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BackBildung: Bei Kindern „nicht länger im Nebel stochern“: Arbeitgeber fordern Umsetzung der Schüler-ID
Bildung: Bei Kindern „nicht länger im Nebel stochern“: Arbeitgeber fordern Umsetzung der Schüler-ID
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Handelsblatt6 days agoEducation3 min readGermanyView translation

Bildung: Bei Kindern „nicht länger im Nebel stochern“: Arbeitgeber fordern Umsetzung der Schüler-ID

Die Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände drängt auf eine systematische Nutzung von Bildungsdaten zur Verbesserung der Unterrichtsqualität.

Quick Look

  • Die BDA fordert die Bundesregierung auf, eine bundesweite Schüler-ID und ein Bildungsverlaufsregister einzuführen.
  • Bisherige Versprechen aus dem Koalitionsvertrag wurden nicht umgesetzt, während die Bundesländer inkompatible Insellösungen betreiben.

AI-generated summary

Why It Matters

Der Koalitionsvertrag sah die Einführung einer kompatiblen Schüler-ID und eines Bildungsverlaufsregisters vor. Bisher existieren nur inkompatible Landeslösungen wie in Hamburg oder Baden-Württemberg.

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Berlin. Die Arbeitgeber haben die Bundesregierung aufgefordert, ihre angekündigten Vorhaben zu Bildungsdaten konsequent umzusetzen. In einem Positionspapier der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA), das dem Handelsblatt vorliegt, heißt es: „Deutschland kann die Qualität des Bildungssystems und seiner Leistungsergebnisse wesentlich verbessern, wenn Bildungsdaten systematisch genutzt werden“.

Ziel müsse es sein, die Grundkompetenzen aller jungen Menschen sicher zu gewährleisten, die Zahl der Leistungsschwächeren zu senken und die der Leistungsstarken zu steigern.

In ihrem Koalitionsvertrag hatten Union und SPD festgelegt, gemeinsam mit den Ländern „relevante und messbare Bildungsziele“ zu vereinbaren und eine „datengestützte Schulentwicklung und das Bildungsverlaufsregister“ zu schaffen. Weiter hieß es: „Die Einführung einer zwischen den Ländern kompatiblen, datenschutzkonformen Schüler-ID unterstützen wir und ermöglichen die Verknüpfung mit der Bürger-ID.“

Eine eindeutige Identifikationsnummer (ID) für Schüler soll es möglich machen, den Bildungsverlauf zu erfassen. In der Schule erhobene Daten würden dann den individuellen Förderbedarf zeigen. Die Informationen sollen aber auch in ein „Bildungsverlaufsregister“ als Statistik einfließen, um Analysen des Bildungssystems über längere Zeiträume zu ermöglichen.

Doch bislang ist nichts passiert. Auf Anfrage teilte das Bundesbildungsministerium von Karin Prien (CDU) mit: „Der Bund unterstützt die Länder beim Thema Schüler-ID gerne.“ Das könne beispielsweise im Angebot von Austauschformaten bestehen oder durch Forschungsförderung.

Weiter hieß es allerdings: „Zu Unterstützungsmöglichkeiten wird derzeit noch beraten.“ Eine Kompetenz zur Einführung einer Schüler-ID und Festlegung von konkreten Zwecken habe der Bund nicht, dies obliege den Ländern im Schulrecht.

Arbeitgeberpräsident Rainer Dulger kritisierte diese Untätigkeit. „Wenn es um die Zukunft unserer Kinder geht, dürfen wir nicht länger im Nebel stochern“, sagte er dem Handelsblatt. „Wir müssen wissen, wo Kinder den Anschluss verlieren, welche Förderung tatsächlich hilft und was aus jungen Menschen wird, die die Schule ohne Abschluss verlassen.“

Eine Schüler-ID helfe, Bildungswege nachzuvollziehen, Lernrückstände früh zu erkennen und junge Menschen gezielter zu fördern. „Jetzt müssen Bund und Länder handeln“, forderte Dulger. „Wir können es uns gerade nach den schlechten Pisa-Ergebnissen nicht leisten, junge Menschen auf ihrem Bildungsweg aus den Augen zu verlieren.“

Bei der im September veröffentlichten Pisa-Studie 2025 schnitten die deutschen Schülerinnen und Schüler so schlecht ab wie noch nie. Bildungsministerin Prien nannte die Befunde „besorgniserregend“ und bekräftigte, das Bildungssystem datengestützt weiterentwickeln zu wollen.

Bislang stellt sich die Situation in den Bundesländern sehr unterschiedlich dar. Das zeigt eine Analyse der Wissenschaftlichen Dienste des Deutschen Bundestages vom Mai. So existiert zum Beispiel in Hamburg bereits seit 2005 ein zentrales Schülerregister. Hessen hat eine Lehrer- und Schülerdatenbank eingerichtet. Baden-Württemberg plant, ab 2027/2028 eine landesweite Schüler-ID einzuführen. Derzeit laufen bereits Pilotprojekte dazu.

Doch die Systeme sind nicht kompatibel. Und nicht alle Länder erheben überhaupt „Individualdaten“. Das ist die Grundvoraussetzung dafür, überhaupt ein Bildungsverlaufsregister zu schaffen.

In dem Positionspapier der Arbeitgeber heißt es: „Die ID sollte alle Bildungsphasen umfassen – von der frühkindlichen Bildung über Schule, Ausbildung und Hochschulstudium bis hin zur Weiterbildung.“ Nur so ließen sich Entwicklungen über die verschiedenen Bildungsbereiche beobachten, Abschlüsse, Anschlüsse und Wechsel transparent machen und zielgerichtet bildungspolitische Maßnahmen zur Verbesserung ableiten. Bislang seien Bildungsbiografien nicht sichtbar.

Konkret soll laut BDA für die Schüler-ID die bereits bestehende Identifikationsnummer genutzt werden, die jeder Mensch direkt nach der Geburt erhält und die als Steuer-ID dient.

Das sieht auch der Koalitionsvertrag vor, in dem von der „Bürger-ID“ die Rede ist. So bezeichnet die allgemeine Verwaltung die Steuer-ID, wenn es um eine eindeutige Kennung von Personen geht.

Die Schüler-ID ist jedoch umstritten. Zum einen wird eine gute Datengrundlage für die Bildungspolitik gefordert, zum anderen werden Bedenken mit Blick auf den Datenschutz geäußert. Kritiker eines Registers warnen zudem, dass damit der Leistungsdruck auf die Schüler erhöht würde.

Arbeitgeberpräsident Dulger sagte: „Es geht nicht darum, möglichst viele Daten zu sammeln, sondern darum, aus ihnen die richtigen Konsequenzen zu ziehen.“ Natürlich müssten sensible Bildungsdaten geschützt werden. Aber Datenschutz dürfe nicht zum „Datennutzungsverbot“ werden.

„Für die Wirtschaft sind gute Bildungsleistungen von zentraler Bedeutung, denn fehlende Kompetenzen beeinträchtigen die Aus- und Weiterbildungsfähigkeit, Produktivität und Innovationskraft“, heißt es in dem BDA-Papier.

Die Daten dürften jedoch kein „Selbstzweck“ sein, heißt es weiter. Lernstände der Schüler müssten regelmäßig erhoben und unmittelbar in gezielte Maßnahmen im oder zusätzlich zum Unterricht übersetzt werden. Lehrkräfte und auch Schulleitungen müssten schnell erkennen können, wo Förderbedarf bestehe und wie darauf reagiert werden könne – ohne dass zusätzliche Bürokratie entstehe.

Open Questions

  • Wann werden Bund und Länder eine Einigung erzielen?
  • Wie wird der Datenschutz bei der Verknüpfung mit der Steuer-ID gelöst?

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This article was originally published by Handelsblatt.

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