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Börse: Pharma, Tech, Auto – wie wirken sich die US-Midterms auf die Kurse aus?
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Handelsblatt57 minutes agoBusiness6 min readGermany

Börse: Pharma, Tech, Auto – wie wirken sich die US-Midterms auf die Kurse aus?

Die US-Zwischenwahlen könnten die Machtverhältnisse im Kongress neu ordnen – und über Gewinner und Verlierer einzelner Branchen entscheiden.

Quick Look

  • Die bevorstehenden US-Zwischenwahlen könnten die Machtverhältnisse im Kongress verschieben.
  • Experten analysieren, wie eine mögliche geteilte Regierung oder demokratische Erfolge Branchen wie Rüstung, Tech, Auto, Energie und Gesundheit beeinflussen könnten.

AI-generated summary

Why It Matters

US-Zwischenwahlen finden regelmäßig in der Mitte der Amtszeit eines Präsidenten statt. Historisch führen sie oft zu einer geteilten Regierung, was Märkte häufig als stabilisierend empfinden.

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Die US-Zwischenwahlen könnten die Machtverhältnisse im Kongress neu ordnen – und über Gewinner und Verlierer einzelner Branchen entscheiden. Ein Überblick.

New York, San Francisco, Düsseldorf, München. Am nächsten Dienstag stimmen die Amerikaner neu über den Kongress ab. Die Folgen könnten auch auf dem Aktienmarkt spürbar werden. Laut Prognosebörsen wie Kalshi gelten dabei die Demokraten als eindeutige Favoriten für das Repräsentantenhaus.

Der Kampf um den Senat dürfte dagegen deutlich knapper ausfallen. Laut Experten und Umfragen gilt es als unwahrscheinlich, dass die Republikaner beide Kammern im Kongress verteidigen können.

Die Entscheidung ist nicht nur eine politische, sie hätte auch weitreichendere Auswirkungen. Was würde eine geteilte Regierung für die Aktienmärkte und einzelne Branchen wie Tech, Pharma oder Rüstung bedeuten? Ein Überblick:

Auswirkungen der Wahl auf den Aktienmarkt

Ein Blick in die Vergangenheit zeigt, dass die derzeit erwartete sogenannte gespaltene Regierung – heißt: ein Präsident, der sich auf keine eigene Mehrheit im Kongress stützen kann – ein recht häufiges Ergebnis der US-Midterms ist. Seit 1990 kam es bei fast jeder Zwischenwahl in den USA – mit Ausnahme von 2002 nach den Terroranschlägen am 11. September – zu geteilten Machtverhältnissen zwischen Demokraten und Republikanern.

Für die Auswirkungen am Markt ist dabei aus Sicht vieler Experten nicht so sehr der Ausgang der Wahl entscheidend, sondern das Ende der Unsicherheit darüber. Michael Heldmann, Chefanlagestratege bei Allianz Global Investors, weist in einer Analyse darauf hin, dass sich die Märkte nach den Wahlen häufig positiver entwickeln, da ein Ende der Unsicherheit die zuvor von Anlegern geforderte höhere Risikoprämie senkt.

Aktienstrategen der Deutschen Bank haben nachgerechnet: Demnach ist der breite US-Aktienindex S&P 500 in 21 der vergangenen 23 Zwischenwahlen im Zeitraum von einem Monat vor der Wahl bis zwei Monate danach gestiegen.

Dass sich die Regierung dabei künftig in einem „Gridlock“ befindet, in dem sich die beiden Parteien blockieren könnten, kann sich dabei sogar positiv auf die Börse auswirken. Eine geteilte Regierung wird laut Heldmann vom Markt oft positiv gewertet.

Der Grund: Sie senkt die Wahrscheinlichkeit, dass größere Gesetzesänderungen durchgesetzt werden. Für Unternehmen und Anleger kann das für mehr Vorhersehbarkeit und ein stabileres Umfeld sorgen. Auch wenn das kein stärkeres Wirtschaftswachstum oder bessere Gewinne impliziere, so Heldmann, fühlten sich die Märkte zweifellos in einem Umfeld besser, in dem die Spielregeln stabil erscheinen.

Jeffrey Schulze vom US-Vermögensverwalter Franklin Templeton geht sogar davon aus, dass eine „sehr starke Phase bevorsteht“, sobald die Zwischenwahlen vorüber sind. In den zwölf Monaten nach den Midterms lagen die durchschnittlichen Renditen am US-Markt bei 15,1 Prozent – von den 19 Beobachtungszeiträumen seit 1950 waren demnach alle positiv. „Angesichts des wirtschaftlichen Hintergrunds und des starken Gewinnumfelds gehen wir davon aus, dass sich diese Serie fortsetzen wird“, sagte Schulze jüngst in New York.

Die Berichtssaison zum dritten Quartal, die aktuell im vollen Gange ist und von den enormen Investitionen in Künstliche Intelligenz (KI) getrieben wird, könnte dabei erneut für Rekordergebnisse sorgen. Die Deutsche Bank geht von einem Gewinnwachstum der Unternehmen von 30 Prozent gegenüber dem Vorjahr aus. Für einige Analysten rückt die Bedeutung der Midterms angesichts des außergewöhnlichen KI-Investitionszyklus ohnehin in den Hintergrund.

Als größte Risiken für die Finanzmärkte sieht Ökonom Joe Maher von Capital Economics dagegen drei Faktoren: ein umstrittenes Wahlergebnis, ein stärkeres Engagement der Demokraten für ein Amtsenthebungsverfahren gegen Trump und die Sorge vor einer Linksverschiebung der Demokraten.

Doch wie stark der Effekt der Midterms im Detail sein wird, hängt auch von der jeweiligen Branche ab.

Rüstung: Deutliche Erhöhung des Verteidigungsetats?

In der Rüstungsbranche könnte auch ein von Demokraten kontrollierter Kongress die Investitionen wohl nicht deutlich zurückfahren. Kurzfristig dürfte sich die Neujustierung aber auf die Erwartungen der Konzerne auswirken. Trump will den Verteidigungsetat deutlich erhöhen, von rund einer Billion Euro in diesem Jahr auf bis zu 1,5 Billionen im Haushaltsjahr 2027. Mit einem demokratisch dominierten Kongress wären diese Ausgabensteigerungen wohl nicht zu machen. Ein Szenario, das die Börse schon eingepreist hat – seit dem Sommer hat der iShares US Aerospace & Defense ETF 16 Prozent an Wert verloren.

Analysten von BCA Research gehen bei einem Wahlsieg der Demokraten zwar von Kürzungen der Verteidigungsausgaben in den kommenden zwölf bis 24 Monaten aus. Größere Einschnitte stünden aber im Widerspruch zu strukturellen Trends, schreiben die Analysten.

Der enorme Munitionsverbrauch an Tomahawk-Marschflugkörpern und Patriot-Abwehrraketen im Irankrieg war ein Konjunkturprogramm für die Branche. Doch nun müssen die Bestände – unabhängig von der Partei – wieder aufgebaut werden. Zudem werden die Demokraten wahrscheinlich die Militärhilfe für die Ukraine und Taiwan sowie andere Verbündete erhöhen, selbst wenn es ihnen gelingt, die Ausgaben für Israel und den Iran zu reduzieren, sagen die Experten.

Kurzfristig könnten Waffenstillstände in der Ukraine oder dem Iran wie auch eine Kürzung der Verteidigungsausgaben der Demokraten zu Kursrückgängen führen. „Die Erwartung, dass sich eine der beiden US-Parteien in nennenswertem Umfang aus der Weltpolitik zurückziehen könnte“, ist aus Sicht der Experten aber übertrieben. Langfristig blieben die strukturellen geopolitischen Faktoren intakt. Aus Sicht der USA ist China der größte militärische Rivale der nächsten Dekaden, gegen den das Land nun rüstet.

Technologie: Wer zahlt die Infrastruktur?

Im Gegenzug dazu könnte für die Tech-Branche – allen voran den KI‑Sektor – ein Erstarken der Demokraten bei den Zwischenwahlen deutlichen Gegenwind bedeuten. Das gilt vor allem für den Bau neuer KI‑Rechenzentren, den die Politik stärker reglementieren könnte. Goldman Sachs geht davon aus, dass die großen Hyperscaler in diesem Jahr 800 Milliarden Dollar in den Ausbau investieren können, 2027 sogar 1,2 Billionen Dollar. Sollte ein von den Demokraten kontrollierter Kongress den Ausbau verlangsamen, könnte sich manche Umsatzerwartung nicht erfüllen lassen.

Aus Sicht von JP Morgan ist für Investoren am 3. November aber möglicherweise nicht so sehr die Parteifarbe bei dem Wahlausgang entscheidend. Wichtiger sei vielmehr, wie gut die einzelnen Kandidaten in der Frage der Rechenzentren abschneiden. Ein wachsender Widerstand der Wähler gegen die hohen Energiekosten und Anzeichen eines parteiübergreifenden Konsenses können Entwickler dazu zwingen, einen größeren Teil der Infrastrukturkosten selbst zu tragen – was die Gewinnmargen der Konzerne drücken könnte.

Die Tech-Branche könnte aber auch aus anderen Gründen in den Fokus der Demokraten geraten, mit Folgen für die Kursentwicklung. Treffen könnte das vor allem den SpaceX-Chef Elon Musk. Der republikanische Großspender hat es sich nach Ansicht von New-York-University-Professor Scott Galloway mit den Demokraten verscherzt, die zumindest das Repräsentantenhaus, womöglich auch den Senat zurückerobern könnten. Galloway rechnet mit einer „langen Liste an Vorladungen“ im Kongress – unter anderem zur Drosselung des SpaceX‑Satelliteninternetdienstes in der Ukraine. Sollte Musk mit Anhörungen überzogen werden oder sein Weltraumkonzern im kommenden Bundeshaushalt Aufträge verlieren, könnte das Druck auf die Aktie ausüben.

Auto: Wie geht es mit den Zöllen weiter?

Dass mit den Demokraten im Kongress eine Kehrtwende für die von den Zöllen getroffene europäische Automobilbranche bevorsteht, ist unwahrscheinlich – trotz des jüngsten Auftritts von Audi-Chef Gernot Döllner auf einer Wahlkampfbühne der Republikaner, wo er das erste US-Werk der Marke in Georgia verkündete. Ein Grund dafür: Die US‑Zölle kosteten den Hersteller allein 2025 rund 1,2 Milliarden Euro an operativem Gewinn.

Audi steht damit für eine ganze Branche. Seit April 2025 erheben die USA grundsätzlich, also ohne separate Deals, 25 Prozent Zoll auf importierte Autos. Das Fachblatt „Automotive News“ summierte die Zollkosten, die die Hersteller für 2025 gemeldet und bis März 2026 erwartet hatten, auf 35,4 Milliarden Dollar. Seitdem die Zölle verkündet wurden, ist der europäische Branchenindex Stoxx 600 Automobiles & Parts um 22 Prozent eingebrochen.

Eine demokratische Mehrheit im Kongress dürfte an alldem wenig ändern. Die Autozölle stützen sich auf ein Handelsgesetz von 1962, das dem Präsidenten im Namen der nationalen Sicherheit weite Befugnisse gibt. Neue Gesetze gegen Zölle oder für E-Auto-Prämien müsste Trump wiederum unterschreiben. Sein Veto könnten die Demokraten nur mit Zweidrittelmehrheiten in beiden Kammern brechen – davon ist die Partei weit entfernt, im Senat steht nur gut ein Drittel der Sitze zur Wahl.

Und wo der Kongress tatsächlich Gesetze schreibt, zählt die Parteifarbe wenig. Ein Republikaner und eine Demokratin wollen Autobauer mit mehr als 15 Prozent chinesischen Eigentümern vom US-Markt ausschließen. Der Handelsausschuss des Senats stimmte im Juli einstimmig zu. Treffen könnte das Mercedes: BAIC und Geely-Gründer Li Shufu halten zusammen knapp 20 Prozent.

Energie: Energiepolitik wird vor allem von der Regierung gemacht

Ein demokratischer Sieg bei den Zwischenwahlen dürfte nur begrenzten Einfluss auf die aktuellen Entwicklungen im US-Energiesektor haben, den Trump derzeit neu sortiert: Öl und Gas fördert er, für den Ausstieg aus der Windkraft zahlt er sogar. Die Förderabgaben für Bohrungen auf bundeseigenem Land senkten die Republikaner, die Steuergutschriften für Wind- und Solarstrom ließen sie vorzeitig auslaufen.

Zusammen mit Versorgungsengpässen im Nahen Osten sorgte das im Sektor für massiven Aufwind: Der S&P-500-Energy-Index legte in den letzten zwölf Monaten um 60 Prozent zu und notiert auf einem Allzeithoch. Auch wenn Experten von Franklin Templeton infrage stellen, dass sich die jüngste Performance selbst bei höheren Ölpreisen fortsetzen ließe – eine demokratische Mehrheit im Kongress könnte diese Ordnung kaum kippen.

Ein Beispiel dafür: Von Unternehmen wie Chevron, die im zweiten Quartal dank des hohen Ölpreises mit zwölf Milliarden Dollar so viel wie noch nie verdienten, fordern einige Demokraten bereits jetzt eine Art Übergewinnsteuer. Durchsetzen ließe sich davon aber wenig, solange Trump sein Veto einlegen kann. Analysten von S&P Global CERA verweisen darauf, dass Energiepolitik in den USA seit zwei Jahrzehnten vor allem von der Regierung gemacht wird. Den Einfluss der Wahl auf die Energiepolitik der kommenden zwei Jahre schätzen sie deshalb als „nur minimal“ ein.

Gesundheit: Kommt es zu einem Wechsel der Profiteure?

Im Gesundheitssektor könnte ein überraschender Sieg der Demokraten in beiden Kammern Gewinner und Verlierer neu sortieren. Diederik Stadig, Pharma-Analyst bei der niederländischen ING, geht in dem Fall davon aus, dass Demokraten die Offenlegung sämtlicher bisher vertraulichen Preisvereinbarungen („Most-Favored-Nation“) zwischen der Regierung und den Pharmakonzernen verlangen. Diese zielen darauf ab, Medikamente günstiger in den USA anzubieten. Sollten die Rabatte öffentlich werden, könnten auch andere Käufer diese Preise einfordern, was die Gewinne der Arzneimittelhersteller belasten würde.

Im Gesundheitssektor könnte es zu einem Wechsel der Profiteure kommen. Markus Manns, Portfolioanalyst bei Union Investment, schätzt, dass die Demokraten versuchen dürften, geplante Kürzungen bei Medicaid – einem öffentlichen Krankenversicherungsprogramm für Einkommensschwache – aufzuhalten, was die Zahl der Unversicherten reduzieren würde. Von einem Wahlsieg der Demokraten würden damit eher Krankenhäuser und Medicaid-Versicherer statt der Pharmabranche profitieren.

Ein demokratisch geführter Kongress könnte mittels staatlicher Zuflüsse damit zumindest einen Teil des Sektors stabilisieren. Zuletzt profitierte der Sektor aber auch davon, dass Anleger im Zuge erhöhter Volatilität verstärkt zu defensiven Titeln griffen. In den letzten drei Monaten stieg der Branchenindex S&P 500 Health Care um rund 10,0 Prozent und damit deutlich stärker als der breite Markt, der im selben Zeitraum nur rund vier Prozent gewann.

Banken: Blick richtet sich gen 2028

Für den Bankensektor dürften die Zwischenwahlen aus regulatorischer Sicht weniger entscheidend sein als die nächsten Präsidentschaftswahlen. Während der beiden Amtszeiten des US-Präsidenten hat der Bankensektor in den USA von breiten Deregulierungen profitiert, die Trump bereits in seiner ersten Amtszeit angestoßen hatte. Seit November 2024 hat der KBW-Nasdaq-Bankenindex, der die wichtigsten US-Großbanken umfasst, 43 Prozent zugelegt, auch wenn der Höhenflug zuletzt aufgrund der Zinswende am Markt zu spürbaren Kursverlusten geführt hatte. Goldman Sachs, Morgan Stanley und JP Morgan konnten in Trumps zweiter Amtszeit ihren Börsenwert dennoch um mehr als 50 Prozent steigern.

Dass dieser Deregulierungswelle nun ein plötzliches Ende droht, sollten die Demokraten den Kongress selbst vollständig zurückerobern, ist nicht zu erwarten. Das liegt daran, dass vor allem die Aufsichtsbehörden wie die Einlagensicherung FDIC oder die US-Notenbank Fed über die Ausgestaltung und Details der für die Branche wichtigen Regeln wie die Kapitalvorschriften entscheiden.

Ein Bankenausschuss mit demokratischer Mehrheit hätte zwar die Möglichkeit, Nominierungen des Präsidenten für die Behördenleiter zu blockieren oder die zuständigen Führungspersonen zu Anhörungen einzuladen und damit Druck auf die Behörden auszuüben. Larissa Schäfer von der Frankfurt School of Finance sieht den Einfluss aber selbst bei einem Wahlerfolg der Demokraten als begrenzt an. So seien die Behörden bereits dabei, die aktuelle Deregulierung umzusetzen, sagt Schäfer. Eine Umkehr würde selbst bei einer Neuformierung des Kongresses Zeit in Anspruch nehmen. Wichtiger wird damit der Blick nach vorn, auf die Präsidentschaftswahl 2028.

What to Watch

AI outlook — possibilities, not facts

  • Marktvolatilität sinkt nach Klärung der Wahlergebnisse.

    Likely · Within weeks

Open Questions

  • Wie stark wird die Blockadehaltung im Kongress nach der Wahl sein?
  • Welche konkreten Auswirkungen haben die Zölle auf europäische Autobauer langfristig?

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This article was originally published by Handelsblatt.

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