Brasilien steht vor Stichwahl zwischen Lula und Bolsonaro-Sohn
Quick Look
- Bei der brasilianischen Präsidentschaftswahl müssen Luiz Inácio Lula da Silva und Flávio Bolsonaro in eine Stichwahl gehen, nachdem keiner die absolute Mehrheit erreichte.
- Lula kam auf 44,6 Prozent, Bolsonaro auf 47,4 Prozent der Stimmen.
- Die Stichwahl findet am 25.
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Why It Matters
Lula regierte Brasilien bereits von 2003 bis 2011 und ist seit 2023 erneut im Amt. Sein Kontrahent Flávio Bolsonaro ist der Sohn des ehemaligen Präsidenten Jair Bolsonaro, der wegen versuchten Staatsstreichs zu über 27 Jahren Haft verurteilt wurde. Die Wahl findet in einem stark polarisierten Umfeld statt, wobei Kriminalität ein zentrales Thema ist.
Die Präsidentenwahl in Brasilien wird sich in einer Stichwahl zwischen dem linken Amtsinhaber Luiz Inácio Lula da Silva und dem rechten Senator Flávio Bolsonaro entscheiden. Nach Auszählung von 97 Prozent der Stimmen kam Lula laut vorläufigen Angaben der Wahlbehörde auf rund 44,6 Prozent, sein rechter Rivale auf 47,4 Prozent – beide verfehlten damit die für einen Sieg im ersten Wahlgang erforderliche absolute Mehrheit.
Damit entscheidet sich am 25. Oktober, ob der 80-jährige Lula eine vierte Amtszeit antritt oder der 45-jährige Sohn des früheren Präsidenten Jair Bolsonaro die Regierung übernimmt. Rund 159 Millionen Brasilianer waren zur Wahl aufgerufen.
Lula von der Arbeiterpartei PT steht für die Fortsetzung seiner seit 2023 betriebenen Politik mit Sozialprogrammen, öffentlichen Investitionen und einer stärkeren Rolle des Staates. Flávio Bolsonaro von der Liberalen Partei PL verspricht dagegen einen schlankeren Staat, Ausgabenkürzungen und eine härtere Linie gegen Kriminalität. Der Wahlkampf ist von einer starken Polarisierung geprägt.
Lula regierte Brasilien bereits von 2003 bis 2011. Seine Bilanz der laufenden Amtszeit ist gemischt: Die Arbeitslosigkeit sank, der Mindestlohn wurde angehoben und die Abholzung im Amazonasgebiet ging zurück. Zugleich belasten steigende Lebenshaltungskosten, hohe Staatsausgaben und Schulden sowie Korruptionsaffären die Regierung.
Vor vier Jahren standen sich Lula und Jair Bolsonaro gegenüber, der wegen seiner Beteiligung an einem versuchten Staatsstreich zu mehr als 27 Jahren Haft verurteilt wurde. Nun möchte sein Sohn das politische Erbe seines Vaters fortführen. Eines seiner zentralen Wahlkampfversprechen ist eine Amnestie für seinen Vater.
Andere Mitglieder der Bolsonaro-Familie konnten bereits Wahlerfolge verbuchen: Die frühere First Lady Michelle Bolsonaro wurde im Bundesdistrikt Brasília in den Senat gewählt. Carlos Bolsonaro, ein weiterer Sohn des früheren Präsidenten, gewann ebenfalls einen Senatssitz – im südlichen Bundesstaat Santa Catarina.
Zentrales Thema der Wahl: die Sicherheit
Kriminalität gehört zu den größten Sorgen vieler Brasilianerinnen und Brasilianer. Drogenbanden kontrollieren in Teilen des Landes Gebiete und sind in Drogenhandel und weitere illegale Geschäfte verwickelt. Auch Gewalt gegen Frauen bleibt ein großes Problem.
Flávio Bolsonaro setzt auf einen besonders harten Kurs. Im Wahlkampf kündigte er rund eine halbe Million zusätzliche Haftplätze und Hochsicherheitsgefängnisse nach dem Vorbild in El Salvador an. Zudem will er kriminelle Organisationen stärker bekämpfen. Lula setzt stärker auf die Bekämpfung der finanziellen Strukturen organisierter Kriminalität.
Auch die Außenpolitik war Teil des Wahlkampfs. US-Präsident Donald Trump hatte Jair Bolsonaro politisch unterstützt und die strafrechtliche Verfolgung des früheren Staatschefs kritisiert. Flávio Bolsonaro näherte sich im Wahlkampf dem politischen Lager Trumps an und traf ihn bereits im Weißen Haus in Washington. Lula setzt dagegen stärker auf die Verteidigung der brasilianischen Souveränität und versucht, trotz Konflikten mit Washington die Beziehungen zu den USA zu stabilisieren.
Brasilien ist als größte Volkswirtschaft und bevölkerungsreichstes Land Lateinamerikas ein wichtiger politischer Akteur der Region – ein Sieg Lulas würde das Land als politischen Gegenpol zu dem regionalen Rechtsruck erhalten. Unter Flávio Bolsonaro würde sich Brasilien stärker an Washington und konservativen Regierungen der Region orientieren, was auch Trumps Einfluss in Lateinamerika deutlich ausweiten würde.
Unabhängig vom Ausgang der Stichwahl wird die künftige Regierung auf Mehrheiten im Kongress angewiesen sein. Gleichzeitig mit dem Präsidenten wurden am Sonntag unter anderem auch Abgeordnete und Senatoren gewählt.
What to Watch
AI outlook — possibilities, not facts
Die Stichwahl am 25. Oktober wird eine sehr knappe Entscheidung bringen, wobei Flávio Bolsonaro aufgrund seines aktuellen Vorsatzes leicht favorisiert ist.
Likely · Within days
Unabhängig vom Wahlausgang wird die neue Regierung auf Koalitionen im Kongress angewiesen sein, um réformes durchzusetzen.
Very likely · Within weeks
Open Questions
- Wie wird die Sicherheitssituation in Brasilien unter den jeweiligen Kandidaten entwickelt?
- Welche konkreten Schritte plant Lula zur Bekämpfung der finanziellen Strukturen organisierter Kriminalität?
- Wie wird die Außenpolitik Brasiliens unter einem möglichen Sieg Flávio Bolsonaros aussehen?
- Welche Auswirkungen wird die Stichwahl auf die Kongressmehrheiten haben?


