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Bettwanzenplage in Alpenvereinshütten: Ein wachsendes Problem
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Süddeutsche Zeitung6/15/2026Other5 min readGermany

Bettwanzenplage in Alpenvereinshütten: Ein wachsendes Problem

Quick Look

  • Bettwanzen breiten sich zunehmend in Alpenvereinshütten aus, was hohe Kosten für Kammerjäger verursacht.
  • Wanderer reisen die Tiere oft unbemerkt mit, was Präventionsmaßnahmen und Gäste-Mithilfe erfordert.

AI-generated summary

Why It Matters

Bettwanzen breiten sich weltweit aus und stellen ein wachsendes Problem für Unterkünfte dar, insbesondere in touristischen Gebieten wie Berghütten. Die Tiere reisen unbemerkt mit Menschen und finden ideale Bedingungen in wechselnden Betten.

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Dieses Mal hat Linus nichts Verdächtiges gefunden. Damit er trotzdem ein Erfolgserlebnis hat und ein Leckerli bekommen kann, hat Wanzenspürhundeführerin Laura Pannasch Röhrchen mit echten Wanzen sowie Papierschnipsel mit „Wanzenparfüm“ versteckt, hergestellt aus toten Wanzen in Alkohol. Es riecht leicht süßlich nach Bittermandel.

Bettwanzen beschäftigen den Alpenverein seit Jahren. Die Tiere reisen mit den Wanderern, versteckt in Rucksäcken, Hüttenschlafsäcken oder Kleidung. Wo viele Menschen in wechselnden Betten schlafen, finden die Tiere ideale Bedingungen: Auf Berghütten, aber auch in Hotels, Jugendherbergen – und manchmal auch in Zügen und Kinosesseln, wo ständig andere Menschen sitzen. Belastbare Zahlen fehlen. Wer betroffen ist, hält sich oft lieber bedeckt. Wer möchte schon, dass sein Haus mit Ungeziefer in Verbindung gebracht wird?

„Such Wolli“, ruft Laura Pannasch, während Linus durchs Matratzenlager schnüffelt. „Wolli“ ist das Codewort für Wanze, auf das Linus trainiert ist. Pannasch hat auch Kunden im Tal – und da muss sie mit Linus oft den Hintereingang nehmen. Damit Gäste nicht merken: Hier wird nach Wanzen gesucht.

Der DAV steht mit seinem offenen Herangehen relativ alleine da. Jedes Jahr seien etwa 15 bis 20 der rund 325 DAV-Hütten betroffen, berichtet der Verband. Tendenz steigend. Ein Grund dürfte der Trend zu Bergsport sein, mit steigenden Übernachtungszahlen, 2024 waren es beim DAV mehr als 900 000.

Im Schneibsteinhaus hängen am Eingang, im Treppenhaus, in den Zimmern und sogar auf den Toiletten Hinweise auf das Wanzenproblem, verbunden mit der Bitte, den Rucksack – als Wanzentaxi – nicht ins Zimmer zu nehmen und den von der Hütte gestellten Schlafsack zu nutzen. Nur wenn die Gäste das Problem kennen und mithelfen, könne es bekämpft werden, sagt Hüttenwirt Stefan Lienbacher.

Sind erst einmal Wanzen im Haus, wird es teuer. An die 20 000 Euro koste der Kammerjäger, sagt Gabi Schieder-Moderegger, Vorsitzende der DAV-Sektion Berchtesgaden, zu der das Schneibsteinhaus gehört. Es können aber – so hört man aus anderen Sektionen – auch 50 000 Euro werden. Der Hunde-Einsatz kostet „nur“ etwa 500 bis 2000 Euro je nach Größe der Hütte. Vor drei Jahren hatte das Schneibsteinhaus einen Befall. Ein Gast meldete Bisse. Zum Glück: Ehe die ganze Hütte befallen war, konnte Lienbacher den Kammerjäger holen, der befallene Matratzen unter einer Art Zelt auf 60 Grad erhitzte.

Zum Testschlaf danach kam die Sektionsvorsitzende Schieder-Moderegger: Aktion erfolgreich, kein Biss. Früher sei ein Wanzenbefall mit Schuldgefühlen behaftet gewesen, sagt sie. „Bin ich schuld, hab’ ich etwas falsch gemacht?“ Mittlerweile sei klar: Es kann jeden treffen. Letztlich hat das Problem im Tal begonnen. Denn, so DAV-Sprecherin Miriam Roth: „Die Wanze ist kein Bergtier.“

Weltweit sind Bettwanzen ein Thema. Vor den Olympischen Spielen in Paris war in Frankreich eine regelrechte Wanzen-Hysterie ausgebrochen. Aus Zügen, Kinos und anderen Orten meldeten Menschen vermeintliche oder tatsächliche Funde. Die Wanze wurde Thema im französischen Parlament. Experten warnten damals allerdings vor Übertreibung: Nicht jedes einer Wanze ähnliche Insekt ist auch wirklich eine.

Bettwanzen übertragen keine Krankheiten. Es ist einfach lästig.

Stefan Lienbacher

Eine gute Nachricht: Die braunen, wenige Millimeter großen Tiere ernähren sich zwar von menschlichem Blut. Die Bisse können stark jucken, sind aber nicht gefährlich. „Bettwanzen übertragen keine Krankheiten. Es ist einfach lästig“, sagt Hüttenwirt Lienbacher. Ein Befall habe nichts mit Hygiene zu tun. Putzmittel machten Wanzen nichts aus. Und: „Es gibt kein Hausmittel dagegen, da braucht es Profis, die wissen, was sie tun.“ Um einen Befall schneller zu bemerken, hat das Schneibsteinhaus wie manche anderen Hütten farblich umgestellt: Hellblaue Decken statt braune. „Wir haben auch die Bettlaken ausgetauscht, früher waren sie dunkel, jetzt sind sie hell“, sagt Lienbacher. „Da kann man Spuren – Blutspuren, Kotspuren, Häutungshüllen – schneller erkennen.“

Claudia Essendorfer, Wirtin der Schönfeldhütte im Mangfallgebirge, setzt auf weiße Malerfarbe am Bettgestell, um Kotspuren zu sehen. „Schwarze Punkte, das sieht aus wie ein Fliegenkot. Deshalb haben wir uns damals gar nicht so viel dabei gedacht. Inzwischen sind wir sehr sensibilisiert“, sagt sie über den einzigen Befall. „Wir putzen die Zimmer mit Stirnlampen“ – um die Tiere in dunklen Ecken zu finden.

Jede Hütte ist anders und hat ihr eigenes Konzept. Am Rotwandhaus etwa heißt es: persönliche Sachen nur in Plastikkisten ins Zimmer, Hüttenschlafsack beim Check-in in die Mikrowelle. 30 Sekunden bei 600 Watt – das Küchengerät macht auch auf anderen Hütten den Krabbeltieren den Garaus. Gerade an beliebten Fernwanderwegen, wo es von Hütte zu Hütte geht, steigt die Wanzengefahr. Solche Hütten lasse die Sektion zweimal jährlich prophylaktisch behandeln, sagt Carolin Kalkbrenner, Ressortleiterin Hütten & Wege der Sektion München. Aber: „Das Wichtigste bei der Bekämpfung von Bettwanzen ist die Mithilfe unserer Gäste.“

Mancher Wanderer hat sich wanzenmäßig auf die Saison vorbereitet: Franz-Josef Hofmann hat gerade seine Hüttenschlafsäcke ausgekocht. „Sauber ankommen, nichts mitbringen“, das sei der erste Schritt. Sie hätten von Wanzen gehört, sagen andere Gäste. Wie sie sich selbst schützen, ist manchem nicht ganz klar. „Spray?“, meint eine Besucherin zaghaft. Dabei sind die Maßnahmen für zu Hause einfach: Rucksack über der Badewanne ausleeren, Kleidung bei 60 Grad waschen oder drei Tage bei minus 18 Grad einfrieren.

Open Questions

  • Wie effektiv sind die verschiedenen Präventionsmaßnahmen langfristig?
  • Gibt es eine Dunkelziffer bei den betroffenen Hütten?
  • Welche Rolle spielt der Klimawandel bei der Ausbreitung?

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This article was originally published by Süddeutsche Zeitung.

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