Cristiano Ronaldos unrühmliches Ende im Nationalteam
Der Abgang des Superstars aus dem portugiesischen Nationalteam nach einer Nicht-Nominierung wirft Fragen über sein Ego und seine Zukunft bei Al-Nassr auf.
Quick Look
- Cristiano Ronaldo hat das portugiesische Nationalteam nach einer Nicht-Nominierung durch Trainer Jorge Jesus verlassen.
- Der Kommentar vergleicht Ronaldos egozentrischen Abgang mit dem würdevollen Abschied seines Rivalen Lionel Messi.
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Why It Matters
Ronaldo verließ das Nationalteam nach einer Entscheidung von Jorge Jesus, ihn nicht in die Startelf gegen Dänemark zu berufen. Dies erinnert an ähnliche Spannungen unter Fernando Santos vor der WM 2022.
Was für ein Abgang: Eingeschnappt nicht zum Training erschienen, mit dem Privatjet aus Dänemark abgehauen, in einer Nacht-ohne-Nebel-Aktion in Spanien gelandet, seine Mannschaftskollegen schier sprachlos zurückgelassen, aber auf Instagram geraunt, dass er zu gegebener Zeit seine Gründe darlegen werde, weshalb er das Nationalteam nach zwei von vier Nations-League-Spielen im Stich lässt.
Cristiano Ronaldos Missmut kam wohl daher, dass ihm Nationaltrainer Jorge Jesus mitteilte, dass er gegen Dänemark wieder nicht erste Wahl sein würde. Typisch „CR7“, ist man geneigt zu sagen. Hat er sich selbst nicht schon immer für den Größten gehalten und wichtiger genommen als jede Mannschaft, in der er spielte?
Der Rivale Messi zeigt am Ende ein besseres Timing
Wenn es dem Ende zugeht, zeigt sich wahre Größe. Und da erscheint das Muskelpaket Ronaldo von mickrigerem Gemüt als sein ewiger Rivale Lionel Messi. Fast zwei Jahrzehnte lang stritten sich der Portugiese und der Argentinier sowie ihre jeweiligen Anhängerschaften darum, wer der beste Fußballer ihrer Generation oder gar der Geschichte sei. In manchen Statistiken hat der eine die Nase vorn, in manchen der andere: Messi hat mehr Titel, Ronaldo mehr Tore. Was das Timing des Abschlusses angeht, ist Messi der weitaus Bessere.
Der achtmalige Weltfußballer hat vor Wochen einen geregelten Abschied verkündet. Als Erfolgsboni bekommt er am kommenden Dienstag daheim ein letztes Länderspiel und sogar die Ehrendoktorwürde der Universität von Buenos Aires. Ob es mit Messis „Exzellenz, Beharrlichkeit, Bescheidenheit und ethischem Handeln bei der Ausübung seiner Tätigkeit“, wie es in der Uni-Begründung heißt, weit her ist, kann jeder angesichts der oft giftigen sowie grenzüberschreitenden Auftritte des verurteilten Steuerbetrügers für sich entscheiden. Jedenfalls bekommt Messi einen Abschied in Ehren, während sich Ronaldo quasi selbst unehrenhaft entlässt.
Nur wenn er hofiert wird, zeigt sich „CR7“ als Teamplayer
Der Abgang des eingeschnappten Ronaldo wirkt so, wie seine Karriere oft erschien: als Ego-Trip eines Typen, der sich mit allen anlegt, die ihn daran hindern, das zu tun, was ihm die Welt bedeutet: Fußball spielen. Solange Trainer und Mitspieler ihn ließen und hofierten, zeigte sich der Einundvierzigjährige als erfolgreicher Teamplayer: Erinnert sei nur an das EM-Finale 2016, als der verletzte Superstar an der Seitenlinie seine Selecção antrieb. Sobald er ein wenig ins Glied rücken sollte, empfand er es als Majestätsbeleidigung. Fernando Santos hatte es als Nationaltrainer vor der WM 2022 in Qatar erleben müssen, als er Ronaldo davon in Kenntnis setzte, ihn nicht in der Startelf aufzustellen. Danach sei das Verhältnis eisig geworden, sagte Santos.
Die Frage ist längst nicht mehr, ob Ronaldo weiterhin zum Fixstern in Portugals Fußballuniversum taugt, sondern wer ihm zu sagen wagt, dass er fortan nur noch ein Star unter vielen sein wird. Jorge Jesus hat es nun riskiert und damit ein Beben ausgelöst. Dabei ist der Einundsiebzigjährige eigentlich einer, dem ein gütliches Ende zuzutrauen wäre. Er erscheint wie eine Vaterfigur und hat auch bei Ronaldo stets Kredit genossen. Schließlich hat er im vergangenen Jahr den Trainerjob bei Al-Nassr übernommen und das Team und vor allem seinen titelhungrigen Landsmann erstmals zur saudi-arabischen Meisterschaft geführt.
Da Ronaldos internationale Karriere nun ein unrühmliches Ende zu nehmen droht, stellt sich die Frage, inwiefern er auch für Al-Nassr entbehrlich ist. Gemessen an Ronaldos bisherigen Saisonleistungen, gäbe es gute Gründe, wenn Klubtrainer Ange Postecoglou Ähnliches wagen würde wie Nationalcoach Jesus. Doch in der Saudi League ist „CR7“ nicht nur ein Fußballstar, der in seinem Alter vielleicht lieber Padel spielen sollte. Sondern er ist einer, der der Liga Strahlkraft und Einnahmen verleiht. Dort darf der Star wohl mitentscheiden, wie lange er noch irrlichtert.
Open Questions
- Wie reagiert der Verband offiziell auf Ronaldos Abreise?
- Wird Al-Nassr Konsequenzen ziehen?


