Börse im Blick: Quartalszahlen aus zwei mutmaßlich unattraktiven Branchen überraschen
Die Bilanzsaison zeigt: Während Boombranchen wie Rüstung schwächeln, profitieren Chemie und Banken von Zinswende und geopolitischen Spannungen.
Quick Look
- BASF und Deutsche Bank übertreffen mit ihren Quartalszahlen die Erwartungen.
- Während die Deutsche Bank von hohen Zinsen profitiert, punktet BASF durch ihr Verbundstandort-Modell in Zeiten globaler Handelskonflikte und Lieferkettenprobleme.
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Why It Matters
Die Bilanzsaison zeigt eine Verschiebung der Marktpräferenzen von Technologie und Rüstung hin zu klassischen Branchen wie Banken und Chemie. Dies wird durch steigende Zinsen und geopolitische Handelsbarrieren getrieben.
Die zwei Aktien BASF und Deutsche Bank aus dem Dax stehen für einen Börsentrend, aus dem Langfristanleger einigen Nutzen ziehen können.
Die Bilanzsaison zum dritten Quartal ist in diesen und den kommenden Tagen in vollem Gang. Dabei überraschten in der abgelaufenen Woche im Dax nicht die einstigen Boombranchen Technologie oder Rüstung, sondern zwei Unternehmen aus mutmaßlich stagnierenden, ja vielleicht sogar eher langweiligen Branchen.
Die Deutsche Bank hat in den Monaten Juli bis September einen Nettogewinn von 1,6 Milliarden Euro erzielt und damit besser verdient, als Analysten erwartet hatten.
Wachstumstreiber sind die Vermögensverwaltung mit Rekordzuflüssen sowie das Privat- und Firmenkundengeschäft. Der Nettozinsertrag betrug 3,7 Milliarden Euro. Die Deutsche Bank vergab mehr Kredite und profitierte von den in Europa und den USA stark steigenden Zinsen.
BASF hat bereits zum zweiten Mal in diesem Jahr seine Gewinnprognose angehoben. Europas größter Chemiehersteller profitiert von den Folgen des Irankriegs und konnte seine Verkaufspreise deutlich anheben.
Vor allem asiatische Konkurrenten sind stark von Lieferkettenproblemen betroffen, wozu unter anderem die temporäre Blockade der Straße von Hormus beiträgt. BASF hat Verbundstandorte, an denen Anlagen so eng vernetzt sind, dass Zwischenprodukte direkt weiterverarbeitet werden. Das macht den Konzern widerstandsfähiger.
Ludwigshafen ist der älteste Verbundstandort. Auf diese Weise zu produzieren, galt seit dem Siegeszug der Globalisierung, der nach dem Zusammenbruch der kommunistischen Staaten in Osteuropa und Asien vor der Jahrtausendwende begann, als veraltet. Freihandelsabkommen und immer günstigere Lieferwege machten es rentabler, Produkte in verschiedenen Kontinenten herzustellen und um die Welt zu transportieren.
Das ändert sich, seitdem mehr und mehr Staaten, angeführt von US-Präsident Donald Trump, auf Handelsrestriktionen setzen und sich wie in früheren Jahrhunderten mit Zöllen abschotten. Das macht die Produktion vor Ort wieder günstiger.
An den Aktienmärkten war die Finanz- und Chemiebranche lange Zeit wenig angesagt. Stattdessen dominieren Branchen wie Technologie und Rüstung. Doch steigende Zinsen und geopolitische Krisen sorgen für die Wende oder stoppen zumindest die Kurs-Talfahrt: Seit dem Ende der Nullzinsphase in der Euro-Zone im Sommer 2022 hat sich der Kurs der Deutsche-Bank-Aktie mehr als verdreifacht. Die BASF-Aktie ist seit Beginn des US-Angriffs auf den Iran im Frühjahr 2026 um gut 15 Prozent gestiegen.
Für langfristig orientierte Anleger ergibt sich daraus der Ratschlag, nie das gesamte Kapital in Aktien einzelner Boombranchen zu investieren. Früher oder später rächt sich das, wie sich im Dax gerade eindrucksvoll zeigt: Die in den vergangenen fünf Jahren um mehr als 1000 Prozent gestiegene Rüstungsaktie Rheinmetall hat auf Sicht der letzten zwölf Monate 40 Prozent verloren. Der größte Gewinner wird zum größten Verlierer.
Der in den vergangenen Tagen im Alter von 91 Jahren verstorbene Vermögensverwalter Gottfried Heller, lange Zeit Weggefährte der Börsenlegende André Kostolany, gab in diesem Zusammenhang Anlegern bereits 2013 im Handelsblatt den Ratschlag: „Legen Sie langfristig an. Timing, also den richtigen Kaufzeitpunkt zu erwischen, ist unwichtig und gelingt im Übrigen sowieso nicht.“
What to Watch
AI outlook — possibilities, not facts
Langfristige Anleger werden ihre Portfolios stärker diversifizieren.
Likely · Within months
Open Questions
- Wie nachhaltig ist die Gewinnsteigerung bei BASF bei anhaltenden Lieferkettenproblemen?







