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Biontech schließt drei deutsche Standorte: 1800 Arbeitsplätze betroffen
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Handelsblatt1 hour agoBusiness4 min readGermanyView translation

Biontech schließt drei deutsche Standorte: 1800 Arbeitsplätze betroffen

Die Suche nach Käufern für die Werke in Idar-Oberstein, Marburg und Tübingen blieb erfolglos. Curevac-Gründer Ingmar Hoerr äußert scharfe Kritik.

Quick Look

  • Biontech schließt seine Werke in Idar-Oberstein, Marburg und Tübingen, da sich keine Käufer fanden.
  • Rund 1800 Mitarbeiter verlieren ihre Jobs.
  • Der Prozess ist Teil einer umfassenden Umstrukturierung des Unternehmens hin zur Onkologie.

AI-generated summary

Why It Matters

Biontech leidet unter sinkender Nachfrage nach Covid-19-Impfstoffen und investiert massiv in die Krebsforschung. Das Unternehmen befindet sich in einer mehrjährigen Umstrukturierung.

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Der Impfstoffhersteller findet keine Käufer für die Werke Idar-Oberstein, Marburg und Tübingen. 1800 Beschäftigte verlieren ihre Jobs. Ein früherer Wettbewerber schimpft – auch auf sich selbst.

München. Die monatelange Suche nach Käufern war erfolglos: Die drei deutschen Biontech-Standorte im rheinland-pfälzischen Idar-Oberstein, im hessischen Marburg und in Tübingen in Baden-Württemberg werden ab nächstem Jahr schließen. Das Handelsblatt hatte bereits vergangene Woche berichtet, dass Biontech keine Käufer für die Werke findet.

Betroffen sind nach Unternehmensangaben rund 1800 Beschäftigte – knapp ein Viertel der Biontech-Belegschaft. In Tübingen soll nach Unternehmensangaben Ende 2027 Schluss sein, in Marburg Anfang 2028 und in Idar-Oberstein Ende 2028.

Die gescheiterte Käufersuche liege im Wesentlichen an dem aktuell schwierigen Markt- und Investitionsumfeld, teilte Biontech mit. Um die Standortschließungen sozialverträglich zu gestalten, seien mit dem Konzernbetriebsrat ergänzende Abfindungskonditionen vereinbart worden. Details dazu nannte Biontech zunächst nicht.

„Trotz intensiver Bemühungen aller Beteiligten und eines breit angelegten Verkaufsprozesses ist es leider nicht gelungen, einen Kauf zu realisieren“, sagte eine Sprecherin des Unternehmens auf Anfrage des Handelsblatts.

In dem Marburger Werk wurden bislang Covid-19-Impfstoffe auf mRNA-Basis sowie Plasmid-DNA, ein wichtiges Ausgangsmaterial für mRNA-Impfstoffe und Zelltherapien, hergestellt. Biontech hatte es einst vom Schweizer Pharmakonzern Novartis übernommen und Millionen investiert.

In Idar-Oberstein fertigt Biontech unter anderem Therapeutika für frühe klinische Entwicklungsphasen, und beim Standort in Tübingen handelt es sich um den Sitz von Curevac, den einstigen Konkurrenten im Rennen um einen Coronaimpfstoff. Im Sommer 2025 hatte Biontech dessen Übernahme angekündigt, die milliardenschwere Transaktion zog sich über Monate hin.

Biontech hatte im März angekündigt, bis zu 1860 Stellen zu streichen und die Werke in Idar-Oberstein, Marburg und Singapur sowie die Standorte des übernommenen Konkurrenten Curevac zu schließen.

Als Gründe nannte Biontech eine zu geringe Auslastung, Überkapazitäten, Kostenreduzierungen sowie den Fokus auf Krebsmedizin. Damals warf Curevac-Gründer Ingmar Hoerr Biontech Täuschung vor. Bei der Übernahme von Curevac sei vereinbart worden, ein gemeinsames Unternehmen zu schaffen, das sich gegenseitig befruchte. Das sei über den Haufen geworfen worden. „Die ganze Sache ist toxisch“, sagte er dem Handelsblatt am Montag.

Die Übernahme Curevacs durch Biontech bereut Hoerr inzwischen wegen der Werksschließungen. Dass es vertraglich keine Bestandsgarantie für die Curevac-Werke über mehrere Jahre gab, bezeichnete er als „großen Fauxpas des Aufsichtsrats und von mir als Aktionär“. Und er sagte: „Das ganze Staatsgeld liegt nun auf der Müllhalde.“

„Uğur Şahin und ich stehen an sehr unterschiedlichen Punkten. Doch wir erleben beide, wie uns das Erbe dessen entgleitet, was wir gemeinsam mit unseren Mitarbeitern aufgebaut haben“, sagte Hoerr. Şahin hatte Biontech gemeinsam mit seiner Frau Özlem Türeci gegründet.

Interne Experten und professionelle Makler hätten die Verkäufe der Standorte ausgelotet, heißt es von Biontech. Es seien internationale, nationale und mittelständische Firmen und Investoren angesprochen worden, die unter anderem in der Herstellung von mRNA, Antikörpern und Plasmiden sowie in der Zell- und Gentherapie tätig seien. Für alle Standorte habe es Prüfungen und vertrauliche Gespräche gegeben.

Offenbar ließ sich auch Moderna nicht als Käufer der Werke gewinnen. Im Handelsblatt-Interview hatte Moderna-Chef Stephane Bancel erstmals gesagt, dass sich Moderna für die Werke seines Hauptkonkurrenten interessiere. „Wenn wir die richtige Partnerschaft mit der deutschen Bundesregierung finden würden, wären diese Anlagen eine interessante Option – im Vergleich zu einem Neubau“, sagte Bancel.

Anders war das bei der Tochtergesellschaft JPT Peptide Technologies GmbH in Berlin, einem Anbieter von Dienstleistungen für die Forschung, Entwicklung und Analyse von Peptiden. Das sind kurze Ketten aus Aminosäuren. Die Belegschaft mit rund 130 Stellen wurde von der Dubag Group mit Sitz in München übernommen.

Einst hatte Biontech gemeinsam mit dem US-Partner Pfizer die erste Marktzulassung für einen Impfstoff gegen Covid-19 bekommen und verdiente damit Milliarden. Das Unternehmen wurde weltbekannt. Doch seit einigen Jahren geht die Nachfrage nach dem Covid-19-Impfstoff zurück, und ein anderes zugelassenes Produkt hat das Unternehmen bis dato nicht.

Biontech mit weltweit rund 7200 Beschäftigten befindet sich seit Jahren in einem Wandlungsprozess samt Umstrukturierung. Geforscht wird an einer ganzen Reihe neuer Produkte, vor allem in der Onkologie. Außerdem setzt das Unternehmen auf Immuntherapien auf mRNA-Basis sowie Antikörper-Wirkstoff-Konjugate. Dabei sollen Wirkstoffe einer Chemotherapie mithilfe von Antikörpern gezielter an Krebszellen gebracht werden.

Das alles kostet viel Geld, entsprechend fährt Biontech Verluste ein. In den ersten sechs Monaten dieses Jahres stand unter dem Strich ein Minus von 1,35 Milliarden Euro (Vorjahr: 802,4 Millionen) – und das in einer Zeit, in der die zentralen Köpfe Şahin und Türeci Biontech verlassen werden. Sie tun das spätestens Ende 2026 und planen, sich in einem neuen Unternehmen der Entwicklung der nächsten Generation von Medikamenten auf mRNA-Basis zu widmen.

Seit vergangener Woche ist klar, dass die neue Firma den Namen Arife tragen und ihren Hauptsitz ebenfalls in Mainz haben wird. Şahin und Türeci wollen Anteilseigner von Biontech bleiben.

Şahins Nachfolger als Vorstandsvorsitzender bei Biontech wird spätestens zum 1. Februar 2027 Guido Oelkers werden. Er arbeitete in den 1990er-Jahren unter anderem für die Hoechst AG und kommt nun von dem schwedischen Biopharma-Unternehmen Swedish Orphan Biovitrum (Sobi), an dessen Spitze er seit 2017 stand.

What to Watch

AI outlook — possibilities, not facts

  • Vollständige Schließung der Werke bis Ende 2028.

    Very likely · Within years

Open Questions

  • Wie hoch sind die genauen Abfindungskosten für die 1800 Mitarbeiter?
  • Welche Auswirkungen hat die Schließung auf die lokale Wirtschaft in den betroffenen Städten?

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This article was originally published by Handelsblatt.

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