BMW warnt vor deutlichen Gewinnrückgängen
Quick Look
- BMW warnt vor deutlichen Gewinnrückgängen aufgrund höherer Energiepreise, Inflation und Konjunktursorgen.
- Der Konzern rechnet mit einem leichten Rückgang der Auslieferungen und kündigt weitere Sparmaßnahmen an.
- Der Markt in China bricht ein.
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Why It Matters
BMW hatte sich bisher von der Krise in der deutschen Autoindustrie unbeeindruckt gezeigt. Nun erreicht die Krise auch München, da Konkurrenten wie Mercedes und Audi seit Jahren mit schrumpfenden Gewinnen kämpfen.
Eine derart drastische Gewinnwarnung kommt einigermaßen überraschend, bisher hatte sich BMW stets unbeeindruckt von der Krise gegeben, die sich seit einiger Zeit immer weiter durch die deutsche Autoindustrie frisst. Nun aber erreicht sie offenbar auch München. Während Rivalen wie Mercedes und Audi, Volkswagen und Porsche schon seit Jahren mit rasant schrumpfenden Gewinnen und immer größeren Nöten auf den wichtigen Märkten in China und den USA kämpfen, vermittelte BMW lange Zeit, dass man sich gut gewappnet sehe: mit Werken in aller Welt und Antrieben für jeden Geschmack. „Zuversicht ist keine Stimmung. Sie ist eine aktive Entscheidung“, sagte Ex-Konzernchef Oliver Zipse noch vor ziemlich exakt einem Monat auf der Hauptversammlung, die zugleich sein Abschied war. Mit der Zuversicht ist es unter seinem Nachfolger Milan Nedeljković nun aber vorerst vorbei.
Dass sie sich auch in München nicht allen Schwierigkeiten entziehen können, wurde indes zuletzt deutlicher: Zwar hat der Konzern mit den ersten beiden Elektro-Modellen seiner „Neuen Klasse“ den technischen Rückstand zur Konkurrenz vor allem aus Asien aufgeholt, auch die Nachfrage scheint hoch. In den Zahlen aber machte sich das bisher nicht bemerkbar: So sackte der operative Gewinn von BMW bereits im ersten Quartal um mehr als ein Drittel ab, auch die operative Rendite lag mit fünf Prozent deutlich unter den eigenen Zielen. In den USA und vor allem in China ging zudem die Zahl der ausgelieferten Autos zu Jahresbeginn deutlich zurück – und das, obwohl in der Volksrepublik zuvor sogar die Preise gesenkt worden waren. Seit Jahresanfang hat die BMW-Aktie deshalb mehr als ein Drittel an Wert verloren, allein Mittwoch lag das Minus bis zum Mittag bei gut 6,5 Prozent.
Dass der Iran-Krieg im weiteren Jahresverlauf noch zum Problem werden könnte, hatte sich ebenfalls angedeutet. Jetzt zeigen sich die befürchteten „deutlichen Änderungen“ zu den bisherigen Prognosen bei BMW offenbar immer klarer: Einerseits trieben die höheren Energiepreise auch Kosten im Unternehmen in die Höhe, heißt es in der Mitteilung, hinzu kämen Inflations- und Konjunktursorgen bei den Kunden. Insgesamt rechnet man in München deshalb für die Marken BMW, Mini und Rolls-Royce mit einem leichten Rückgang bei den Auslieferungen im laufenden Jahr. Bisher hatte es geheißen, man werde ungefähr so viele Fahrzeuge verkaufen wie 2025.
BMW spricht von „einmaligen Belastungen“. Das lässt Raum für Interpretationen
Als Reaktion auf die trüben Aussichten kündigte BMW deshalb „weitere Struktur- und Effizienzmaßnahmen“ an, sie sollten die bereits laufenden Sparbemühungen „intensivieren und beschleunigen“. Damit verbunden seien auch einmalige Belastungen für die Bilanz im zweiten Halbjahr, die Wirkung werde dann „in den Folgejahren sichtbar“, heißt es. „Es geht um Geschwindigkeit und Effizienz“, ließ sich Nedeljković nun zitieren. Ob der BMW-Chef damit auch einen Stellenabbau meint, womöglich in Form eines Abfindungsprogramms, wollte eine Sprecherin auf Anfrage nicht kommentieren. Dazu sei bisher keine Entscheidung gefallen.
Die Art der angekündigten Sparmaßnahmen – einmalige Belastungen, die erst später auf die Bilanz einzahlen – klingen allerdings sehr ähnlich zu Programmen, wie sie bereits andere deutsche Autohersteller umsetzen. Mercedes beispielsweise hatte rund zwei Milliarden Euro an Rückstellungen gebildet, damit Beschäftigte über Abfindungen das Unternehmen verlassen. Und im gesamten VW-Konzern sollen in den kommenden vier Jahren rund 50 000 Jobs wegfallen, auch dort spielen Abfindungen eine wichtige Rolle. Einzig bei BMW hatte es bislang noch keine großen, öffentlich angekündigten Sparrunden gegeben. Das könnte sich womöglich bald ändern.
Vom BMW-Betriebsrat heißt es dazu, man erkenne an, dass der Konzern „vor erheblichen Herausforderungen steht“. Wenn nun aber weiter gespart werden solle, dann „erwarten wir vollständige Klarheit über Ziele, Inhalte und Auswirkungen auf die Beschäftigten“. Diese Gespräche müssten unverzüglich geführt werden.
Der Markt in China ist regelrecht eingebrochen
Die Lage dürfte sich so bald auch nicht grundlegend bessern. Zwar hatte das Europäische Parlament wenige Stunden vor der BMW-Mitteilung das Zoll-Abkommen mit den USA endgültig abgesegnet. Das hilft den Münchnern, da sie künftig Fahrzeuge aus ihrem US-Werk zollfrei in die EU importieren können. Und die USA und Iran wollen zumindest über ein Ende des Kriegs am Persischen Golf verhandeln. Auch wenn der Ausgang offen ist, könnte allein die Aussicht auf Frieden die Ölpreise zumindest wieder etwas senken.
Darüberhinaus aber ist die Lage in der Auto-Welt noch immer ziemlich unsicher. So rechnet die EU-Kommission für dieses Jahr nur noch mit einem Wirtschaftswachstum von 1,1 Prozent, dafür aber mit drei Prozent Inflation. Auch in China sieht es für die Branche schlecht aus. Nach jüngsten Daten des chinesischen Autoverbands CPCA wurden im Mai nur noch rund 1,5 Millionen Fahrzeuge in der Volksrepublik verkauft, ein Minus von 22 Prozent verglichen mit dem Vorjahresmonat. Zwischen Januar und Mai sanken die Verkäufe damit um insgesamt fast 20 Prozent gemessen am Wert von 2025.
Und das alles in Zeiten, in denen sich die deutschen Autohersteller in der Volksrepublik sowieso schwertun. So nennt auch BMW als einen der Gründe für die schlechte Prognose die Situation in China. Von einer „intensiveren Wettbewerbssituation“ ist die Rede – und dass die Verkäufe in anderen Regionen die Rückgänge nicht kompensieren könnten.
What to Watch
AI outlook — possibilities, not facts
BMW wird weitere Struktur- und Effizienzmaßnahmen ankündigen.
Very likely · Within months
Die Verhandlungen über ein Ende des Iran-Krieges könnten die Ölpreise senken.
Possible · Within weeks
Open Questions
- Gibt es Stellenabbau bei BMW?
- Wie hoch sind die genauen Kosten der Sparmaßnahmen?



