliger Einschätzung der Geheimdienstler, die Bereitschaft zur Unterstützung für die Ukraine zu schwächen. Das Hauptziel sei aus russischer Perspektive ein psychologisches, zitiert die "FT" einen Geheimdienstvertreter. Der gewünschte Effekt könne allein dadurch erreicht werden, die Leute fühlen zu lassen, dass sie ein Anschlagsziel sein könnten. "Sie wollen, dass die Personen zweimal überlegen, bevor sie Geschäfte mit der Ukraine machen."
Im Jahr 2024 war bereits ein mutmaßlicher russischer Anschlagsplan auf den Chef des Rüstungskonzerns Rheinmetall Armin Papperger aufgedeckt worden. Berichten zufolge wird der Manager des größten deutschen Waffenherstellers rund um die Uhr von der Polizei und privaten Personenschützern geschützt. Das Schutzniveau soll dem des Bundeskanzlers ähneln. Papperger gab wiederholt öffentlich zu Protokoll, sich nicht einschüchtern zu lassen. "Kneifen gilt nicht", sagte er in diesem Sommer in einem Interview. Nicht alle potenziell gefährdeten Manager haben allerdings einen solchen Schutz. Laut "FT" setzten manche Rüstungsmanager auf Personenschützer, andere täten dies aber beispielsweise nur bei Reisen ins Ausland.
Hauptverantwortlich für die hybride russische Kriegsführung in Deutschland und anderen europäischen Ländern ist den Angaben zufolge der Militärgeheimdienst GRU. Dieser hat laut BfA-Chef Selen nicht nur die Bandbreite möglicher Anschlagsziele ausgeweitet, sondern auch seine Operationsweisen und sein Netzwerk in Deutschland. Statt mit einzelnen sogenannten Wegwerfagenten zu arbeiten, verteile der GRU verschiedene Tätigen von Auskundschaftung bis Anschlagsausführung auf unterschiedliche, nicht miteinander verbundene Akteure. Zunehmen nutze der GRU auch das Organisierte Verbrechen in Deutschland für seine Zwecke.
Auch der Bund der Deutschen Industrie (BDI) hält die Bedrohung von Unternehmensvertretern für hoch und fordert angesichts der jüngsten Warnungen mehr staatlichen Schutz. Der stellvertretende BDI-Hauptgeschäftsführer Holger Lösch beklagte gegenüber dem "Handelsblatt" Defizite bei der Abwehr hybrider Angriffe. Die Behörden informierten Unternehmen zwar zunehmend über Bedrohungen, die Zusammenarbeit habe sich verbessert. Zwischen Information und Handel klaffe jedoch eine große "Schutzlücke". Weiterhin fehlten "gemeinsame Verfahren, um aus Warnungen schnell konkrete Maßnahmen abzuleiten".
Open Questions
- Welche konkreten Schutzmaßnahmen werden staatlich implementiert?
- Wie reagieren andere europäische Staaten auf die Warnungen?







