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BackThe 1972 Olympic attack in Munich: The memories of contemporary witness Shlomo Levy
The 1972 Olympic attack in Munich: The memories of contemporary witness Shlomo Levy
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Die Welt58 minutes agoWorld4 min readGermanyView original

The 1972 Olympic attack in Munich: The memories of contemporary witness Shlomo Levy

Der israelische Betreuer Shlomo Levy erlebte den Terroranschlag auf die Olympischen Spiele in München 1972 aus nächster Nähe. Heute spricht er als Zeitzeuge darüber.

Quick Look

The Israeli Olympic supervisor Shlomo Levy reports as a contemporary witness about the anti-Semitic terrorist attack at the 1972 Olympic Games in Munich, in which twelve people died.

AI-generated summary

Why It Matters

Am 5. September 1972 nahmen palästinensische Terroristen israelische Geiseln im olympischen Dorf in München. Nach 21 Stunden endete das Drama in einer Katastrophe.

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Ein gesunder Schlaf ist ein Geschenk. Nicht einmal das scharfe Knattern mehrerer Feuergarben aus Kalaschnikow-Gewehren hatte Shlomo Levy wecken können. Der 30-jährige Israeli wohnte als Dolmetscher und Betreuer in einem Apartment im Haus Connollystraße 31, dem Quartier der israelischen Delegation bei den Olympischen Sommerspielen in München 1972. Als zwischen 4.45 und fünf Uhr morgens am Dienstag, dem 5. September, acht palästinensische Terroristen neun Sportler, Trainer und Kampfrichter als Geiseln nahmen und zwei weitere ermordeten, bekam er davon nichts mit, sondern schlief weiter.

Vom Überfall erfuhr Levy erst zwei Stunden später, gegen sieben Uhr, als das Telefon in seinem Apartment klingelte. Am Apparat war die Mitarbeiterin eines Radiosenders aus Jerusalem. Sie wollte aus erster Hand wissen, „wie das Attentat begonnen hat und wie die Situation gerade ist“?

Erst gegen halb zwei Uhr nachts war er ins Bett gekommen, weil er mit den meisten Mitgliedern der israelischen Delegation am Abend zuvor auf Einladung der jüdischen Gemeinde München das Musical „Anatevka“ im Deutschen Theater besucht hatte. Dessen Hauptrolle gab der israelische Bühnenstar Shmuel Rodensky.

Schlaftrunken antwortete Levy, er wisse von nichts. Jedoch wollte er nachfragen, verließ seine Wohnung und ging die wenigen Meter zum Apartment von Shmuel Lalkin, dem Chef der Mannschaft; es lag auf demselben Flur gegenüber. Auf sein Klingeln reagierte niemand, auch ansonsten fiel ihm nichts auf. Also ging Shlomo Levy zurück zu seinem Telefon und sagte der Anruferin aus Jerusalem: „Tut mir leid, hier ist alles ruhig.“ Dann legte er sich wieder ins Bett.

Fast auf den Tag 54 Jahre grinst Shlomo Levy etwas schräg, als er im Städtischen Museum Braunschweig als Zeitzeuge über diesen Tag berichtet. Für die öffentliche Debatte im Rahmen der Ausstellung „Mit eigener Stimme“ über 75 Jahre Zentralrat der Juden in Deutschland ist der 84-Jährige auf Einladung der Deutsch-Israelischen Gesellschaft aus Tel Aviv nach Deutschland gekommen. An seiner Seite berichtet Renate Wagner-Redding, die am Morgen des 5. September 1972 als Telefonistin im Fernmeldezentrum am Olympischen Dorf Schicht hatte, zufällig für Anrufe aus dem Nahen Osten eingeteilt war – und zahlreiche besorgte, teilweise ungläubige Anrufe aus Israel von Hand durchstellen musste.

Was an diesem Morgen bereits geschehen war und in den folgenden Stunden noch geschah, erwies sich als Zäsur: Es war der erste internationale, voll auf die Medienwirkung eines Weltereignisses konzipierte antisemitische Terroranschlag. Nach 21 Stunden waren zwölf Opfer tot, elf israelische Sportler und ein Polizist. Drei der acht Terroristen konnten lebend festgenommen werden, die übrigen wurden erschossen.

Die deutsche Polizei erwies sich, dem hohen persönlichen Einsatz vieler Beamter zum Trotz, als völlig unzureichend vorbereitet auf die konkrete Lage. Die Bundeswehr war bei den Sommerspielen ausschließlich als Dienstleister im Einsatz; der Bundesgrenzschutz (die heutige Bundespolizei) leistete vor allem technische Unterstützung.

Weil die Bundesrepublik sich bewusst hatte abgrenzen wollen von der martialischen Inszenierung der Olympischen Spiele 1936 in Garmisch und Berlin, „heitere Spiele“ feiern wollte, waren grundlegende Sicherheitsvorkehrungen ignoriert worden. Während mögliche Attentate auf hochrangige Besucher wenigstens im Vorfeld diskutiert worden waren, gab es keinerlei Vorbereitungen auf eine denkbare Geiselnahme.

Dabei hatten seit 1969 eine Reihe ebensolcher Gewalttaten palästinensischer Täter Israel und andere westliche Staaten getroffen. Zuletzt mussten auf dem Flughafen von Tel Aviv Spezialkräfte des Militärs am 8. Mai 1972 eine entführte Boeing gewaltsam befreien.

Auch die Bundesrepublik hatte schon Erfahrungen mit linksextremistischem und palästinensisch-nationalistischem (allerdings noch nicht: islamistischem) Terror machen müssen: Anfang 1970 gab es eine Serie von Bomben- und Brandanschlägen sowie zwei gescheiterte Flugzeugentführungen in München; im Mai 1972 folgten sechs Detonationen, die von der Baader-Meinhof-Bande verübt worden waren.

Die Verantwortlichen für die Sicherheit der Sommerspiele, zum großen Teil identisch mit der Leitung der Münchner Polizei, wollten offenbar nichts wissen über die Gefahr weiterer Anschläge während der gut drei Wochen, in denen die Augen der Welt auf Bayerns Metropole gerichtet waren.

Bis eben zum 5. September 1972. Shlomo Levy wurde bald wieder aus dem Bett geklingelt – diesmal von einem Redakteur einer Tel Aviver Zeitung. Weil es der Betreuer nun wirklich wissen wollte, schaute er wieder hinaus – und diesmal bot sich ihm ein anderes Bild.

Denn nun stand ein offensichtlich arabischer Mann in weißem Anzug und mit einem weißen Hut auf der Connollystraße vor dem Eingang zum Haus 31. „Tiefenentspannt“, so Levys Eindruck, sprach er mit einer Frau im hellblauen Kostüm der Ordnungskräfte im Olympischen Dorf. Alle Männer und Frauen in dieser fröhlichen Uniform waren erfahrene Polizisten, aber man sah es ihnen nicht an.

Der Mann im weißen Anzug ließ sich „Issa“ nennen; die Frau war Gertrud Lauterbach, eine Essener Polizistin der Nachtschicht im Olympischen Dorf, die bald nach fünf Uhr morgens zur Connollystraße 31 geeilt war. Die 36-Jährige hielt auf „Issas“ Wunsch mit einem Walkie-Talkie in der Hand den Kontakt zur Polizei – männliche Kollegen will „Issa“ in der Nähe nicht sehen.

Shlomo Levy, der neben seinem Studium an der Universität Tübingen seit 1969 als freier Mitarbeiter beim damaligen Süddeutschen Rundfunk jobbte, spürte: Er befand sich mitten im Auge eines Hurrikans. Sein Instinkt sagte ihm, dass er das Geschehen dokumentieren müsse.

Mit einigen Schwierigkeiten schaffte er es, ins Apartment-Hochhaus gegenüber zu kommen, das Quartier der DDR-Mannschaft. Offenbar hielt ihn ein höherer Beamter des Bundesgrenzschutzes für einen israelischen Sicherheitsmann – Levy war während seines Militärdienstes in der Armee Offizier gewesen. Jedenfalls händigte ihm der Betreiber des Fotogeschäftes im Olympischen Dorf auf Weisung des Grenzschützers problemlos eine Kamera mit Teleobjektiv und zahlreiche Filme aus.

Den Tag über fotografierte Levy aus einem Apartment im vierten Stock, das an sich der Versorgung der Sportler diente, was am Haus Connollystraße 31 geschah. Seine Fotos ergänzen die bekannten Aufnahmen von Journalisten, die meist von Dächern aus deutlich größerer Entfernung die Verhandlungen dokumentierten. Ein Stapel Aufnahmen hat sich bei seinem Auftritt in Braunschweig die Kommission des Münchner Instituts für Zeitgeschichte ausgeliehen, die gegenwärtig die Ereignisse des 5. September 1972 untersucht – mit allerdings erwartbar geringem Erkenntnisertrag.

Bis in den Abend hinein verfolgte Shlomo Levy, was sich in der Connollystraße 31 tat. Er sah die Vorbereitungen für den dann im letzten Moment abgesagten Sturmangriff und, Stunden später, für den Abtransport der neun Geiseln zum Hubschrauberlandeplatz an der Lerchenauer Straße. Hier endete seine Zeugenschaft.

Von der Katastrophe in Fürstenfeldbruck, bei der alle noch lebenden Israelis und ein Polizist starben, bekam Levy mit eigenen Augen nichts mehr mit. Seine Fotos und seine Erinnerungen an die Situation vor Ort jedoch bleiben – und ergänzen das Wissen über den Anschlag auf Olympia in einigen wichtigen Facetten.

Tatsächlich gab es wohl niemanden, der so lange wie er so nahe dem Geschehen in der Connollystraße war: Die nicht als Geiseln genommenen Israelis waren in Sicherheit gebracht worden; die Unterhändler kamen immer nur für einige Minuten vorbei. Nur die Kriminalhauptmeisterin Anneliese Graes, die mit einigen kürzeren Pausen rund zwölf Stunden, von 7.50 Uhr morgens bis nach 20 Uhr, als Kontaktfrau fungierte, war ähnlich dicht dran.

Open Questions

  • Welche neuen Erkenntnisse liefert die Untersuchung des Instituts für Zeitgeschichte?

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This article was originally published by Die Welt.

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